News-Archiv


Aktionstage Politische Bildung

Mit Workshops und Führungen in der aktuellen Ausstellung "Die weibliche Seite Gottes"23. April bis 9. Mai 2017

Bereits zum 15. Mal finden heuer die Aktionstage Politische Bildung statt. Mit vielen Einzelveranstaltungen sowie Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten in diversen Medien bilden sie eine bundesweite Plattform zur Auseinandersetzung mit Politischer Bildung. In allen neun Bundesländern steht eine bunte Palette von Workshops, Projekten an Schulen, Ausstellungen, Filmen, Theaterstücken, Fortbildungsveranstaltungen für politische BildnerInnen, Veranstaltungen zu Gedenktagen, Radiosendungen, Publikationen und Internetauftritten auf dem Programm.

Dienstag 2. Mai 2017 bis Dienstag 9. Mai 2017:  
Workshops für Schulklassen und Führungen in der aktuellen Sonderausstellung „Die weibliche Seite Gottes“  im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung im Jüdischen Museum Hohenems mehr 

Alte Freiheiten von Ems

1617-2017
400 Jahre Juden in Hohenems

Im Juli 1617 trat der erste Schutzbrief in Kraft, der es zwölf Juden ermöglichte, sich in Hohenems niederzulassen und eine Gemeinde zu gründen. In den darauffolgenden 200 Jahren erfuhr der Schutzbrief für die Hohenemser Juden nicht nur unzählige Erweiterungen und Umschreibungen, er wurde auch von Kaspars Urenkel, Franz Karl, außer Kraft gesetzt und die Juden 1676 aus Hohenems verjagt – nur, um ihnen 1688 aus finanziellen Nöten die Ansiedlung mittels eines neuen Schutzbriefes erneut zu gewähren.
Der Blick in die verschiedenen abgeänderten und erweiterten Versionen des Hohenemser Schutzbriefes zeigt, wie sehr die Juden politischen Ereignissen und der Willkür der jeweiligen Herrscher ausgesetzt waren. Um solcher Willkür oder der Vertreibung zu entgehen und das Leben der Gemeinde zu entwickeln, bedurfte es der geschickten Diplomatie und des Gefühls für die Interessen der Bevölkerung und der jeweiligen Herrschaft, die nach dem Ende der Hohenemser Reichsgrafen 1758 schließlich wieder an das Haus Habsburg zurückfiel.
Das Jüdische Museum Hohenems möchte zum 400. Jahrestag des Hohenemser Schutzbriefes Einblicke in diese Abhängigkeiten gewähren. Die verschiedenen Schutzbriefe ab 1617 bezeugen die sich ändernden Intentionen der Herrscher, ebenso wie politische, soziale und kulturelle Umwälzungen von der Frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert. Diese Wandlungen spiegeln dabei auch das Bild der Juden in der jeweiligen, zeitgenössischen Gesellschaft wider.
Der Schutzbrief ist in diesem Sinne der Versuch, einer Randgruppe ihren gesellschaftlichen Ort zuzuweisen – je nach Nutzen der Mehrheitsgesellschaft. Und er wirft seinen historischen Schatten auch auf die Gegenwart: Das jüdische Leben in Hohenems nach der Emanzipation der Juden in Österreich-Ungarn 1867 ist schließlich von Abwanderung geprägt, bis die jüdische Gemeinde 1940 durch die Nationalsozialisten zerstört wurde. Die Nachkommen der Hohenemser jüdischen Familien bewahren bis heute, überall auf der Welt zerstreut, das Andenken an ihre Geschichte.

An die Ursprünge dieser Geschichte in den Hohenemser Schutzbriefen erinnert vom 3. April bis zum 31. Juli 2017 eine kleine Schau im Foyer des Museums.

Veranstaltungen im Rahmen der 400-Jahr-Feier:

Mo, 3. April 2017, 19 Uhr
19 Uhr: Eröffnung der Foyer-Ausstellung mit Umtrunk
Wie eine Jüdische Gemeinde entsteht. Juden im Spannungsfeld von Gesetz, Religion und Gesellschaft um 1600
19.30 Uhr: Vorträge und Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Laux (Trier) und Dr. Wolfgang Scheffknecht (Lustenau) mehr 

Do, 20. April 2017, 19:30 Uhr
In der Judenstadt. Die Wiener Juden im 17. Jahrhundert
Lesung mit Claudia Erdheim (Wien) mehr 

Mi, 17. Mai 2017, 19:30 Uhr
Heereslieferungen, Schanzarbeiten, Klagelieder:
Juden im Dreißigjährigen Krieg
Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Martha Keil (Wien/St. Pölten) mehr 

