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Hanno Loewy erhält das große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg

Hanno Loewy erhält das Große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg

Am 19. März 2026, dem Ehrentag des Vorarlberger Landespatrons, hat Landeshauptmann Markus Wallner traditionell Vorarlberger Persönlichkeiten für „vorbildhafte gesellschaftliche Leistungen“ geehrt. In ganz unterschiedlichen Lebensbereichen hätten sich die Ausgezeichneten „haupt- und vielfach auch ehrenamtlich weit über das normale Maß hinaus für das Wohl ihrer Mitmenschen und der Gesellschaft unseres Landes eingesetzt“, zollte ihnen der Landeshauptmann Dank und Anerkennung. Insgesamt überreichte Wallner beim Festakt im Montfortsaal neun Landesauszeichnungen und eine Bundesauszeichnung.

Es hat Tradition in Vorarlberg, am Tag des Landespatrons Persönlichkeiten ins Rampenlicht zu rücken, die sich in besonderer Weise um die Gesellschaft verdient gemacht haben. „Der Festtag setzt einen passenden Rahmen, um Menschen zu danken, die sich mit herausragendem Einsatz für die Gemeinschaft und das Zusammenleben engagieren“, sagte der Landeshauptmann vor den anwesenden Festgästen. Dabei bedankte sich Wallner auch bei den vielen Familienmitgliedern und Angehörigen, die gekommen waren: „Außerordentliches Engagement ist immer auch mit großem Zeitaufwand verbunden. Das dafür aufgebrachte Verständnis des direkten Umfeldes verdient ebenso Dank und Wertschätzung.“

Hanno Loewy wurde mit folgenden Worten geehrt:

„Hanno Loewy hat das Jüdische Museum Hohenems zu einer international anerkannten Institution entwickelt und mit innovativen Ausstellungen und Bildungsprojekten wichtige Impulse für Toleranz und Erinnerungskultur gesetzt. Sein Engagement für eine offene Gesellschaft und die Vermittlung von Geschichte und Identität ist weit über Vorarlberg hinaus sichtbar.“

Herzlichen Glückwunsch vom Team des Jüdischen Museums Hohenems!

 

Foto: Land Vorarlberg/Alexandra Serra

Kinderschutzkonzept

Das Jüdische Museum Hohenems ist ein Ort der Erinnerung und der Gegenwart mit internationaler Ausstrahlung. Dem Gedächtnis einer jüdischen Gemeinde und ihres grenzüberschreitenden Beziehungsraums gewidmet, versteht es sich als Ort der Begegnung, der Aufklärung, der demokratischen Vielfalt und der Verteidigung der Menschenrechte. Jüdische Geschichte wird hier als integraler Bestandteil europäischer Geschichte betrachtet. Das Museum begreift sich als Gastgeber eines vielstimmigen, selbstkritischen und für thematische Überraschungen offenen Diskurses.

Die Vermittlung von Wissen über Geschichte und Gegenwart und das Wecken von Interesse an gegenwärtigen und historischen gesellschaftlichen Fragen stehen demzufolge auch im Mittelpunkt unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Deshalb ist es uns wichtig, auch für unsere jungen Gäste Orte, Räume und Möglichkeiten für ihre Fragen und Interessen zu schaffen. Und es ist bedeutsam, dass diese Räume geschützt sind.

Mit diesem Kinderschutzkonzept verpflichten wir uns deshalb, die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu achten und den Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Grenzverletzungen jeglicher Art zu gewährleisten.

Das ganze Konzept finden Sie hier:
Das Kinderschutzkonzept des Jüdischen Museums Hohenems (pdf) 

 

#OhneAngstVerschiedenSein

Präsentation der Dokumentation und Evaluierung des Projekts 2022-2024

Am Donnerstag, 19.01.2026 wurde die Dokumentation und Evaluierung von #OhneAngstVerschiedenSein 2022–2024 im Jüdischen Museum Hohenems vor Vertreter*innen der Presse sowie einem interessierten Publikum präsentiert. Neben einem umfassenden Einblick in die Entwicklung, die Inhalte sowie Arbeitsweisen von #OhneAngstVerschiedenSein wurde auch der anhaltend hohe Bedarf an außerschulischen Bildungsangeboten im Kontext von Antisemitismus und Rassismus in Vorarlberg deutlich hervorgehoben.

