News-Archiv


Nachruf

Monika Helfer (1947 – 2026)

Die Vorarlberger Autorin Monika Helfer ist am 2. August 2026 im Alter von 78 Jahren in Folge eines Sturzes überraschend verstorben.

Monika Helfer wurde in Au im Bregenzerwald geboren und lebte mit ihrem Mann Michael Köhlmeier in Hohenems und Wien. Sie veröffentlichte Romane, Erzählungen und Kinderbücher und erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen.

Monika Helfer war dem Jüdischen Museum über viele Jahre sehr verbunden, ihre Texte finden sich in der Kinderausstellung des Jüdischen Museum Hohenems, die sie mitentwickelt hat, ihre Stimme begleitet unsere Besucher und Besucherinnen auf den Audioguides durch unser Haus. Gemeinsam mit Michael Köhlmeier hat sie 2010 in dem Buch „Rosie und der Urgroßvater“ eine Sprache gefunden, Themen wie Ausgrenzung, Verfolgung und Flucht in kindgerechten Geschichten zu erzählen.

Monika Helfer und ihre kluge und schöne Stimme wird uns allen fehlen. Wir im Jüdischen Museum Hohenems trauern mit ihrer Familie.

Irene Aue-Ben-David und das Museumsteam
Jüdisches Museum Hohenems

Viertel+Bagel – Viertel+Kuchen

Unterwegs im Jüdischen Viertel HohenemsViertel+Bagel Öffentliche Führung durch das Jüdische Viertel mit anschließendem Cafébesuch und freiem Eintritt in alle Ausstellungen
Termine: Samstags, jeweils 11:00 bis 12:30 Uhr
25. Juli | 01.+08.+15.+22.+29. August | 05. Sept 2026

 Das Jüdische Viertel von Hohenems ist weit über Vorarlberg hinaus einzigartig, sein fast lückenlos erhaltenes Ensemble steht großteils unter Denkmalschutz. Unser Rundgang startet beim Jüdischen Museum Hohenems. Von hier aus erkunden wir die Straßen im Viertel und tauchen in die jahrhundertealte Geschichte der Gebäude und ihrer Bewohner ein. Anschließend laden wir Sie herzlich auf einen Bagel ins Museumscafé ein, mit der Möglichkeit sich in gemütlicher Runde auszutauschen.
Information und Anmeldung 

Viertel+Kuchen Öffentliche Führung durch das Jüdische Viertel mit anschließendem Cafébesuch und freiem Eintritt in alle Ausstellungen
Termine: Sonntags, jeweils 14:00 bis 15:30 Uhr
26. Juli | 09.+16.+23.+30. August

 Das Jüdische Viertel von Hohenems ist weit über Vorarlberg hinaus einzigartig, sein fast lückenlos erhaltenes Ensemble steht großteils unter Denkmalschutz. Unser Rundgang startet beim Jüdischen Museum Hohenems. Von hier aus erkunden wir die Straßen im Viertel und tauchen in die jahrhundertealte Geschichte der Gebäude und ihrer Bewohner ein. Anschließend laden wir Sie herzlich auf Kaffee und Kuchen ins Museumscafé ein, mit der Möglichkeit sich in gemütlicher Runde auszutauschen.
Information und Anmeldung 

 

Eröffnung Stadtarchiv Hohenems am 11. Juni 2026

Eröffnung des Stadtarchivs Hohenems
Do 11. Juni 2026, Rathaus Hohenems, Radetzkystraße 5

Nach mehreren Jahren sorgfältiger Planung ist es nun so weit: Das Stadtarchiv Hohenems öffnet seine Türen. Der Abend bietet die Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten kennenzulernen, Einblicke in die Arbeit der Archive zu gewinnen, miteinander ins Gespräch zu kommen und diesen wichtigen Schritt für die Stadt Hohenems gemeinsam zu feiern.

ab 16.00 Uhr:
Besichtigung der neuen Archivräume
18.00 Uhr:
Offizielle Eröffnungsfeier mit Grußworten von Bürgermeister
Dieter Egger und Beiträgen von Markus Schmidgall (Vorarlberger
Landesarchiv), Raphael Einetter (Jüdisches Museum Hohenems) und
Martina Luschin (Stadtarchiv Hohenems)
ab 19.00 Uhr:
Gemütlicher Ausklang mit Getränken & kleiner Stärkung