So, 2. Juli 2017, 11:00 Uhr
400 Jahre Hohenemser Schutzbrief – Festakt
Festvortrag von Dan Diner (Tel Aviv) und Konzert mit jüdischer Musik des Barock mehr 

Programmfolder (pdf) 

Wir danken für die Unterstützung durch:
Collini, Hohenems
American Friends of the Jewish Museum Hohenems
VKW Vorarlberger Kraftwerke AG, Bregenz
Dornbirner Sparkasse Bank AG
Tectum Spenglerei und Bauwerksabdichtung, Hohenems
Jakob Eisenstein, Eisenstein Textil, Feldkirch
Günter Bucher, Bucher Verlag, Hohenems
Österreichische Lotterien, Wien
VEM, Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie, Feldkirch
Wirtschaftskammer Vorarlberg, Sparte Industrie, Feldkirch
Notariat Dr. Johannes Häusler, Hohenems
Steuerbüro Dr. Martin Achleitner, Hohenems
Stadt Dornbirn
Marktgemeinde Lustenau
Gemeinde Altach
Stadt Hohenems
Vorarlberger Landesregierung, Kultur
Verein zur Förderung des Jüdischen Museums Hohenems
Bundeskanzleramt – Kunst und Kultur, Wien
Bundesministerium für Bildung und Frauen, Wien

News – Maecenas Preis

Das Jüdische Museum Hohenems erhält den begehrten Maecenas Preis

Das unabhängige Wirtschaftskomitee Initiativen Wirtschaft für Kunst (IWK) vergab heuer bereits zum 28. Mal zusammen mit dem ORF den Österreichischen Kunstsponsoringpreis MAECENAS für die Förderung von Kunstprojekten. Dabei werden Unternehmen für ihr vorbildliches und erfolgreiches Engagement in Kooperation mit der Wirtschaft geehrt. Bereits zum dritten Mal wurde dieses Jahr auch ein Sonderpreis an österreichische Kulturanbieter vergeben.

Diesen Sonderpreis „Kunst & Kultur – für erfolgreiche Engagements in Kooperation mit der Wirtschaft“ erhält heuer das Jüdische Museum Hohenems. Zwei weitere österreichische Initiativen, die „Diagonale, Forum österreichischer Film“ und die „Neue Oper Wien“ erhielten Anerkennungspreise.

Gemeinsames Engagement und Verantwortung für eine gelingende zivile Gesellschaft nimmt das Jüdische Museum Hohenems seit vielen Jahren wahr. Schon 2007 wurde für die Zusammenarbeit die Firma Collini mit einem Maecenas-Preis ausgezeichnet. Aber auch mit anderen Wirtschaftsunternehmen kooperiert das Museum eng, mit der Firma Tectum in Hohenems und der Dornbirner Sparkasse, mit Eisenstein Textil in Feldkirch und mit den Vorarlberger Kraftwerken, den Österreichischen Lotterien, mit vielen Hohenemser Dienstleistungsunternehmen und nicht zuletzt mit der Hohenemser Wirtschaftsgemeinschaft.
Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet das Jüdische Museum mit der Vorarlberger Wirtschaftskammer und den Tourismusinstitutionen in Vorarlberg. Gemeinsam engagieren wir uns für innovative Konzepte eines kultur- und geschichtsbewussten Tourismus und für einen offenen Umgang der Region mit Menschen, die zu uns kommen. Gemeinsam mit unseren Sponsoren arbeiten wir daran, das Museum zu einem Ort des zivilen Miteinanders zu machen, geprägt von der Anerkennung des „Anderen“.

Der „Maecenas“ wurde in folgenden Kategorien vergeben:
* Bestes Kunstsponsoring „Klein- und Mittelbetriebe“
* Bestes Kunstsponsoring „Grossunternehmen“ und
* Sonderpreis „Kunst & Kultur – für Kulturanbieter“.

