„Die Morgenländer. Jüdische Forscher und Abenteurer auf der Suche nach dem Eigenen im Fremden“ | 16. November 2025 bis 04. Oktober 2026 | Mit der Ausstellung „Die Morgenländer“ schauen wir auf die Entstehung der Orientwissenschaften im 19. Jahrhundert und machen eine überraschende Erkenntnis stark: Die Entwicklung der Islamwissenschaften, der Arabistik und der Orientalistik war eng mit der Wissenschaft des Judentums, mit Emanzipation und Reform verbunden.
News-Archiv
Eröffnung der Ausstellung „Alles vergessen“ im Jüdischen Museum Wien am 27. Jänner 2026
Am 27. Jänner 2026, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, wurde die Ausstellung „Alles vergessen“ im Verwaltungsgerichtshof in Wien feierlich eröffnet. Der Festsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und unterstrich das große öffentliche Interesse an einer Ausstellung, die sich mit einem auf den ersten Blick vielleicht irritierenden Titel auch zentralen Themen der österreichischen Erinnerungskultur widmet.
Gerade am Holocaust-Gedenktag weist der Titel Alles vergessen darauf hin, dass Vergessen nicht nur ein passiver Vorgang, eine Ohnmacht , sein kann, sondern auch eine bewusste Entscheidung und eine Demonstration von Macht, die uns als Gesellschaft herausfordert.
Die Eröffnung erfolgte durch Barbara Staudinger, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, gemeinsam mit Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, und Albert Posch, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs. In ihrer Begrüßung sprach Barbara Staudinger über die enge Verbindung von Erinnern und Vergessen und über das, was im öffentlichen Gedenken oft ausgeblendet bleibt:
„Erinnerung und Vergessen sind nicht voneinander zu trennen. Vergessen ist dabei nicht nur ein unbewusster, sondern oft auch ein bewusster Vorgang – genauso wie das Erinnern.
In den Tagen um den Internationalen Holocaust-Gedenktag wird viel vom Erinnern gesprochen. Dabei gerät manchmal in den Hintergrund, dass es ohne Täter:innen keine Opfer gibt. Den Opfern zu gedenken muss daher auch bedeuten, sich an die Täter:innen zu erinnern – als Menschen mit eigenen Biografien und nicht als anonyme Masse.“
Hanno Loewy ergänzte aus der Perspektive der jüdischen Gegenwart:
„Es gibt keine Erinnerung ohne Vergessen. Leider trifft’s manchmal die Falschen. Aber darüber kann man streiten wie über so vieles. Auch die jüdische Gegenwart ist davon geprägt, dass so manches Wertvolle und manches Schmerzhafte vergessen wird.“
Die Kuratorinnen Daniela Pscheiden (Jüdisches Museum Wien) und Dinah Ehrenfreund-Michler (Jüdisches Museum Hohenems) stellten die Ausstellung vor.
Daniela Pscheiden: „Die Ausstellung ›Alles vergessen‹ hat es sich zur Aufgabe gemacht, unterschiedliche kulturelle Aspekte des Vergessens in ihren individuellen und kollektiven Dimensionen darzustellen. Vergessen ist nicht das Ende des Erinnerns. Es ist seine Bedingung, seine Grenze – und seine Herausforderung.“
Dinah Ehrenfreund-Michler: „Vergessen ist kein bloßer Mangel an Erinnerung, sondern ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. In einer Gegenwart, in der Erinnerungspolitik und politische Verantwortung zunehmend instrumentalisiert werden, ist es besonders wichtig, genau hinzusehen und die unterschiedlichen Aspekte des Vergessens zu beleuchten.“
Die offizielle Eröffnung nahm Andreas Kranebitter, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, vor. Er ordnete die Ausstellung in einen aktuellen politischen Kontext ein und warnte vor neuen Formen der Geschichtsverdrängung:
„Die Erinnerung kam erst mit der Befreiung zurück. Sie war keine moralische Pflicht, sondern die Rückkehr der Zeit, die Möglichkeit einer Zukunft, die Konstruktion einer neuen Identität. Die Überlebenden hatten keine Wahl, sie mussten das erlittene Unrecht in diese neue Identität integrieren.
