Di., 15. Sep. 2026, 18:30-20:30 Uhr
Józef Wiśnicki & Leokadia Justman: Zwei jüdische Überlebensgeschichten aus Vorarlberg und Tirol zum 80. Hochzeitstag
Buchvorstellung und Gespräch mit den Herausgebern Dominik Markl und Niko Hofinger. Moderation: Irene Aue-Ben-David
Am 15. September 1946 fand in Innsbruck die erste jüdische Hochzeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Das junge Paar stammte aus Polen und schaffte es in den Jahren zuvor die Verfolgung durch das NS-Regime zu überleben. Zwei unglaubliche Geschichten die sich einerseits in Innsbruck und andererseits in Bludenz ereigneten. Beide verarbeiteten das Erlebte früher oder später autobiographisch – 2025 und 2026 wurden die Werke nun erstmals auf Deutsch übersetzt. 80 Jahre nach ihrer Hochzeit werden beide, im Tyrolia-Verlag erschienen, Bücher von den Herausgebern Niko Hofinger und Dominik Markl SJ im Jüdischen Museum Hohenems präsentiert.
Bücher:
Leokadia Justman, Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol, Innsbruck 2025
Leokadia Justman überlebte als Jugendliche die grausame Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Polen. Nach der Flucht aus dem Warschauer Ghetto nahm ihre Mutter die Deportation nach Treblinka auf sich, um das Leben der Tochter zu retten. Mit ihrem Vater gelang die Flucht nach Tirol. Dort lebten sie unter falschen Identitäten, bis sie an die Gestapo verraten wurden. Nach der Ermordung ihres Vaters im Lager Reichenau entkam Leokadia mit einer Freundin aus der Haft und versteckte sich in Innsbruck. Unterstützt von mutigen Personen, überlebte sie die letzten Kriegsmonate in der Region von Lofer. Dieser erstmals ins Deutsche übersetzte autobiografische Bericht gibt einen seltenen, authentischen Einblick in das Leben und Überleben als Jüdin in Tirol während der NS-Zeit.
Zur Autorin: Leokadia Justman, später Lorraine Justman-Wisnicki, geboren 1922 in Łódź, flieht 1943 mit ihrem Vater und gefälschten Papieren nach Tirol und Salzburg. Sie überlebt und schreibt gleich nach dem Krieg ihre Rettungsgeschichte nieder. 1946 Heirat mit Joseph Wisnicki in Innsbruck. 1950 Emigration nach New York; zwei Kinder. Die Autorin stirbt 2002 in Palm Beach, Florida.
Joseph Wisnicki, Mich kriegt ihr nicht! Als polnischer Jude auf der Flucht in Vorarlberg, Innsbruck 2026
Joseph Wisnickis Erinnerungen „My Fight for Survival“ erscheinen mit diesem Buch erstmals in literarischer Übersetzung. Der 1916 in Częstochowa geborene jüdische Soldat überlebte Holocaust und Krieg durch waghalsige Fluchten, falsche Papiere und mutige Helfer in Polen und Vorarlberg. Nach dem Krieg heiratete er Leokadia Justman, deren Erinnerungen unter dem Titel „Brechen wir aus!“ im Tyrolia-Verlag veröffentlicht wurden. 1997 schrieb er seine Geschichte für seine Familie nieder – mit Fotos und Dokumenten, die dem Bericht eindrückliche Authentizität verleihen. Nun liegt dieser bewegende Text, geprägt vom trockenen Humor eines Überlebenden, mit fundierten historischen Anmerkungen und zahlreichen Abbildungen vor. Ein einzigartiges Zeugnis von Widerstandskraft und Überlebenswillen, das persönliche Erinnerung, Zeitgeschichte und literarische Kraft verbindet – und eine unentbehrliche Stimme im Gedenken an den Holocaust hörbar macht.
Zum Autor: Joseph Wisnicki (1916–2016), jüdischer Soldat der polnischen Armee, überlebte Holocaust und Krieg durch mutige Fluchten in Polen und Vorarlberg. 1997 schrieb er seine Erinnerungen My Fight for Survival, die nun erstmals literarisch übersetzt erscheinen.
Herausgeber:
Dominik Markl, geboren 1979 in Innsbruck, ist Jesuit und Professor für Hebräische Bibel / Altes Testament an der Universität Innsbruck. Zuvor lehrte er in Rom, Washington DC, Berkeley und Nairobi. Er forscht zur Religionsgeschichte des Monotheismus, politischer Ideengeschichte, Traumatheorie, Diskursen der Massengewalt und Holocaust.
Niko Hofinger, geboren 1969 in Innsbruck. Studium der Politikwissenschaft und Geschichte (nicht abgeschlossen). Ab 1999 selbstständig als Programmierer und Ausstellungskurator, seit 2019 auch halbtags im Stadtarchiv Innsbruck. Wissenschaftliche Publikationen zu Tiroler Nachkriegspolitik und jüdischer Regionalgeschichte, ein Roman.
Moderation:
Irene Aue-Ben-David, ist seit April 2026 Leiterin des Jüdischen Museums Hohenems. Die in Deutschland geborene Historikerin lebte mehr als zwei Jahrzehnte in Israel, bevor sie nach Vorarlberg kam. In den vergangenen zehn Jahren leitete sie in Jerusalem das Leo Baeck Institut für deutschjüdische Geschichte und Kultur und beschäftigte sich dort unter anderem mit Fragen von Migration, Neuanfängen und Wissenstransfer.
Foto: Familienarchiv Wisnicki, West Palm Beach Florida
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Veranstaltungsort
Jüdisches Museum Hohenems
Villa Heimann-Rosenthal Schweizer Straße 5,
6845
Hohenems
+43 (0)5576 73989-0
office@jm-hohenems.at ►
Am Veranstaltungsabend wird es einen Büchertisch vom Tyrolia Verlag geben.
Eintritt: € 11,-/8,-
Keine Reservierung erforderlich
Daten in Kalender übernehmen ►
Jüdisches Museum Hohenems Villa Heimann-Rosenthal Schweizer Straße 5
47.3646397
9.688684800000033
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