Anmeldung: stadtarchiv@hohenems.at
Mehr Infos unter: Eröffnung Stadtarchiv – Stadt Hohenems 

Im Rahmen des Internationalen Tags der Archive 2026
www.voea.at 

 

Titelbild: „Vor 130 Jahren, im Oktober 1896, bewarb sich Dr. Aron Tänzer mit Erfolg auf die freie Rabbinerstelle in Hohenems. In seiner knapp zehnjährigen Amtszeit prägte er sowohl die Kultusgemeinde als auch die Marktgemeinde maßgeblich. So fertigte er 1903 etwa jenes Archiv-Register an, zu dessen Ausarbeitung er von Bürgermeister August Reis beauftragt wurde.“

emsiana 2026 – Hohenemser Kulturfest

Vom 21. bis 24. Mai 2026 wird ganz Hohenems zur Bühne: Unter dem Motto „Reisen“ lädt das Kulturfest zu Konzerten, Lesungen, Diskussionsrunden, Führungen, Film- und Tanzvorstellungen, Ausstellungen und heuer erstmals auch zu einem Discoabend.

Öffnungszeiten Museum & Café
Unsere Öffnungszeiten während der emsiana:
Do 10-17 Uhr | Fr 10-21 Uhr | Sa 10-21 Uhr | So 10-17 Uhr

Das gesamte emsiana-Programm: www.emsiana.at 

Tickets
Da die Kartenkontingente beschränkt sind, empfiehlt sich ein frühzeitiger Kauf online über Ticketist  oder bei den genannten Vorverkaufsstellen.

„Hin und weg. Über jüdische Reisende“

Anmeldung möglich bis 31. Mai 2026

Neues Vermittlungsangebot

Jüdische Frauen in Hohenems Öffentliche Führung mit Gabriele Morscher (Dauerausstellung und Viertel)

Termine:
So 17. Mai 2026, 10:30-12:00 Uhr, mehr 
So 28. Juni 2026, 10:30-12:00 Uhr, mehr 
So 20. September 2026, 10:30-12:00 Uhr, mehr 

Frauen spielten im jüdischen Alltag eine zentrale Rolle – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben. Diese Führung durch die Dauerausstellung und das jüdische Viertel beleuchtet die Lebenswelt von Frauen in der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Hohenems und eröffnet neue Perspektiven auf Familie, Religion, Gesellschaft und Migration. Ausgewählte Biografien veranschaulichen die Vielfalt weiblicher Erfahrungen und tragen zu einem differenzierten Verständnis der Geschichte bei.

Alle öffentlichen Führungen finden Sie hier. 

 

Titelbild (Ausschnitt): Damenkomitee zur Unterstützung des Krankehausbaues, um 1908, Foto: Horst Jäger, Hohenems

Hanno Loewy erhält das große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg

Hanno Loewy erhält das Große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg

Am 19. März 2026, dem Ehrentag des Vorarlberger Landespatrons, hat Landeshauptmann Markus Wallner traditionell Vorarlberger Persönlichkeiten für „vorbildhafte gesellschaftliche Leistungen“ geehrt. In ganz unterschiedlichen Lebensbereichen hätten sich die Ausgezeichneten „haupt- und vielfach auch ehrenamtlich weit über das normale Maß hinaus für das Wohl ihrer Mitmenschen und der Gesellschaft unseres Landes eingesetzt“, zollte ihnen der Landeshauptmann Dank und Anerkennung. Insgesamt überreichte Wallner beim Festakt im Montfortsaal neun Landesauszeichnungen und eine Bundesauszeichnung.

