Di., 18. Aug. 2026, 19:00-21:30 Uhr Das Dilemma der jüdischen Flüchtlingshilfe Vortrag von Barbara Häne

Der Vortrag erläutert die Rolle der jüdischen Flüchtlingshilfe von 1935-1945 und in der Nachkriegszeit im Spannungsfeld von humanitärer Hilfe für Verfolgte, politischem Druck und begrenzten Ressourcen. Moderation: Hanno Loewy (Hohenems) Der Verband Schweizerischer Jüdischer Flüchtlingshilfen (VSJF, bis 1943 Verband Schweizerischer Israelitischer Armenpflegen, VSIA) betreute auf dem Höhepunkt seiner Tätigkeit im Frühjahr 1945 rund 10 000 jüdische Flüchtlinge finanziell. Das Hilfswerk war aus dem Zusammenschluss der Fürsorgestellen verschiedener jüdischer Gemeinden in der Schweiz hervorgegangen und wurde 1934 vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), der Dachorganisation der jüdischen Gemeinden, mit der Koordination der Flüchtlingsbetreuung beauftragt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland sah sich der VSJF einer stetig wachsenden Zahl jüdischer Flüchtlinge gegenüber. Verschärft wurde die Situation durch das sogenannte Gentlemen’s Agreement von 1938 zwischen Vertretern der Eidgenössischen Fremdenpolizei und des SIG, das dem Schweizer Judentum weitreichende finanzielle Verpflichtungen für die Betreuung der Geflüchteten auferlegte. Diese Zusagen, die SIG-Präsident Saly Mayer und VSIA-Präsident Silvain S. Guggenheim unter grossem Druck eingegangen waren, wogen schwer. Bereits vor den ersten grossen Flüchtlingswellen aus Österreich geriet die jüdische Flüchtlingshilfe in finanzielle Bedrängnis, und eine Entspannung der Lage war nicht in Sicht. Schon im März 1939 wurde von jüdischer Seite festgestellt, dass sich die Zahl der erwerbstätigen Jüdinnen und Juden in der Schweiz bald mit jener der unterstützten Flüchtlinge die Waage halten würde. Die Arbeit des VSJF war deshalb in hohem Mass auf die finanzielle Hilfe jüdischer Organisationen aus dem Ausland angewiesen, allen voran auf das American Jewish Joint Distribution Committee. Ebenso wichtig war die Mitarbeit zahlreicher Freiwilliger. Eine zentrale Figur dieses Engagements war Otto H. Heim. Er arbeitete ab 1936 zunächst in der Fürsorgekommission der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) und war zwischen 1943 und 1968 für den VSJF tätig, den er ab 1945 präsidierte. Seine Familie war im Textilhandel tätig und im bürgerlich geprägten jüdischen Umfeld Zürichs gut vernetzt. Otto H. Heim entwickelte sich rasch zu einer Schlüsselfigur innerhalb des VSJF. Viele biografische Eckpunkte seiner Herkunft aus dem jüdischen Grossbürgertum decken sich mit jenen weiterer einflussreicher Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Vorstände von SIG und VSJF. Gleichzeitig arbeiteten zahlreiche jüdische Geflüchtete an der Zentralstelle des VSJF oder in den sogenannten Lokalkomitees der jüdischen Flüchtlingshilfe vor Ort mit. Eine Veranstaltung des Museums Prestegg in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems im Rahmen des Begleitprogramms des Projekts «Gemeinsam erinnern im Rheintal. 1938-1945». Keine Anmeldung nötig. Foto: Barbara Häne, © N. Jansen  

 
Veranstaltungsort
Museum Prestegg
Rabengasse 3, 9450 Altstätten

info@prestegg.ch 

im Göttersaal Eintritt: CHF 12.- (Jugendliche bis 16 Jahre CHF 6.-) Keine Reservierung erforderlich Mehr Information: prestegg.ch 





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