Clara Heimann-Rosenthal
Fabrikantentochter und Witwe: Clara Heimann-Rosenthal
(1866 – 1942)

Clara Rosenthal wurde 1866 in Hohenems, als Tochter von Charlotte und Anton Rosenthal, in eine wohlhabende Textilfabrikantenfamilie geboren  – in eben jenem Haus, in dem sich heute das Jüdische Museum Hohenems befindet. Clara heiratete 1891 den belgischen Staatsbürger Josef Heymann und lebte mit ihm bis zu seinem Tod 1906 in Antwerpen. Danach kehrte sie zu ihrer Mutter in die kleine jüdische Gemeinde nach Hohenems zurück, wo sie die Villa Rosenthal bewohnte. Am 31.05.1940 wurde sie, wie die restlichen 8 noch in Hohenems lebenden Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, nach Wien zwangsumgesiedelt. Um die langwierige Klärung der Staatszugehörigkeit von Clara Heimann-Rosenthal zu umgehen, hatte der Hohenemser Bürgermeister auf städtischem Briefpapier eigens zum Zweck der ‚Umsiedlung‘ ein Ausweisdokument ausgestellt. In Wien war die fast achtzigjährige Frau in mehreren Wohnungen unter äußerst bedrückenden Verhältnissen untergebracht, bis sie am 10.7.1942 von Wien ins KZ Theresienstadt deportiert wurde. Dort kam sie am 20.11.1942 ums Leben.

Aus der Zeit zwischen 1939 und 1942 stammt eine Sammlung von Postkarten, die Clara Heimann-Rosenthal in französischer Sprache an die Familie ihres Sohnes in Brüssel geschrieben hatte. Die Sammlung befindet sich im Besitz ihrer Enkelin Jacqueline Heyman in Brüssel. Jacqueline besuchte Hohenems des Öfteren mit ihren Eltern, sowohl vor als auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Haltung gegenüber jeglicher ‚Musealisierung‘ von Familiengeschichte ist eine durchaus kritische. Dennoch hatten Aline Steiner und Arno Gisinger im Frühjahr 2001 die Gelegenheit, sie in Brüssel zu besuchen und die Karten sowie zahlreiche Fotografien aus ihrem Privatbesitz zu reproduzieren. Aus dieser Begegnung entstand das Projekt der Bearbeitung des Materials in Form einer Transkription der handschriftlichen Texte, einer Übersetzung ins Deutsche sowie einer historisch-kritischen Interpretation des Inhalts der Postkarten, die in die Veröffentlichungen zum Ausstellungsprojekt „Rosenthals. Collage einer Familiengeschichte“ einging. Jacqueline unterstützte auch die neue Dauerausstellung des Museums, die 2007 entstand.