Nach der Begrüßung durch Direktor Hanno Loewy und den Dankesworten an Wegbegleiter*innen sowie Fördergebende kam Bildungsrätin Barbara Schöbi-Fink zunächst auf die wichtige Zusammenarbeit außerschulischer Bildungsangebote wie #OhneAngstVerschiedenSein mit Schulen zu sprechen.

„Schule ist ein Ort, an dem sich unsere gesellschaftlichen Entwicklungen sehr unmittelbar zeigen. Gerade in Zeiten multipler Krisen brauchen Lehrkräfte verlässliche Unterstützung – fachlich fundiert, praxisnah und in Kooperation mit starken Partnern“, betonte Schöbi-Fink. „Externe Partnerschaften erweitern den Handlungsspielraum der Schulen: Sie bringen Expertise, erprobte Methoden und zusätzliche Perspektiven in die Bildungsarbeit – und entlasten damit auch im Schulalltag.“

Darauf aufbauend unterstrich auch Landesrat Daniel Allgäuer die Bedeutung der Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg: „Prävention und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen am besten, wenn Bildung, Integration und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen – mit klaren Rollen und professionellen Angeboten.“

Antisemitismus- und rassismuskritische Bildung als konkretes Unterstützungsangebot

Das Projekt #OhneAngstVerschiedenSein arbeitet antisemitismus- und rassismuskritisch und bietet Workshops für Kinder und Jugendliche sowie Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit an. Zentrale Leitidee, so hob Anita Niegelhell, Leitung der Kulturvermittlung des JMH hervor, ist es, die Gesprächsfähigkeit der Teilnehmer*innen zu stärken und Handlungssicherheit zu vermitteln – gerade dort, wo Themen wie Identität, soziale Ungleichheit, Erfahrungen von Diskriminierung sowie emotional und kontrovers diskutierte Themen im Schulkontext verunsichern können.

Ausgehend davon betonte auch Franziska Völlner, Leiterin von #OhneAngstVerschiedenSein die Bedeutung demokratiepädagogischer Ansätze. Eine ganzheitliche und nachhaltige Bewusstseinsbildung in Bezug auf soziale Ungleichheiten und Diversität in Vorarlberg sowie das Empowerment der Teilnehmenden zur aktiven Teilhabe und Partizipation am gesellschaftlichen Diskurs wurden ebenfalls als zentrale Ziele der Angebote und Formate benannt.

Dementsprechend richtet sich das Projekt neben Kindern und Jugendlichen sowie Multiplikator*innen der schulischen und außerschulischen Bildung ausdrücklich an die gesamte Vorarlberger Gesellschaft – getragen von der Überzeugung, dass es alle braucht, um Antisemitismus und Rassismus wirksam entgegenzutreten.

Evaluierung der Angebote und Formate liefert Handlungsimpulsive
Die von Eva Häfele im April und Mai 2024 umgesetzte, externe Evaluierung der Angebote von #OhneAngstVerschiedenSein bestätigt die hohe fachliche Qualität und Wirkung der Bildungsarbeit. Zugleich liefert sie konkrete Handlungsempfehlungen für deren Weiterentwicklung.

Zentrale Rückmeldungen – etwa zur thematischen Ausdifferenzierung, zum Ausbau von Kooperationen sowie zur kontinuierlichen Anpassung der Formate – wurden bereits aufgegriffen und fließen schrittweise in die laufende Arbeit ein. Damit wird sichergestellt, dass die Angebote und Formate von #OhneAngstVerschiedenSein auch in Zukunft bedarfsorientiert weiterentwickelt und nachhaltig am Jüdischen Museum Hohenems verankert werden.

Mit der Präsentation der Evaluierungsergebnisse wird der Anspruch unterstrichen, Maßnahmen nicht nur gut zu meinen, sondern auch wirksam und nachvollziehbar weiterzuentwickeln – damit externe Partnerschaften für Schulen dort ansetzen, wo sie im Alltag tatsächlich helfen.

