









|
|
 Ausstellungen
Veranstaltungen
Öffentliche Führungen
Ausstellungen Rückblick
Veranstaltungen Rückblick
Beispielhafte Projekte
Im Rahmen der Projektreihe 'Ein Viertel Stadt' wurden im September 1995 20 Blickstationen im ehemaligen jüdischen Viertel aufgestellt
|
|
|
Home | English | Suche | Kontakt | Sitemap | Newsletter |
|
Beispielhafte Projekte: Projektreihe 'Ein Viertel Stadt' 1994-1996 Synagogenorte. Jüdische Landschaft um den Bodensee , 1996 Treffen der Nachkommen Jüdischer Familien , 1998 AusZeit, Projektreihe in der ehemaligen Synagoge/Feuerwehr Hohenems , 2001 Rosenthals, Collage einer Familiengeschichte , 2002
Die Projektreihe 'Ein Viertel Stadt' 1994-1996 war die bisher größte und bekannteste Projektreihe des Museums und dauerte von 1994 bis 1996. Am Beispiel des ehemaligen jüdischen Viertels von Hohenems sollte auf unterschiedliche Art und Weise der Umgang mit jüdischer Geschichte in dieser Vorarlberger Kleinstadt thematisiert werden. Das Projekt umfasste wissenschaftliche Studien, Vorträge, Broschüren, ein Kulturprojekt mit Lehrlingen, einen Fernsehfilm und vor allem Aktionen im Jüdischen Viertel selbst, welche 1995 von annähernd 5.000 Personen mitverfolgt wurden.
Unter dem Titel 'Belichtete Häuser' wurden an drei Abenden die Häuser des ehemaligen jüdischen Viertels mit Lichtbildprojektionen zur Geschichte der Gebäude und Menschen, die sie erbaut und in ihnen gelebt haben, angestrahlt. Die Fassaden der Häuser wurden so zu Trägern der Geschichte und verbanden sich als gegenwärtige Struktur mit den historischen Abbildungen. In Form von 20 einfachen Säulen mit Gucklöchern, die im Viertel verteilt aufgestellt wurden, boten die Installation 'Blick-Stationen' den Passanten ungewohnte und teilweise irritative Ausblicke auf bestimmte Details von Gebäuden und Plätzen. Im Oktober 1996 wurde der Film 'Ein Viertel Stadt - Die Wiederentdeckung der jüdischen Geschichte in einer Kleinstadt' fertiggestellt. Der aus Hohenems stammende Schriftsteller Michael Köhlmeier führt durch das ehemalige jüdische Viertel von Hohenems und thematisiert die Frage des Umgangs mit einem schwierigen Kapitel der Geschichte der Stadt. Der Film ist als Videokassette (VHS, 45 Min.) über das Jüdische Museum Hohenems zu beziehen. Eine ausführliche Dokumentation der Projektreihe ist auch in Buchform erhältlich. (zum Shop)
Synagogenorte. Jüdische Landschaft um den Bodensee lenkte 1996 den Blick auf das kulturelle Erbe der alten jüdischen Landschaft um den Bodensee. Im Mittelpunkt standen die Synagogen in ihrer gemeinschaftsstiftenden Funktion sowie als markante Parameter für den Umgang mit Jüdischer Geschichte nach 1945. Bildstelen in den dokumentierten Orten St. Gallen (CH), Lengnau (CH), Endingen (CH), Gailingen (D), Ichenhausen (D) und Hohenems machten das ehemalige Beziehungsnetz der Synagogenorte wieder sichtbar. Eine Ausstellung mit Architekturfotografien zeigte im Museum Innenräume und Außenansichten der Synagogenbauten. Parallel dazu wurden Ritualgegenstände aus Hohenems, die sich in Jüdischen Museen in den USA, der Schweiz und Österreich befinden in die Dauerausstellung integriert. Ein Folder wurde in der gesamten Region gestreut und in den wichtigsten regionalen Zeitungen erschienen redaktionelle Beiträge zur Geschichte der verschiedenen Synagogenorte.
Treffen der Nachkommen Jüdischer Familien, 1998 Das Treffen der Nachkommen jüdischer Familien aus Hohenems vom 13. bis 16. August 1998 hat einem wesentlichen Aspekt der Erinnerungsarbeit Gewicht verliehen. Keines der bisherigen Projekte des Jüdischen Museums Hohenems hat die Notwendigkeit und die Qualität dieses Erinnerns in vergleichbarer Intensität spürbar gemacht, wie die vier Tage, an denen die Nachkommen an jenen Ort zurückkehrten, den ihre Vorfahren einst verlassen hatten oder verlassen mussten. Nach vielen Jahrzehnten der Abwesenheit gingen wieder Menschen mit den Namen Rosenthal, Brettauer, Brunner, Tänzer oder Hohenemser durch die Stadt und machten die Geschichte wieder lebendig. Die große Teilnehmerzahl dokumentierte das ausgeprägte Bedürfnis dieser Menschen, sich den Wurzeln der eigenen Identität in direkter Begegnung zu widmen.