Es hat Tradition in Vorarlberg, am Tag des Landespatrons Persönlichkeiten ins Rampenlicht zu rücken, die sich in besonderer Weise um die Gesellschaft verdient gemacht haben. „Der Festtag setzt einen passenden Rahmen, um Menschen zu danken, die sich mit herausragendem Einsatz für die Gemeinschaft und das Zusammenleben engagieren“, sagte der Landeshauptmann vor den anwesenden Festgästen. Dabei bedankte sich Wallner auch bei den vielen Familienmitgliedern und Angehörigen, die gekommen waren: „Außerordentliches Engagement ist immer auch mit großem Zeitaufwand verbunden. Das dafür aufgebrachte Verständnis des direkten Umfeldes verdient ebenso Dank und Wertschätzung.“

Hanno Loewy wurde mit folgenden Worten geehrt:

„Hanno Loewy hat das Jüdische Museum Hohenems zu einer international anerkannten Institution entwickelt und mit innovativen Ausstellungen und Bildungsprojekten wichtige Impulse für Toleranz und Erinnerungskultur gesetzt. Sein Engagement für eine offene Gesellschaft und die Vermittlung von Geschichte und Identität ist weit über Vorarlberg hinaus sichtbar.“

Herzlichen Glückwunsch vom Team des Jüdischen Museums Hohenems!

 

Foto: Land Vorarlberg/Alexandra Serra

Kinderschutzkonzept

Das Jüdische Museum Hohenems ist ein Ort der Erinnerung und der Gegenwart mit internationaler Ausstrahlung. Dem Gedächtnis einer jüdischen Gemeinde und ihres grenzüberschreitenden Beziehungsraums gewidmet, versteht es sich als Ort der Begegnung, der Aufklärung, der demokratischen Vielfalt und der Verteidigung der Menschenrechte. Jüdische Geschichte wird hier als integraler Bestandteil europäischer Geschichte betrachtet. Das Museum begreift sich als Gastgeber eines vielstimmigen, selbstkritischen und für thematische Überraschungen offenen Diskurses.

Die Vermittlung von Wissen über Geschichte und Gegenwart und das Wecken von Interesse an gegenwärtigen und historischen gesellschaftlichen Fragen stehen demzufolge auch im Mittelpunkt unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Deshalb ist es uns wichtig, auch für unsere jungen Gäste Orte, Räume und Möglichkeiten für ihre Fragen und Interessen zu schaffen. Und es ist bedeutsam, dass diese Räume geschützt sind.

Mit diesem Kinderschutzkonzept verpflichten wir uns deshalb, die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu achten und den Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Grenzverletzungen jeglicher Art zu gewährleisten.

Das ganze Konzept finden Sie hier:
Das Kinderschutzkonzept des Jüdischen Museums Hohenems (pdf) 

 

#OhneAngstVerschiedenSein

Präsentation der Dokumentation und Evaluierung des Projekts 2022-2024

Am Donnerstag, 19.01.2026 wurde die Dokumentation und Evaluierung von #OhneAngstVerschiedenSein 2022–2024 im Jüdischen Museum Hohenems vor Vertreter*innen der Presse sowie einem interessierten Publikum präsentiert. Neben einem umfassenden Einblick in die Entwicklung, die Inhalte sowie Arbeitsweisen von #OhneAngstVerschiedenSein wurde auch der anhaltend hohe Bedarf an außerschulischen Bildungsangeboten im Kontext von Antisemitismus und Rassismus in Vorarlberg deutlich hervorgehoben.

Nach der Begrüßung durch Direktor Hanno Loewy und den Dankesworten an Wegbegleiter*innen sowie Fördergebende kam Bildungsrätin Barbara Schöbi-Fink zunächst auf die wichtige Zusammenarbeit außerschulischer Bildungsangebote wie #OhneAngstVerschiedenSein mit Schulen zu sprechen.

„Schule ist ein Ort, an dem sich unsere gesellschaftlichen Entwicklungen sehr unmittelbar zeigen. Gerade in Zeiten multipler Krisen brauchen Lehrkräfte verlässliche Unterstützung – fachlich fundiert, praxisnah und in Kooperation mit starken Partnern“, betonte Schöbi-Fink. „Externe Partnerschaften erweitern den Handlungsspielraum der Schulen: Sie bringen Expertise, erprobte Methoden und zusätzliche Perspektiven in die Bildungsarbeit – und entlasten damit auch im Schulalltag.“

Darauf aufbauend unterstrich auch Landesrat Daniel Allgäuer die Bedeutung der Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg: „Prävention und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen am besten, wenn Bildung, Integration und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen – mit klaren Rollen und professionellen Angeboten.“

Antisemitismus- und rassismuskritische Bildung als konkretes Unterstützungsangebot