Jurybegründung:
Ein Museum des 21. Jahrhunderts sammelt nicht einfach gerahmtes oder verglastes Gedächtnis. Das Museum ist eine Brücke zwischen Erinnerung und Engagement – also genau das, was das Jüdische Museum in Hohenems schon seit 25 Jahren ist. Hier wird die historische Vielschichtigkeit Europas erlebbar. Hier wird diese zum Vergrößerungsglas, durch das aktuelle Entwicklungen wie Immigration und Integration betrachtet und begriffen werden können. In den letzten zwei Jahren reflektierten Ausstellungen die Lebenswelt der Juden im Habsburgerreich ebenso wie die jüdischen Beiträge zur globalen Musikkultur. Bis Februar 2017 werden die Museumsbestände vor Augen geführt. Wer die Gegenstände sieht, prüft zugleich die Werte des Sammelns. Was soll, ja darf übrig bleiben? Das ist eine materielle Frage. Vielmehr ist es aber eine geistige. Und ein Auftrag für ein Museum, das seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft sieht. Die Vielzahl der weiteren qualitativ hohen Projekte wie Ausstellungen, Museums-vermittlung und Kulturtourismus-aktivitäten sowie die professionelle Einbindung der Sponsoren fördert die Kultur des Zusammenlebens und die Attraktivität des Standorts Hohenems in Vorarlberg, lobt die Jury.

Foto v.l.n.r.:
Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger (Diagonale), Hanno Loewy (Jüdisches Museum Hohenems), Walter Kobéra (Neue Oper Wien), Martin Traxl (ORF)

www.maecenas.at 

Aktuelle Ausstellung

Die weibliche Seite Gottes30. April bis 8. Oktober 2017

Das Jüdische Museum Hohenems stellt eine herausfordernde Frage an die monotheistischen Religionen: Kann der nach jüdischer, christlicher und muslimischer Tradition „einzige Gott“ auch anders als männlich verstanden werden? 
Die Ausstellung „Die weibliche Seite Gottes“ – ein Projekt des Jüdischen Museums Hohenems in Zusammenarbeit mit dem Museum of the Bible, Washington und dem Jüdischen Museum in Frankfurt am Main – wirft damit einen kritischen Blick auf die Gottesvorstellungen der abrahamitischen Religionen. mehr 

„Jewkbox“ in London

Unsere Ausstellung ist auf Europatournee

Unsere Ausstellung Jukebox. Jewkbox! Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl (eine Kooperation mit dem Jüdischen Museum München) ist auf Europatournee. Nach München und Frankfurt ist sie nun zu Gast im Jewish Museum London, mitten in Camden Town, der Wiege des British Pop.

Hunderte von begeisterten Gästen bei der Eröffnung am 13. Juli hatten sichtlich Spaß in unserem globalen Plattenladen und begaben sich auf Entdeckungsreise durch die jüdische Geschichte der Popmusik. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Oktober 2016 in London zu sehen. Von Februar bis Mai 2017 geht es weiter in Warschau, im Jüdischen Museum Polin. Und ab Juni 2017 lädt dann das Jüdische Museum in Amsterdam zur Jewkbox ein.

Dass Hohenems Ausgangspunkt dieser überraschenden Neuentdeckung der Pop-Geschichte ist, hat seinen ironischen Sinn. Mit Salomon Sulzer, der vor 190 Jahren von Hohenems nach Wien ging, um Oberkantor des neuen Stadttempels zu werden, begann die Geschichte der modernen Synagogenmusik. Und mit Sulzer trat auch der erste Star der Synagoge auf den Plan, dessen Stimme und dessen Kompositionen nicht nur von den Juden seiner Zeit, sondern auch von musikbegeisterten Nicht-Juden verehrt wurden. Hundert Jahre später waren es Kantoren und Kantorenkinder wie Joseph Schmidt und Leila Mourad, Al Jolson und Kurt Weill, Irving Berlin oder Harold Arlen, die die Tradition hinter sich ließen und mit ihren Stimmen und Kompositionen die neue Welt der populären Musik nicht zuletzt am Broadway und im Film bestimmen sollten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Oktober 2016 im Jewish Museum London  zu sehen.

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Impressionen der Eröffnung in London 
Fotos: Copyright Jon Holloway/Jewish Museum London

Aktuelle Meldung

Zwischenstationen – Eine literarisch-politische Reise durch Jerusalem mit Eyal Megged, Zeruya Shalev, Sari Nusseibeh und Avraham BurgSa 28. und So 29. November 2015