Fortsetzung als Projektstelle 2025–2027
Um Schulen und Bildungseinrichtungen weiterhin verlässlich zu unterstützen, hat die Vorarlberger Landesregierung eine Förderung der Projektstelle „#OhneAngstVerschiedenSein“ für 2025 bis 2027 in Höhe von bis zu 67.000 Euro pro Jahr beschlossen. Bis zu 7.000 Euro werden von der Bildungsdirektion zur Verfügung gestellt, die verbleibenden 60.000 Euro werden je zur Hälfte von der Abteilung Soziales und Integration sowie der Abteilung Wissenschaft und Weiterbildung getragen.

Weitere Informationen zur Projektstelle sowie Formaten und Angeboten finden Sie hier: https://www.jm-hohenems.at/vermittlung/oavs 

 

Titelbild: v.l.n.r.: Landesrat Daniel Allgäuer, Bildungsrätin Barbara Schöbi-Fink, Anita Niegelhell (Leitung Kulturvermittlung), Franziska Völlner (Leiterin von #OhneAngstVerschiedenSein) und Museumsdirektor Hanno Loewy.

Eröffnung der Ausstellung „Alles vergessen“ im Jüdischen Museum Wien am 27. Jänner 2026

Am 27. Jänner 2026, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, wurde die Ausstellung „Alles vergessen“ im Verwaltungsgerichtshof in Wien feierlich eröffnet. Der Festsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und unterstrich das große öffentliche Interesse an einer Ausstellung, die sich mit einem auf den ersten Blick vielleicht irritierenden Titel auch zentralen Themen der österreichischen Erinnerungskultur widmet.
Gerade am Holocaust-Gedenktag weist der Titel Alles vergessen darauf hin, dass Vergessen nicht nur ein passiver Vorgang, eine Ohnmacht , sein kann, sondern auch eine bewusste Entscheidung und eine Demonstration von Macht, die uns als Gesellschaft herausfordert.

Die Eröffnung erfolgte durch Barbara Staudinger, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, gemeinsam mit Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, und Albert Posch, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs. In ihrer Begrüßung sprach Barbara Staudinger über die enge Verbindung von Erinnern und Vergessen und über das, was im öffentlichen Gedenken oft ausgeblendet bleibt:
„Erinnerung und Vergessen sind nicht voneinander zu trennen. Vergessen ist dabei nicht nur ein unbewusster, sondern oft auch ein bewusster Vorgang – genauso wie das Erinnern.
In den Tagen um den Internationalen Holocaust-Gedenktag wird viel vom Erinnern gesprochen. Dabei gerät manchmal in den Hintergrund, dass es ohne Täter:innen keine Opfer gibt. Den Opfern zu gedenken muss daher auch bedeuten, sich an die Täter:innen zu erinnern – als Menschen mit eigenen Biografien und nicht als anonyme Masse.“

Hanno Loewy ergänzte aus der Perspektive der jüdischen Gegenwart:
„Es gibt keine Erinnerung ohne Vergessen. Leider trifft’s manchmal die Falschen. Aber darüber kann man streiten wie über so vieles. Auch die jüdische Gegenwart ist davon geprägt, dass so manches Wertvolle und manches Schmerzhafte vergessen wird.“

Die Kuratorinnen Daniela Pscheiden (Jüdisches Museum Wien) und Dinah Ehrenfreund-Michler (Jüdisches Museum Hohenems) stellten die Ausstellung vor.
Daniela Pscheiden: „Die Ausstellung ›Alles vergessen‹ hat es sich zur Aufgabe gemacht, unterschiedliche kulturelle Aspekte des Vergessens in ihren individuellen und kollektiven Dimensionen darzustellen. Vergessen ist nicht das Ende des Erinnerns. Es ist seine Bedingung, seine Grenze – und seine Herausforderung.“
Dinah Ehrenfreund-Michler: „Vergessen ist kein bloßer Mangel an Erinnerung, sondern ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. In einer Gegenwart, in der Erinnerungspolitik und politische Verantwortung zunehmend instrumentalisiert werden, ist es besonders wichtig, genau hinzusehen und die unterschiedlichen Aspekte des Vergessens zu beleuchten.“