Heute greift der organisierte Rechtsextremismus nicht mehr die Geschichtserzählungen selbst an, sondern deren Sinn. Geleugnet werden meist nicht mehr die Fakten des Holocaust, sondern ihre Bedeutung für die Gegenwart.“
Abschließend sprach Barbara Novak, amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales, und betonte die Verantwortung der Gesellschaft im Umgang mit Erinnerung und Vergessen:
„Vergessen ist kein stilles Verblassen von Erinnerung, sondern ein aktiver Akt. Wie wir erinnern, hängt von unserer Zeit, unserem Gegenüber und unseren gesellschaftlichen Verhältnissen ab. Doch wofür wir Verantwortung übernehmen, liegt bei uns. Die Kraft von Menschen liegt darin, jeden Tag neu zu entscheiden, nicht zu schweigen, nicht wegzusehen und solidarisch zu handeln.“
Mehr Information zur Ausstellung in Wien finden Sie hier. ►
Ausstellungen im Museum Prestegg in Altstätten
Begrüssung & Einführung Sonja Arnold Präsidentin Museum Prestegg Projektleiterin «Gemeinsam erinnern im Rheintal» Grusswort Ruedi Mattle, Stadtpräsident Altstätten Aus der Perspektive eines Nachkommen Hans Goldenberg, Wien Einblicke in die Ausstellungskonzeption Margit Bartl-Frank, Gastkuratorin Museum Prestegg Barbara Thimm, Kuratorin Jüdisches Museum Hohenems Schlusswort & Dank Sonja Arnold Musikalische Umrahmung Chor Montlingen, Leitung: Peter Vonbank Begegnung Borderline Knitting Noam Holdengreber
Aktuelle Ausstellung
Die Geschichte arabisch-jüdischer Lebenswelten ist eine lange Beziehungsgeschichte – mal romantisiert, mal vergessen, verdrängt oder dämonisiert. Die Ausstellung zeigt Kunstwerke jüdischer Künstler*innen mit arabischen Wurzeln im Kontext arabisch-jüdischer Identitäten und zeichnet über historische Schlüsselmomente ein Bild fruchtvoller wie spannungsgeladener Berührungen.
News – Maecenas Ö1-Publikumspreis 2017
Das unabhängige Wirtschaftskomitee Initiativen Wirtschaft für Kunst ► (IWK) vergab heuer bereits zum 29. Mal zusammen mit dem ORF den Österreichischen Kunstsponsoringpreis MAECENAS für die Förderung von Kunstprojekten.
Diesmal wurde am 29. November 2017 wieder der Maecenas Ö1-Publikumspreis vergeben, aus dem das Jüdische Museum Hohenems mit mehr als 50% der Voten bei fünf starken Mitbewerbern mit großem Vorsprung als Sieger hervorging.
Verantwortung für eine gelingende zivile Gesellschaft nimmt das Jüdische Museum Hohenems seit vielen Jahren wahr – oft auch gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft. Schon 2007 wurde für die Zusammenarbeit die Firma Collini mit einem Maecenas-Preis ausgezeichnet. Aber auch mit anderen Wirtschaftsunternehmen arbeitet das Museum eng zusammen, so zum Beispiel mit der Firma Tectum in Hohenems oder der Dornbirner Sparkasse, mit den Vorarlberger Kraftwerken und vielen Hohenemser Dienstleistungsunternehmen.
Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet das Jüdische Museum mit der Vorarlberger Wirtschaftskammer und den Tourismusinstitutionen in Vorarlberg. Gemeinsam engagieren wir uns für innovative Konzepte eines kultur- und geschichtsbewussten Tourismus und für einen offenen Umgang der Region mit Menschen, die zu uns kommen. Gemeinsam mit unseren Sponsoren arbeiten wir daran, das Museum zu einem Ort des zivilen Miteinanders zu machen, geprägt von der Anerkennung des „Anderen“.
Der „Maecenas“ wurde 2017 in folgenden Kategorien vergeben:
* Bestes Kunstsponsoring „Klein- und Mittelbetriebe“
* Bestes Kunstsponsoring „Grossunternehmen“ und
* Sonderpreis „Kunst & Kultur – für Kulturanbieter“.
* Maecenas Ö1-Publikumspreis
Im vergangenen Jahr hat das Museum den Sonderpreis „Kunst&Kultur – für Kulturanbieter“ erhalten. Damals urteilte die Jury:
„Ein Museum des 21. Jahrhunderts sammelt nicht einfach gerahmtes oder verglastes Gedächtnis. Das Museum ist eine Brücke zwischen Erinnerung und Engagement – also genau das, was das Jüdische Museum in Hohenems schon seit 25 Jahren ist. Hier wird die historische Vielschichtigkeit Europas erlebbar. Hier wird diese zum Vergrößerungsglas, durch das aktuelle Entwicklungen wie Immigration und Integration betrachtet und begriffen werden können. In den letzten zwei Jahren reflektierten Ausstellungen die Lebenswelt der Juden im Habsburgerreich ebenso wie die jüdischen Beiträge zur globalen Musikkultur. Bis Februar 2017 werden die Museumsbestände vor Augen geführt. Wer die Gegenstände sieht, prüft zugleich die Werte des Sammelns. Was soll, ja darf übrig bleiben? Das ist eine materielle Frage. Vielmehr ist es aber eine geistige. Und ein Auftrag für ein Museum, das seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft sieht. Die Vielzahl der weiteren qualitativ hohen Projekte wie Ausstellungen, Museums-vermittlung und Kulturtourismus-aktivitäten sowie die professionelle Einbindung der Sponsoren fördert die Kultur des Zusammenlebens und die Attraktivität des Standorts Hohenems in Vorarlberg“, lobt die Jury.