Das Projekt #OhneAngstVerschiedenSein arbeitet antisemitismus- und rassismuskritisch und bietet Workshops für Kinder und Jugendliche sowie Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit an. Zentrale Leitidee, so hob Anita Niegelhell, Leitung der Kulturvermittlung des JMH hervor, ist es, die Gesprächsfähigkeit der Teilnehmer*innen zu stärken und Handlungssicherheit zu vermitteln – gerade dort, wo Themen wie Identität, soziale Ungleichheit, Erfahrungen von Diskriminierung sowie emotional und kontrovers diskutierte Themen im Schulkontext verunsichern können.

Ausgehend davon betonte auch Franziska Völlner, Leiterin von #OhneAngstVerschiedenSein die Bedeutung demokratiepädagogischer Ansätze. Eine ganzheitliche und nachhaltige Bewusstseinsbildung in Bezug auf soziale Ungleichheiten und Diversität in Vorarlberg sowie das Empowerment der Teilnehmenden zur aktiven Teilhabe und Partizipation am gesellschaftlichen Diskurs wurden ebenfalls als zentrale Ziele der Angebote und Formate benannt.

Dementsprechend richtet sich das Projekt neben Kindern und Jugendlichen sowie Multiplikator*innen der schulischen und außerschulischen Bildung ausdrücklich an die gesamte Vorarlberger Gesellschaft – getragen von der Überzeugung, dass es alle braucht, um Antisemitismus und Rassismus wirksam entgegenzutreten.

Evaluierung der Angebote und Formate liefert Handlungsimpulsive
Die von Eva Häfele im April und Mai 2024 umgesetzte, externe Evaluierung der Angebote von #OhneAngstVerschiedenSein bestätigt die hohe fachliche Qualität und Wirkung der Bildungsarbeit. Zugleich liefert sie konkrete Handlungsempfehlungen für deren Weiterentwicklung.

Zentrale Rückmeldungen – etwa zur thematischen Ausdifferenzierung, zum Ausbau von Kooperationen sowie zur kontinuierlichen Anpassung der Formate – wurden bereits aufgegriffen und fließen schrittweise in die laufende Arbeit ein. Damit wird sichergestellt, dass die Angebote und Formate von #OhneAngstVerschiedenSein auch in Zukunft bedarfsorientiert weiterentwickelt und nachhaltig am Jüdischen Museum Hohenems verankert werden.

Mit der Präsentation der Evaluierungsergebnisse wird der Anspruch unterstrichen, Maßnahmen nicht nur gut zu meinen, sondern auch wirksam und nachvollziehbar weiterzuentwickeln – damit externe Partnerschaften für Schulen dort ansetzen, wo sie im Alltag tatsächlich helfen.

Fortsetzung als Projektstelle 2025–2027
Um Schulen und Bildungseinrichtungen weiterhin verlässlich zu unterstützen, hat die Vorarlberger Landesregierung eine Förderung der Projektstelle „#OhneAngstVerschiedenSein“ für 2025 bis 2027 in Höhe von bis zu 67.000 Euro pro Jahr beschlossen. Bis zu 7.000 Euro werden von der Bildungsdirektion zur Verfügung gestellt, die verbleibenden 60.000 Euro werden je zur Hälfte von der Abteilung Soziales und Integration sowie der Abteilung Wissenschaft und Weiterbildung getragen.

Weitere Informationen zur Projektstelle sowie Formaten und Angeboten finden Sie hier: https://www.jm-hohenems.at/vermittlung/oavs 

 

Titelbild: v.l.n.r.: Landesrat Daniel Allgäuer, Bildungsrätin Barbara Schöbi-Fink, Anita Niegelhell (Leitung Kulturvermittlung), Franziska Völlner (Leiterin von #OhneAngstVerschiedenSein) und Museumsdirektor Hanno Loewy.