Die offizielle Eröffnung nahm Andreas Kranebitter, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, vor. Er ordnete die Ausstellung in einen aktuellen politischen Kontext ein und warnte vor neuen Formen der Geschichtsverdrängung:
„Die Erinnerung kam erst mit der Befreiung zurück. Sie war keine moralische Pflicht, sondern die Rückkehr der Zeit, die Möglichkeit einer Zukunft, die Konstruktion einer neuen Identität. Die Überlebenden hatten keine Wahl, sie mussten das erlittene Unrecht in diese neue Identität integrieren.
Heute greift der organisierte Rechtsextremismus nicht mehr die Geschichtserzählungen selbst an, sondern deren Sinn. Geleugnet werden meist nicht mehr die Fakten des Holocaust, sondern ihre Bedeutung für die Gegenwart.“

Abschließend sprach Barbara Novak, amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales, und betonte die Verantwortung der Gesellschaft im Umgang mit Erinnerung und Vergessen:
„Vergessen ist kein stilles Verblassen von Erinnerung, sondern ein aktiver Akt. Wie wir erinnern, hängt von unserer Zeit, unserem Gegenüber und unseren gesellschaftlichen Verhältnissen ab. Doch wofür wir Verantwortung übernehmen, liegt bei uns. Die Kraft von Menschen liegt darin, jeden Tag neu zu entscheiden, nicht zu schweigen, nicht wegzusehen und solidarisch zu handeln.“

Mehr Information zur Ausstellung in Wien finden Sie hier. 

 

Direktor Hanno Loewy erhält das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, erhält das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Das Jüdische Museum Hohenems freut sich über die Auszeichnung von Direktor Dr. Hanno Loewy mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Im Rahmen einer Feier in der Präsidentschaftskanzlei wurden 22 Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft von Bundespräsident Alexander van der Bellen für ihre Verdienste um die Republik ausgezeichnet.

Hanno Loewy wurde mit folgenden Worten ausgezeichnet: „Herr Direktor Dr. Hanno Loewy leitet seit 2004 das Jüdische Museum Hohenems und entwickelte es zu einer international anerkannten Institution. Er engagiert sich aktiv für den interreligiösen Dialog und fördert das Verständnis zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen. Sein Einsatz für eine offene und tolerante Gesellschaft zeigt sich in seiner Arbeit im Museum sowie in öffentlichen Stellungnahmen und Initiativen.“

Mit dieser Auszeichnung wird, so Hanno Loewy, „auch das ganze Team und die Trägerschaft des Museums gewürdigt, die die grenzüberschreitende Arbeit des Hauses ermöglichen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Information:
www.bundespraesident.at 

Fotos: Präsidentschaftskanzlei, Peter Lechner/HBF

Über die Grenze

Im Sommer 2022 eröffnete das Jüdische Museum Hohenems den Hör-Radweg „Über die Grenze“. Symbolische Grenzsteine erinnern an Geflüchtete und Fluchthelfer – 52 Fluchtgeschichten aus der Zeit zwischen 1938 und 1945 sind seither auf Deutsch und Englisch entlang der längsten Route im Vorarlberger Radwegenetz via QR-Codes abrufbar. Parallel dazu sind die Hörspiele auch ohne körperliche Anstrengung via www.ueber-die-grenze.at  zugänglich und im 2023 erschienen Buch nachzulesen.

2025 wird das Projekt nun Stück für Stück um 13 weitere Hörstationen ergänzt – und beginnt bereits in Lindau. So bildet die Geschichte von Ruth Guggenheimer einen neuen chronologischen wie auch geographischen Auftakt. Im November 1933 gelang ihr noch per Schiff die Flucht über den Bodensee in die Schweiz. Neben dem ihr gewidmeten „Grenzstein“ zwischen Bahnhof und Hafen weist nun auch eine Informationstafel auf die gesamte Radroute hin. Von der bayrischen Grenzstadt entlang des Seeufers geht es nun durch Bregenz nach Hard und Fußach, wo bald ebenfalls neue Geschichten zu hören sind. Neue spannende Fluchtgeschichten wurden recherchiert, auch solche, die sich weiter südlich ereigneten. Etwa im Walgau, wo am Radweg zwischen Feldkirch und Bludenz die bestehende Lücke mit den Standorten Frastanz, Nenzing und Nüziders geschlossen werden konnte. Dort scheiterte etwa im Februar 1941 der Fluchtversuch des Dornbirner Deserteurs August Weiß, der in Amerlügen gefasst wurde.

