Vorschau: Alles vergessen
Die Ausstellung Alles vergessen im Jüdischen Museum Hohenems beschäftigt sich aus kulturhistorischer Perspektive mit den unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Vergessens und thematisiert dabei individuelle, kulturelle und gesellschaftliche Auseinandersetzungen zwischen Geschichte und Gegenwart.
Im Judentum hat die Erinnerung an biblische Ereignisse eine zentrale Stellung an fast allen Feiertagen und religiösen Ritualen. Gleichzeitig gibt es aber auch die Aufforderung zu vergessen. Im Hebräischen reimen sich die Wörter lischkoach – Vergessen – und koach, das sowohl Macht als auch Stärke bedeutet. Darin spiegelt sich die doppelte Natur des Vergessens.
Museen sind mit dem Anspruch verbunden, zu bewahren und zu erinnern. Doch wie gehen (Jüdische) Museen mit dem Vergessen um? Was wird gesammelt, was entsorgt? Was wird ausgestellt, und was nicht einmal inventarisiert?
Nach 1945 wollten viele Österreicher:innen vergessen was geschehen war und woran sie sich beteiligt hatten. Diese „Vergessenskultur“ wurde erst mit der Waldheim-Affäre 1986 aufgebrochen. Die damals beginnende Erforschung der Rolle Österreichs im Nationalsozialismus, des Erinnerns an die Opfer sowie die Forderung nach Verantwortung hat vieles in Gang gesetzt und dem Vergessen entrissen. Inzwischen kann jedoch der Aufschwung einer neuen Bewegung beobachtet werden, welche die Geschichte hinter sich lassen will und Erinnerungskulturen unterschiedlicher Gewalterfahrungen gegeneinander ausspielt, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
Daher ist es wichtig, über Mechanismen des Vergessens zu sprechen und zu fragen, was verdrängt und überschrieben, was übersehen und was bewusst ausgelöscht wird. Die Ausstellung lädt dazu ein, Vergessen als Teil einer komplexen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart zu begreifen.
Was vergessen wir? Was dürfen wir nicht vergessen? Und was müssen wir vielleicht vergessen? Wieviel Vergessen steckt in jedem Erinnern?
Teilnehmende Künstler:innen
Arnold Dreyblatt, Dani Gal, Brigitte Kowanz, Maya Schweizer, Sigrid Sigurdsson, William Utermohlen, Gali Yudilevich, Patrick Zachmann
Alles vergessen
15. November 2026 bis 03. Oktober 2027
Jüdisches Museum Hohenems
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Wien

Das Jüdische Viertel von Hohenems ist weit über Vorarlberg hinaus einzigartig, sein fast lückenlos erhaltenes Ensemble steht großteils unter Denkmalschutz. Unser Rundgang startet beim Jüdischen Museum Hohenems. Von hier aus erkunden wir die Straßen im Viertel und tauchen in die jahrhundertealte Geschichte der Gebäude und ihrer Bewohner ein. Anschließend laden wir Sie herzlich auf einen Bagel ins Museumscafé ein, mit der Möglichkeit sich in gemütlicher Runde auszutauschen.
Das Jüdische Viertel von Hohenems ist weit über Vorarlberg hinaus einzigartig, sein fast lückenlos erhaltenes Ensemble steht großteils unter Denkmalschutz. Unser Rundgang startet beim Jüdischen Museum Hohenems. Von hier aus erkunden wir die Straßen im Viertel und tauchen in die jahrhundertealte Geschichte der Gebäude und ihrer Bewohner ein. Anschließend laden wir Sie herzlich auf Kaffee und Kuchen ins Museumscafé ein, mit der Möglichkeit sich in gemütlicher Runde auszutauschen.