Aron Tänzer
Rabbiner und Historiker: Dr. Aron Tänzer (1871 - 1937)

Aron Tänzer kam am 30. Januar 1871 im ungarischen Preßburg zur Welt. Sein Vater war Rabbiner, die Mutter arbeitete als Weißnäherin für die Preßburger Judenschaft. Im Alter von 21 Jahren immatrikulierte sich Aron Tänzer an der Universität in Berlin. Er studierte Philosophie, Germanistik und semitische Philologie. Wie viele seiner Glaubensbrüder strebte er eine umfassende jüdisch-abendländische Bildung an. Mit dem Doktorexamen in der Tasche bemühte sich Aron Tänzer um eine Anstellung als Rabbiner. Im Oktober 1896 bewarb er sich mit Erfolg auf die freie Rabbinerstelle in Hohenems. Zur Israelitischen Kultusgemeinde Hohenems gehörten auch die in den anderen Gemeinden Vorarlbergs und in Tirol lebenden Juden.

Seine umfassende geistesgeschichtliche Ausbildung brachte er sowohl
in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen als auch im Bereich der Erwachsenenbildung zur Anwendung. So hielt er etwa für den ‚Bildungsclub Hohenems‘ des öfteren Vorträge über Literatur und Geschichte. 1905 veröffentlichte er die heute noch als Standardwerk geltende ‚Geschichte der Juden in Hohenems‘. Seine Geisteshaltung war geprägt von liberalen Ideen und kultureller Offenheit. Mit dem damaligen Hohenemser Bürgermeister August Reis verband ihn eine enge persönliche Freundschaft.
1905 verließ Tänzer Hohenems. Nach einer kurzen Zeit als Rabbiner in Meran bewarb er sich um die ausgeschriebene Rabbinerstelle in Göppingen, die ihm am 1. September 1907 übertragen worden ist und die er bis zu seinem Tod 1937 innehatte. Gleich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte sich Dr. Aron Tänzer freiwillig als Armeerabbiner zum Einsatz im Feld gemeldet. Drei Jahre diente er als Armeerabbiner an der Ostfront. ‚Als Mann des Friedens im Gewande des Krieges‘, wie er sich selbst einmal bezeichnet hat, betreute er seelsorgerisch die Soldaten, half im Lazarett und richtete für die notleidende Bevölkerung Volksküchen ein. Für seinen Einsatz im Felde wurde Dr. Aron Tänzer vielfach geehrt und mit Orden ausgezeichnet.

Dr. Tänzer starb am 26. Februar 1937. Von seinem Tod wurde öffentlich nicht Notiz genommen. In der Zeitung erschien kein Nachruf und keine Todesanzeige. Dr. Tänzer hinterließ eine Frau und sechs erwachsene Kinder. Die Witwe Tänzers wurde 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort ist sie am 25. September 1943 ums Leben gekommen. Die schon erwachsenen Kinder lebten beim Tod des Vaters nicht mehr im elterlichen Haus. Fritz war Kaufmann in Tel Aviv, Irene lebte in Budapest, Hugo arbeitete als Kaufmann in Wien, Ilse wohnte in London. Paul war Rechtsanwalt in Stuttgart und Erwin studierte noch in Berlin. Sie haben das Nazi-Regime überlebt.