So., 12. Juli 2026, 19:30-21:00 Uhr „Wir haben keine Zeit zu fragen: Woher? Wir wissen ja nicht: Wohin?“ Die Reisen der Familie Freudenheim Vortrag von Joachim Schlör (Southampton)

Das Thema der „jüdischen Reisenden“ ist außerordentlich vielfältig und fast unerschöpflich. Der Vortrag hat deshalb einen mikrohistorischen Ansatz: unterschiedliche Formen und Erfahrungen des Reisens als einer kulturellen Praxis in einer – recht verzweigten und weit ausgreifenden – Familiengeschichte: Der Patriarch Simon Freudenheim schickte seine Söhne ab den 1860er Jahren aus der Provinz (Samter bei Posen) nach Berlin, um sich dort im Holzhandel zu engagieren. Von dort aus betrieben sie Handels- und Studienreisen. Der jüngste Sohn Leopold erreichte den gesellschaftlichen Aufstieg und unternahm neben der Hochzeitsreise weitere Reisen „zum Vergnügen“ und aus Bildungsinteresse. Sein Sohn Ernst wiederum, vom Mitbewohner Hermann Struck zur zionistischen Idee „verführt“, absolvierte zwei Reisen nach Palästina, bevor er aus wirtschaftlichen Gründen doch mit seiner Familie in die USA emigrierte. Von Buffalo und New York aus kam sein Sohn Tom häufig zurück nach Berlin und erforschte die Familiengeschichte. Die einzelnen Reiseformen und Stationen werden im Vortrag genauer betrachtet und in ihrem jeweiligen Kontext verortet. Joachim Schlör ist Emeritus Professor für moderne jüdisch/nichtjüdische Beziehungsgeschichte an der University of Southampton. Er wurde 1990 in Tübingen promoviert und habilitierte sich 2003 an der Universität Potsdam. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Jewish Culture and History und Mitherausgeber des Online-Journals Mobile Culture Studies. 2021 erschien im Verlag für Berlin-Brandenburg das Buch „Im Herzen immer ein Berliner“. Jüdische Emigranten im Dialog mit ihrer Heimatstadt, eine Dokumentation und Interpretation der Korrespondenz zum Berliner Gedenkbuch; 2024 publizierte der Neofelis Verlag eine Sammlung seiner Essays zum Thema „Jüdische Migration und Mobilität“; zurzeit arbeitet Joachim Schlör an der Geschichte der Familie Freudenheim und richtet dabei den Fokus auf die Wohnung der Familie im Haus Brückenallee 33 im Berliner Hansaviertel. Ein öffentlich zugänglicher Vortrag im Rahmen der 16. Europäischen Sommeruniversität für jüdische Studien, 12. bis 17. Juli 2026 – „Hin und weg. Über jüdische Reisende“ 

 
Veranstaltungsort
Salomon Sulzer Saal
Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
+43 (0)5576 73989
office@jm-hohenems.at 



Eintritt frei!

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