Europäische Sommeruniversität für jüdische Studien
Fake - Über fromme und unfromme Lügen10.-15. Juli 2022

Eine Veranstaltung der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München, des Zentrums für Jüdische Studien der Universität Basel, des Instituts für Judaistik an der Universität Wien, der Professur für Judaistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der Sigi-Feigel-Gastprofessur für Jüdische Studien an der Universität Zürich, des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, des Jewish Studies Program der Central European University in Budapest/Wien – in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems.

Jüdische Geschichte ist von jeher von Fantasien begleitet worden, von Konstruktionen des Jüdischen, die häufig genug von den Bedürfnissen der nicht-jüdischen Umwelt geprägt worden sind. In diesem Wechselspiel zwischen Faszination und Abwehr, Ressentiment und Identifikation, waren antisemitische Stereotype und jüdische Selbstbilder, aber auch reale Geschichte, Legende und Mythos nicht immer zu trennen.
Philosemitische Sehnsüchte haben sich den europäischen Vorstellungen des „Jüdischen“ immer wieder aufs Neue eingeschrieben. Erst Recht nach der Shoah sind Juden zur Projektionsfläche politischer Interessen geworden. Und damit zum Gegenstand aller möglichen Fakes und Travestien. Derart zum Spielball gegenläufiger Erzählungen geworden, lohnt es sich, einen kritischen Blick auf das Thema „Fakes“ zu werfen.

Die 12. Europäische Sommeruniversität für Jüdische Studien Hohenems wird vom 10. bis 15. Juli 2022 – in gewohnt breiter interdisziplinärer Perspektive – den historischen und sozialen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Dimensionen der „jüdischen“ Fakes nachgehen: Fakes die Nicht-Juden mit Juden in Verbindung bringen, Fakes in die Juden unfreiwillig verwandelt werden, und auch jene Fakes, mit denen Juden sich zuweilen vor den Nachstellungen ihrer Umwelt in Sicherheit zu bringen versuchen.

Die Sommeruniversität für jüdische Studien Hohenems 2022 steht Studierenden aller Fachbereiche offen. Bevorzugt angenommen werden Studierende der Jüdischen Studien der beteiligten Universitäten in Bamberg, Basel, Budapest, Innsbruck, München, Wien und Zürich.

Öffentliche Veranstaltungen im Rahmen der Sommeruniversität:

So 10. Juli 14.15 Uhr: Dr. Michael Hagemeister (Bochum)
„Geheimnisse des Judentums“ und ihre „Enthüllungen“.
Von „Biarritz“ zu den „Protokollen der Weisen von Zion“ mehr 

So 10. Juli 20.00 Uhr: Dr. Brian Klug (London)
Jews as prototypes: changing phantasies about Jews as the own „others“ of Europe mehr 

Di 12. Juli 20.00 Uhr: Niko Hofinger (Innsbruck)
Ein Mann der zweimal starb. Wie sich der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg selbst neu erfunden hat. mehr 

Mi 13. Juli 20.00 Uhr: 20.00-22.00 | Filmabend mit Dr. Noam Zadoff (Innsbruck)
Geliehene Identität – Israelische Palästinenser zwischen Araber und Juden und der Film: Dancing Arabs (Eran Riklis/Sayed Kashua, Israel 2014) mehr 

Do 14. Juli 20.00 Uhr: Vortrag mit Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Berlin)
Falsche Freunde? Der Kampf gegen Antisemitismus und die Jagd nach „Antisemiten“ mehr 

Alle öffentlichen Veranstaltungen finden im Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, in Hohenems statt.