Im Zentrum der Radroute am Alten Rhein zwischen Hohenems, Lustenau und Diepoldsau erzählen nun auf der Schweizer Seite fünf weitere Hörstationen von Geflüchteten, denen hier der Grenzübertritt gelang. So wie Judith Kohn, die im Interview der Shoah Foundation ausführlich von ihrer Flucht aus Wien über Hohenems und die Schweiz nach Frankreich berichtet, oder Margarethe Eder, die im November 1942 mit gefrorenen Füßen im St. Galler Spital landete. Die Dichte an Hörstationen entlang des Alten Rheins ermöglicht es nun auch, die Grenzlandschaft zu Fuß zu erkunden und damit den tatsächlichen Fluchtrouten direkt am Wasser noch ein Stück näher zu kommen.

Weitere Informationen finden Sie hier. 

 

Neue Online-Publikation

Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen
Herausgegeben von Anika Reichwald
im Auftrag des Jüdischen Museums Hohenems

Redaktion: Dinah Ehrenfreund, Hanno Loewy
Übersetzungen: Kirsten Lehmann, Lilian Dombrowski
Gestaltung: Thomas Matt
Fotos: Dietmar Walser, Thomas Matt
ISBN 978-3-200-10568-3

 

 

In Memoriam Uri Tänzer

1938-2025

Seine leise und zugleich tiefgründige Präsenz kann niemand vergessen, der Uri Tänzer jemals begegnet ist. Viele Jahre hat er als Gründungsmitglied der American Friends of the Jewish Museum Hohenems als Schatzmeister gewirkt und immer wieder dafür gesorgt, dass Nachkommen der Hohenemser Juden „ihr“ Museum unterstützen. Aber vor allem erinnern wir uns an ihn als liebenden Menschen, der seine Rührung darüber, auch selbst geliebt zu werden, nicht verbergen konnte. Seine Bescheidenheit und Weisheit hat viel bewegt.

Am 20. April ist Uri Hugo Taenzer im Samaritan Hospiz in Voorhees, New Jersey, friedlich gestorben. Möge die Erde ihm leicht sein.

Uri wurde 86 Jahre alt. Er hinterlässt seine geliebte Ehefrau Kantorin Marlena Taenzer, seine Schwester Ruth Loose, seine Tochter Laura Aberant (Kevin), seine Enkelinnen Elizabeth und Catherine, seine Nichte Michelle, viele Cousins und Cousinen, sowie zu viele Freunde und Bekannte, um sie alle aufzuzählen. 1938 als Sohn von Fritz und Margot Taenzer, und als Enkel des Hohenemser Rabbiners Aron Tänzer, in Tel Aviv geboren, wanderte seine Familie in den frühen 1950er Jahren in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in Vineland, New Jersey, nieder. Uri besuchte dann Rutgers-Camden, wo er seinen BS- und JD-Abschluss erwarb und zu einer der ersten Abschlussklassen der juristischen Fakultät gehörte.

Nach seinem Abschluss zog er nach Burlington County, wo er sieben Jahrzehnte lang als Anwalt tätig war und in den 1970er Jahren als Richter am Amtsgericht von Willingboro und Burlington Townships fungierte. Er war ein leidenschaftlicher Unterstützer vieler bürgerschaftlicher und wohltätiger Organisationen, darunter Rotary International (ehemaliger Präsident des Willingboro-Clubs und Preisträger der Auszeichnung Business/Professional Person of the Year), der Rutgers Alumni Federation (Meritorious Service Award), Burlington County Bar Association (Präsident 1983-84), National Liberty Museum (Schirmherr), und nicht zuletzt vor allem der American Friends of the Jewish Museum in Hohenems.

Er wird als ein Mensch in Erinnerung bleiben, dessen Großzügigkeit und stiller Humor ansteckend war und der allen, die ihn kannten, seine Zeit, seine Liebe und seine Unterstützung zur Verfügung stellte.

Das Erbe seines Großvaters, der zeitlebens daran festhielt, dass das Judentum vor allem einen ethischen Wert darstellt, war in ihm lebendig.

Am 23. April wurde Uri auf dem Alliance Cemetery in Norma, New Jersey beigesetzt. Zur bewegenden Trauerfeier in Cherry Hill kamen zahllose Freundinnen und Freunde seines erfüllten Lebens.