Eröffnung der Ausstellung „Alles vergessen“ im Jüdischen Museum Wien am 27. Jänner 2026

Am 27. Jänner 2026, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, wurde die Ausstellung „Alles vergessen“ im Verwaltungsgerichtshof in Wien feierlich eröffnet. Der Festsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und unterstrich das große öffentliche Interesse an einer Ausstellung, die sich mit einem auf den ersten Blick vielleicht irritierenden Titel auch zentralen Themen der österreichischen Erinnerungskultur widmet.
Gerade am Holocaust-Gedenktag weist der Titel Alles vergessen darauf hin, dass Vergessen nicht nur ein passiver Vorgang, eine Ohnmacht , sein kann, sondern auch eine bewusste Entscheidung und eine Demonstration von Macht, die uns als Gesellschaft herausfordert.

Die Eröffnung erfolgte durch Barbara Staudinger, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, gemeinsam mit Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, und Albert Posch, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs. In ihrer Begrüßung sprach Barbara Staudinger über die enge Verbindung von Erinnern und Vergessen und über das, was im öffentlichen Gedenken oft ausgeblendet bleibt:
„Erinnerung und Vergessen sind nicht voneinander zu trennen. Vergessen ist dabei nicht nur ein unbewusster, sondern oft auch ein bewusster Vorgang – genauso wie das Erinnern.
In den Tagen um den Internationalen Holocaust-Gedenktag wird viel vom Erinnern gesprochen. Dabei gerät manchmal in den Hintergrund, dass es ohne Täter:innen keine Opfer gibt. Den Opfern zu gedenken muss daher auch bedeuten, sich an die Täter:innen zu erinnern – als Menschen mit eigenen Biografien und nicht als anonyme Masse.“

Hanno Loewy ergänzte aus der Perspektive der jüdischen Gegenwart:
„Es gibt keine Erinnerung ohne Vergessen. Leider trifft’s manchmal die Falschen. Aber darüber kann man streiten wie über so vieles. Auch die jüdische Gegenwart ist davon geprägt, dass so manches Wertvolle und manches Schmerzhafte vergessen wird.“

Die Kuratorinnen Daniela Pscheiden (Jüdisches Museum Wien) und Dinah Ehrenfreund-Michler (Jüdisches Museum Hohenems) stellten die Ausstellung vor.
Daniela Pscheiden: „Die Ausstellung ›Alles vergessen‹ hat es sich zur Aufgabe gemacht, unterschiedliche kulturelle Aspekte des Vergessens in ihren individuellen und kollektiven Dimensionen darzustellen. Vergessen ist nicht das Ende des Erinnerns. Es ist seine Bedingung, seine Grenze – und seine Herausforderung.“
Dinah Ehrenfreund-Michler: „Vergessen ist kein bloßer Mangel an Erinnerung, sondern ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. In einer Gegenwart, in der Erinnerungspolitik und politische Verantwortung zunehmend instrumentalisiert werden, ist es besonders wichtig, genau hinzusehen und die unterschiedlichen Aspekte des Vergessens zu beleuchten.“

Die offizielle Eröffnung nahm Andreas Kranebitter, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, vor. Er ordnete die Ausstellung in einen aktuellen politischen Kontext ein und warnte vor neuen Formen der Geschichtsverdrängung:
„Die Erinnerung kam erst mit der Befreiung zurück. Sie war keine moralische Pflicht, sondern die Rückkehr der Zeit, die Möglichkeit einer Zukunft, die Konstruktion einer neuen Identität. Die Überlebenden hatten keine Wahl, sie mussten das erlittene Unrecht in diese neue Identität integrieren.
Heute greift der organisierte Rechtsextremismus nicht mehr die Geschichtserzählungen selbst an, sondern deren Sinn. Geleugnet werden meist nicht mehr die Fakten des Holocaust, sondern ihre Bedeutung für die Gegenwart.“

Abschließend sprach Barbara Novak, amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales, und betonte die Verantwortung der Gesellschaft im Umgang mit Erinnerung und Vergessen:
„Vergessen ist kein stilles Verblassen von Erinnerung, sondern ein aktiver Akt. Wie wir erinnern, hängt von unserer Zeit, unserem Gegenüber und unseren gesellschaftlichen Verhältnissen ab. Doch wofür wir Verantwortung übernehmen, liegt bei uns. Die Kraft von Menschen liegt darin, jeden Tag neu zu entscheiden, nicht zu schweigen, nicht wegzusehen und solidarisch zu handeln.“

Mehr Information zur Ausstellung in Wien finden Sie hier.