Sa, 28. Nov 2015, 18:00-21:00 Uhr Jerusalem – Zu viele Städte an einem Ort? Sari Nusseibeh und Avraham Burg im Gespräch mit Hanno Loewy
(in englischer Sprache)
Zwei Querdenker in Israel und Palästina, beide in Jerusalem aufgewachsen und heute noch dort lebend, reflektieren seit Jahren kritisch ihre eigene Geschichte mit dieser Stadt. Sari Nusseibeh und Avraham Burg. Beide wurden in Familien hineingeboren, die die Geschichte Israels und Palästinas im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben, und in Träume von der Zukunft Jerusalems, die gegensätzlicher kaum sein konnten. Heute stehen beide für Grenzüberschreitungen im Denken, die manche für utopisch, andere für realistisch halten.
Im Gespräch miteinander loten die beiden politischen Denker ihre eigenen Erinnerungen aus und diskutieren eine mögliche gemeinsame Zukunft in dieser Stadt.
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So, 29. Nov 2015, 18:00-22:00 Uhr Eyal Megged – Unter den Lebenden
Zeruya Shalev – Schmerz
Es lesen Hubert Dragaschnig und Maria Schrader (in deutscher Sprache)
Anschließend Zeruya Shalev und Eyal Megged im Gespräch mit Hanno Loewy (in englischer Sprache)

Eyal Meggeds neuer Roman heißt „Unter den Lebenden“.
Für den Erzähler ist der frühe Tod seines Freundes Boas Masor ein Schock, von dem er sich nicht erholt. Als Chirurg ist er mit der Alltäglichkeit des Sterbens vertraut. Doch Boas‘ Tod erscheint ihm »unfassbar«, ja »skandalös«. Wie ein Dibbuk, ein böser Totengeist, verfolgen ihn die Erinnerungen. Es erscheint ihm, als habe Boas‹ Tod seinen eigenen vorweggenommen. »Vom Leben Abschied nehmen, na gut, aber von mir selbst Abschied nehmen?« Er begehrt dagegen auf, indem er sich der gemeinsamen Zeit besinnt. An ihre Kindheit in Tel Aviv, ihr Studium, die wechselvollen Beziehungen zu Frauen und Geliebten, Neid und Konkurrenz, Bruch und Versöhnung. So verschieden sie in Wesen, Temperament, Auffassungen und Lebensstilen waren, standen sie sich wie Pole gegenüber. Aus Eyal Meggeds Roman liest Hubert Dragaschnig.

Zeruya Shalevs neuer Roman heißt „Schmerz“.
Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Terroranschlag schwer verletzt worden. Zwar ist sie in ihr altes Leben zurückgekehrt, sie leitet eine Schule, ihr Mann steht ihr treu zur Seite, die Kinder sind fast erwachsen, doch quälen sie Tag für Tag Schmerzen. Als sie Eitan wiederbegegnet, der Liebe ihrer Jugend, der sie vor Jahren jäh verlassen hat, wirft sie das völlig aus der Bahn. Die Wunde, die er ihr damals zufügte, ist nicht weniger tief als die, die der Selbstmordattentäter riss, der sich neben ihr in die Luft sprengte. Und doch fühlt sich Iris, zaghaft, überrascht, erneut zu ihm hingezogen, ist versucht, ihrer Ehe zu entfliehen, die ersten Lügen zu stricken, alles aufs Spiel zu setzen. Aus Zeruya Shalevs Roman liest Maria Schrader.
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News

Der neue Blog: "Letters from the Hohenems Diaspora"7. Juni 2016

2017 erinnern wir an an den Hohenemser Schutzbrief vor 400 Jahren. Im Juli 2017 werden die Nachkommen der Hohenemser Juden zum dritten Mal zur internationalen Reunion nach Hohenems kommen. Im neuen Blog „Letters from the Hohenems Diaspora. Looking forward to our Reunion 2017“  berichtet Jessica Piper-Rosenthal ein Jahr zu vor über ihren Sommer in Hohenems, als Stipendiatin der American Friends of the Jewish Museum Hohenems. Stay tuned.

News

Association of European Jewish MuseumSa, 30. Apr 2016, 22:00 Uhr

Neue Website über Jüdische Museen in Europa
Wer sich über das Angebot Jüdischer Museen in Europa informieren will ist hier richtig. Die Association of European Jewish Museum hat eine neue website: www.aejm.org 
Interessierte finden hier das Neueste über Jüdische Museen und ihre Ausstellungen, Sammlungen und Publikationen von Toledo bis Moskau, Oslo bis Rom, Dublin bis Istanbul. Und natürlich über die Veranstaltungen der Association selbst.