Einweihung des Salomon-Sulzer-Platzes am 18. März 2025 in Wien

Am 18. März, Salomon Sulzers 221. Geburtstag, wurde ihn Wien der Salomon Sulzer Platz eingeweiht. Ein Kreisel in der Marc Aurel Straße erinnert nun an einen der bedeutendsten Kantoren des 19. Jahrhunderts – wenige Meter entfernt vom Wiener Stadttempel, den Salomon Sulzer 1826 schon mit seinem Gesang eröffnen durfte.

Sulzer, am 18. März 1804 in Hohenems geboren, wurde bereits im Alter von 13 Jahren zum Kantor ernannt. Doch er musste noch eine Lehrzeit auf Reisen absolvieren, bevor er 1820 in Hohenems sein Amt antreten konnte. Sein Bariton war bald legendär, und so wurde er schon 1825 nach Wien berufen und führte mit Rabbiner Isaak Noah Mannheimer eine moderate Version der Reform durch, die lange Zeit bestimmend blieb. Mehr als 50 Jahre diente er als Oberkantor und prägte als Vorsitzender des Kantorenverbands im Habsburger Reich die synagogale Musik seiner Zeit, indem er mit der Tradition der improvisierten Chasanut brach und verschriftlichte Musik und einen professionellen vierstimmigen Chor in der Synagoge einführte.

1890 starb er in Wien. Sein Traum auf dem Hohenemser Friedhof seinen Platz zu finden, erfüllte sich nicht, stattdessen bekam er ein monumentales Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof. Als der ehemalige Vorsitzende des „Allgemeinen deutschen Kantorenverbands“ Magnus Davidson, aus dem Londoner Exil 1951 forderte, die Hohenemser Synagoge zu einer Gedenktätte für Sulzer zu gestalten, hielten sich sowohl die Marktgemeinde, wie auch die Israelitische Kultusgmeinde in Innsbruck, bedeckt… Stattdessen wurde aus der Synagoge das Hohenemser Feuerwehrhaus.

Erst später begann man sich an den Hohenemser Komponisten, Sänger und Kantor zu erinnern. Die Schubertiade befestigte eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus. Ein Sträßchen wurde nach ihm benannt, schließlich die teilrestaurierte Synagoge als Salomon Sulzer Saal neu eröffnet und der Platz inmitten des Jüdischen Viertels 2016 nach ihm benannt.

In Wien bemühte sich Kantor Shmuel Barzilai 2007 darum, eine Gasse nahe des Stadttempels umzubenennen, aber seine Anstrengung versandete im bürokratischen Dschungel. Erst 2024 hatte eine neue Initiative von Kultusgemeinde und 1. Bezirk mehr Erfolg. Wir konnten schließlich auch die Verbindung zu den Nachkommen Sulzers herstellen, so dass Julie Reisler und ihr Sohn Ami tatsächlich den Weg von Washington nach Wien auf sich nahmen, um beim bescheidenen Festakt der IKG dabei zu sein.

Foto von links nach rechts:
Markus Figl (Bezirksvorsteher), Hanno Loewy (Jüdisches Museum Hohenems), Julie Reisler (Urururenkelin von Salomon Sulzer), Shmuel Barzilai (Oberkantor Wiens), Oskar Deutsch (Israelitische Kultusgemeinde Wien), Andreas Mailath-Pokorny (Wiener Freude des Jüdischen Museums Hohenems). Foto: Alba Losert

Europäische Sommeruniversität für jüdische Studien Hohenems, 06. bis 11. Juli 2025

Anmeldung möglich bis 31.5.2025 | Ein Volk und eine Religion, so haben viele versucht, die Mehrdeutigkeit des Judentums in Begriffe zu fassen. Und dabei wiederum nur neue Missverständnisse geschaffen. Denn ob der Stammesbund, die jüdische Familie ein „Volk“ wie andere ist, ist genauso fraglich, wie das Rätsel, ob das mosaische Gesetz mit landläufigen, christlich geprägten Vorstellungen von „Religion“ verstanden werden kann. Entzieht sich das Judentum deswegen schon allen Begriffen oder stellt es sie nur in ihrer jeweiligen Borniertheit in Frage?