168 Menschen aus 15 verschiedenen Ländern - von Europa, Israel den USA bis Australien _ waren der Einladung des Jüdischen Museums nach Hohenems gefolgt. Die Idee war von einigen Nachkommen selbst an das Museum herangetragen worden. Für die meisten Nachkommen war dies allerdings der erste Kontakt mit Hohenems, dem Jüdischen Museum und mit den hier lebenden Menschen. Betreut vom Jüdischen Museum, konnten sie in Hohenems Kontakte untereinander, zum Museum und zu dessen personellem Umfeld knüpfen. Die im Museum inzwischen gründlich dokumentierten Spuren der Vorfahren wurden während des Treffens um eine neue, lebendige Dimension bereichert. Die Häuser im ehemaligen jüdischen Viertel wurden zu sprechenden Zeugen einer verlorenen Lebenswelt, der jüdische Friedhof wurde von einem abgeschiedenen und überwiegend als Sehenswürdigkeit besuchten Ort zu einem lebendigen Erinnerungsraum, die Dauerausstellung und die Datenbanken des Museums wurden zu einer beseelten Rekonstruktion von Familiengeschichte. Die Resonanz von seiten der Nachkommen fiel entschieden positiv aus und darf wohl als Indikator für einen erfolgreichen Verlauf dieses Kommunikationsprojekts interpretiert werden.
Manche Nachkommen brachten zu diesem ersten Treffen ihre materiellen Erinnerungsträger in Form von Familienalben, Dokumenten und Briefen mit. Die Dokumentation des Museums erfährt seither durch solche Schenkungen und Leihgaben eine entscheidende Bereicherung und Aufwertung. Mit dem Treffen wurde ein Grundstein für dauerhafte Kontakte und eine immer breitere Basis der Erinnerungsarbeit gelegt, die auch in anderen Projekten ihren Niederschlag findet. Eine ausführliche Dokumentation des Treffens ist in Buchform erschienen. (zum Shop)
'AusZeit' - Projektreihe in der ehemaligen Synagoge/Feuerwehr Hohenems. Bis 2001 diente das Gebäude der ehemaligen Synagoge als Gerätehaus für die Feuerwehr. Als die Feuerwehr im Mai 2001 in ein neues Gebäude umzog, sollte das entstandene Vakuum genutzt werden, um Zeit und Raum für den Denk- und Diskussionsprozess über die zukünftige Nutzung zu schaffen. Das Projekt deklarierte sich dabei klar als vorläufige und zeitlich befristete Intervention, die keine bleibenden baulichen Veränderungen am Gebäude vornehmen und keine Entscheidungen über die zukünftige Nutzung vorwegnehmen wollte. Ziel war es, ein Bewusstsein für die überregionale Bedeutung des Gebäudes und für die Verantwortung der öffentlichen Hand im Umgang mit einem Symbol für einen lange Zeit verdrängten Teil der Geschichte der Stadt zu schaffen.
Die unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten, die in diesem Rahmen präsentiert wurden, können gleichsam als semantische Neubesetzung und als Einladung zur Auseinandersetzung mit dem Gebäude und seiner Geschichte gesehen werden. Der Präsentations-Rahmen für die Projekte war der Garagenbereich des Feuerwehrhauses. Die Garage wurde zu einem Raum, in dem sich Erinnerung manifestiert und die 'gestaute Zeit' der verdrängten Geschichte sich langsam wieder entfalten konnte. Verschüttete Aspekte des Gebäudes konnten wieder an die Oberfläche treten. Begleitend zu den künstlerischen Installationen im Hauptraum zeigte in der angebauten Garage eine kleine Ausstellung die Geschichte des Gebäudes. Anhand von Plänen und alten Fotografien wurden die historischen Bauetappen erläutert. Ergänzend dazu öffnete eine fotografische Dokumentation von Robert Fessler Einblicke in die letzte Phase der Nutzung durch die Feuerwehr.