Aktuelle Meldung

Das NarrenschiffSa, 30. Apr 2016, 22:00 Uhr

Das Jüdische Museum Hohenems und das Homunculus-Festival feiern gemeinsam ihren „50. Geburtstag“ und zeigen den Film:

Das Narrenschiff (Ship of Fools)
Regie: Stanley Kramer, USA 1965, Drama, 149 min, deutsche Fassung,
Mit Oskar Werner, Simone Signoret, Heinz Rühmann, Lee Marvin, Vivian Leigh u.a.,
Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges treffen auf einem zweitklassigen Passagierschiff die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Starbesetzte Romanverfilmung nach Katherine Anne Porter. Das vielfach preisgekrönte Werk zählt heute zu den Klassikern der Filmkunst. mehr 

Lesung mit Yasmin Hafedh, Ina Ricarda Kolck-Tudt
und Maya Rinderer

Einführung und Moderation: Vladimir VertlibDonnerstag, 10. Dezember, 19:30 Uhr, Jüdisches Museum Hohenems

Literatur transformiert die Welt durch Sprache, zeigt Widersprüche auf, macht das Wesentliche kenntlich, greifbar, manchmal sogar begreifbar. Drei jungen Autorinnen – Yasmin Hafedh, Ina Ricarda Kolck-Thudt und Maya Rinderer – gelingt dies auf eine originelle und unmittelbare Weise, mit Einfühlungsvermögen und voller Anteilnahme. Sie schreiben über die gesellschaftlichen Krisen und Umbrüche, die wir gerade erleben, über Politik und Persönliches, Geschichte und Gegenwart, gehen der Mehrfachbedeutung von Worten und Zuschreibungen auf den Grund oder reflektieren scheinbar salopp, dabei aber sehr tiefsinnig, über die Welt durch Slam-Poetry oder fragen sich, was die Flüchtlinge, die heute nach Europa kommen, mit ihnen selbst und den eigenen Familiengeschichten zu tun haben.

Die drei Autorinnen sind in Österreich geboren, haben aber alle einen Migrationshintergrund in zweiter Generation (Tunesien, Rumänien, Israel), und dass die Lesung am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, stattfindet, ist kein Zufall.

Yasmin Hafedh, a.k.a. Yasmo, wurde 1990 in Wien geboren. Sie ist eine österreichische Bühnenpoetin, Autorin und Rapperin. Sie studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Yasmin Hafedh schreibt seitdem sie Denken kann. Seit 2007 ist sie Kolumnistin bei der Literaturzeitschrift “& Radieschen”, 2013 war sie mit “Bonustrack” Kolumnistin bei der feministischen Zeitschrift “an.schläge”. Weiters veröffentlicht sie in Literaturanthologien und -zeitschriften. Hafedh ist erfolgreiche Slam-Poetin, Spoken-Word-Künstlerin und Rapperin und als solche bereits auf zahlreichen internationalen Bühnen aufgetreten, hat an Poetry Slams teilgenommen, Schreibworkshops an Universitäten und Deutsch-Instituten geleitet und Soloshows gespielt.
Sie hat in Düsseldorf 2009 als erste Österreicherin bei der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaft den Meistertitel in der Kategorie U20 geholt, 2013 als erste Frau den Titel der österreichischen Meisterin erlangt.

Ina Ricarda Kolck-Thudt wurde 1992 in Feldbach geboren und wuchs in Amstetten auf. Nach der Matura 2011 studierte sie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien (Abschluss 2015) und begann 2014 mit dem Studium der Romanistik an der Universität Wien. Veröffentlichungen im „Augustin“, der Wiener Straßenzeitung, in „Jenny“, der Anthologie des Instituts für Sprachkunst und in der „Zwischenwelt“.

Maya Rinder wurde 1996 in Dornbirn geboren, wuchs zweisprachig auf (Hebräisch und Deutsch), 2014 Matura am Bundesgymnasium Dornbirn. Teilnahme an Workshops von Literatur Vorarlberg und der Jugendliteraturwerkstatt Graz. Ab Herbst 2015 Studium der Orientalistik an der Universität Wien.
Preise (Auswahl): Jurypreis des Irseer Pegasus (2012), Preisträgerin des Hildesheimer Lyrik-Wettbewerbs, Arbeitsstipendium des Landes Vorarlberg (2013), Aufenthaltsstipendium des Landes Vorarlberg in Paliano, Italien (2014).
Esther, Roman 2011, Bucher Verlag; Sommerferienkrieg, Hörspiel im ORF; An alle Variablen, Lyrikband 2013, Bucher Verlag; Die Bienen fliegen, Theaterstück 2014, Theater Kosmos; Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften  und Feuilletons (z.B. Zwischenwelt, miromente, Spectrum).

Vladimir Vertlib, geboren in Leningrad (heute St. Petersburg), lebt heute nach Zwischenstationen in Wien und Israel, den Niederlanden, Italien und den USA in Salzburg. In seinen Romanen setzt er sich mit Migration und Identität auseinander, mit Existenzen zwischen den Welten.