Den Beginn der Reihe machte Arno Gisingers Installation mit dem Titel 'Dies ist der Stuhl für den Paten'. In seiner Arbeit, in deren Zentrum die historische Fotografie einer 'Beschneidungsbank' stand, ging es weniger um den Kultraum als solchen als vielmehr um das Schicksal der synagogalen Gegenstände, deren Verlust (und später auch der Versuche ihrer Wiederauffindung im musealen Kontext) zu einer der zentralen Metaphern für die Erinnerung an die jüdische Gemeinde von Hohenems geworden ist. Die Idee für die Umsetzung des Themas bestand in der Verwandlung des Innenraumes der ehemaligen Synagoge / des ehemaligen Feuerwehrhauses in eine überdimensionale Dunkelkammer, ein visuelles und akustisches Laboratorium, das zu einem beunruhigenden Erinnerungsraum werden sollte, in dem ein Bild aus der Vergangenheit auftaucht.
Unterbrochen von einer Woche mit jüdischen Filmen, die in Zusammenarbeit mit der Filmfabrik des Spielboden Dornbirn in der ehemaligen Synagoge gezeigt wurden, wurde die Reihe dann von der Israelischen Künstlerin Naomi Tereza Salmon fortgesetzt. In ihrer eigens für diese Reihe konzipierten Videoinstallation ging es um die beunruhigende Verdoppelung und Überlagerung von Räumen. Den Abschluss bildete Victorine Müller mit ihrer Videoinstallation/Performance AUM. Da die Entscheidung über den Umbau des Gebäudes überraschend schnell getroffen wurde, wurde die Reihe nicht mehr fortgesetzt.
Rosenthals - Collage einer Familiengeschichte, 2002 Die Rosenthals waren und sind nicht nur für das jüdische Hohenems eine außerordentlich repräsentative Familie. Entlang dieser familiären Thematik lässt sich die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der jüdischen Gemeinde in Hohenems ebenso erzählen wie die Bewohnergeschichte der Villa Heimann-Rosenthal, dem Sitz des Jüdischen Museums. Besonderes Augenmerk galt dabei der letzten Bewohnerin der Familie, Klara Heimann-Rosenthal und deren Deportationsschicksal.
Aus der durch das Nachkommentreffen erfolgten Zäsur resultierte die konzeptionelle Schwerpunktsetzung für das Projekt: So konsequent wie möglich sollte den privaten, familiären und vor allem den lebendigen Erzählaspekten und Erzählformen Platz eingeräumt werden. Die mögliche Botschaft eines solchen Erzählaspektes: Das Jüdische Museum ist in eine neue Entwicklungsphase getreten, die, bezogen auf die ehemalige Gemeinde des jüdischen Hohenems, auch deren Gegenwart, deren lebendige Erinnerungsträger und Erinnerungsformen ins Blickfeld rücken kann.
Ein ungewöhnliches Konzept machte die Nachkommen zu den eigentlichen Akteuren des familiären Projekts. Das Ausstellungsprojekt verzichtete auf eine umfassende genealogische Darstellung im üblichen Sinne. Vielmehr sollten exemplarische Einzelaspekte collagenartigen Einblick in die Familiengeschichte gewähren. Nachkommen der Familie Rosenthal leben heute unter anderem in den USA, Israel, Chile oder Belgien. In Form familiärer Erzählcollagen rückte das Projekt geglückte Lebensentwürfe ebenso ins Blickfeld wie beklemmende Einzelschicksale. Dabei entstanden sich ergänzende Erzählungen, die ganz unterschiedliche Perspektiven und Motivationen für die Beschäftigung mit der Geschichte der eigenen Familie und auch die Rolle des Museums in diesem Prozess deutlich machten. Insgesamt spiegelte das Projekt eine Erinnerungskultur, deren Wurzeln auf unterschiedlichste Weise in der jüdischen Vergangenheit von Hohenems zusammenführen.
Nicht nur in der Vorbereitungsphase, auch in der Ausstellung selbst und im begleitenden Rahmenprogramm wurden diese Persönlichkeitsbilder ungewohnt aktiv, plastisch und lebendig. Dazu kamen nichtjüdische Zeitzeugen aus Hohenems, die aus ihrer eigenen Erinnerungsperspektive von den Rosenthals erzählten.
Auch die Präsentationsform der Ausstellung entsprach dem Charakter einer Collage. Hörstationen, Videosequenzen, Dokumente und Objekte legten einen lockeren Erzählfaden durch das gesamte Haus - teils in die Dauerausstellung integriert, teils in Ergänzung dazu. Und so manche anfängliche 'Leerstelle' bereicherte im Verlauf der Ausstellungsdauer die Erzählcollage, wenn Nachkommen der Familie Rosenthal zu Besuch nach Hohenems kamen. Auch diese persönliche Beziehungsebene war integraler Bestandteil des Projekts.
Zur Ausstelung ist ein erster Band mit Materialien bereits erschienen, ein zweiter Band mit ausfürhlicher Dokumentation ist in Vorbereitung. (zum Shop) |
|