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Rückschau auf das Jahr 2003

"kommt heraus und schaut"
Jüdische und christliche Bibelillustrationen
Originalexponate aus internationalen Sammlungen
25.5.-17.8.2003

Eine Ausstellung der Abteilung für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur,
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des Menasseh ben Israel Instituut Amsterdam

Illustrationen zur Bibel vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert in Originalexponaten aus internationalen Bibliotheken und Sammlungen.

Illustrationen zur Bibel von der Erfindung des Buchdrucks bis ins frühe 19. Jahrhundert scheinen auf den ersten Blick ausschließlich ein Thema der Geschichte des christlichen Buches zu sein. Beachteten die Juden - gerade wenn es um die biblischen Bücher ging - nicht strikt das Zweite Gebot: "Du sollst dir kein Bildnis machen"? Tatsächlich sind jüdische Druckwerke im Vergleich zu christlichen in diesem Zeitraum eher karg mit bildlichem Schmuck ausgestattet. Aber sie existieren tatsächlich, die Bibelillustrationen in jüdischen gedruckten Büchern, wenn auch nicht als originär jüdische Schöpfungen, sondern als Übernahmen oder Transformationen christlicher Bildvorgaben. In einer Zusammenstellung von Büchern mit Illustrationen zu biblischen Stoffen, können Stationen dieses Aneignungsprozesses gezeigt werden, gleichzeitig treten Aspekte einer interkulturellen Verflechtung von christlicher und jüdischer Bilderwelt hervor.

Die Kontaktzonen zwischen Juden und ihrer nichtjüdischen Umgebung waren während dieser Epoche in erster Linie durch die intensiven ökonomischen Beziehungen definiert. Nur wenige Verbindungsstege überbrückten die Kluft, die Christen und Juden im religiösen und sozialen Alltag trennten. Um so reizvoller erscheint daher der Versuch, den Verflechtungen von christlichen und jüdischen Bilderwelten anhand von Illustrationen zur Bibel nachzuspüren und dabei die inter- und transkulturellen Prozesse der Aneignung und Umformung zu erhellen.

"Kommt heraus und schaut", diese Worte aus dem Hohelied Salomons sind dem damals überaus populären jiddischen Buch Tsene-rene vorausgeschickt, das mit zahlreichen Bildern zur Bibel geschmückt war. "Kommt heraus und schaut" ist auch das Motto dieser Ausstellung. In ihr werden wertvolle Originalobjekte zur Anschauung gebracht, die großteils aus der Gross Family Collaction in Tel Aviv stammen, einer der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen von Judaica.

Idee, Kurator und Texte der Ausstellung:
Falk Wiesemann, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Leihgeber:
Gross Family Collection, Tel Aviv
Bibliotheca Rosenthaliana, Universitätsbibliothek Amsterdam
Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Bijbels Museum, Amsterdam
Private Leihgeber

Katalog zur Ausstellung:
Falk Wiesemann: "kommt heraus und schaut" Jüdische und christliche Illustrationen zur Bibel in alter Zeit. Mit Beiträgen von Marion Aptroot und William L. Gross. 148 Seiten zahlr. zum Teil farbige Abbildungen. Klartext Verlag, Essen 2002. ISBN : 3-89861-138-8



Milch & Hering
Jewish Foodshops in New York

20.9. – 15.12.2003
Fotografien und Interviews von Michael Melcer und Patricia Schon
Jüdisches Museum Hohenems

Eröffnung: 20.9.03, 19 Uhr, im Rahmen der „langen Nacht der Museen“

In keiner Stadt der Welt leben so viele Juden wie in New York. Michael Melcer und Patricia Schon, Berliner Ausstellungsmacher mit Augsburger Background, unternahmen 1999 / 2000 eine photographische Reise in "die jüdischste Stadt Amerikas". Dort erleben sie die selbstverständliche Vielfalt jüdischen Lebens, das gelassene Nebeneinander unterschiedlichster religiöser Ausrichtungen und geographischer Herkunft, den Reichtum kultureller Traditionen.

Sie schlendern durch Williamsburg, Crown Heights und Midwood, die orthodoxen Viertel Brooklyns, durch die von osteuropäischen Einwanderern geprägte Lower East Side und durch die "europäische" Upper West Side. Dabei entdecken sie einen syrischen Juden, der koscheres Mexican Food anbietet, einen Südkoreaner, der die beste Matzo-Ball-Soup der Stadt führt, einen Israeli, der in seiner Hähnchenbraterei Tiramisú verkauft.

In Photos, Texten und Interviews haben sie die faszinierende Mixtur der verschiedenen kulinarischen Gepflogenheiten festgehalten. Essen als Ausdruck kultureller Tradition und beständigen Wandels, als Spiegel einer erstaunlichen Unbefangenheit im Vermischen und Integrieren bei gleichzeitig bereitwilligem Akzeptieren von bestimmten Regeln, ein Phänomen von Einheit und Vielfalt.

Die Ausstellung portraitiert die Welt jüdischen Essens in New York, ihre vertrauten und unbekannten Seiten, ihre Exotik und ihre alltägliche Mühsal. Sie erzählt vom Umgang mit jüdischen Speiseregeln, vom Bewahren kultureller Identität und vom allmählichen Entstehen neuer, vom Ankommen in einer fremden Welt und vom dort heimisch Werden. Die Welt der jüdischen Läden und Foodshops ist für Kinogänger die vertraute Kulisse vieler Filme von Woody Allen und Billy Wilder. Die Ausstellungsmacher führt sie zu der Erkenntnis: "Das Beste, was diese Großstadt zu bieten hat, ist Vielfalt. Ein Reichtum, der darin liegt, dass sich für jeden, der kommt und bleiben kann, eine Ecke finden lässt, in die er passt. Dass das Muster, nach dem man zu leben hat, grob genug gewebt ist, um Individualität zu finden, und fein genug, um Halt zu geben."

Zu den Ausstellungsmachern:

Michael Melcer, geboren1961 in Augsburg, ist Architekt und Fotograf und lebt in Berlin. Ausstellungen: „Brooklyn? Brooklyn!“, 2001 in Tübingen und im Amerikahaus in München; „Über Seen“, 2002 Gruppenausstellung, Fotografie am Schiffbauerdamm, Berlin.
Patricia Schon arbeitet als Theaterregisseurin, Texterin und Schauspielerin und ist unter anderem beschäftigt an der Deutschen Oper Berlin und bei den Bregenzer Festspielen. Sie arbeitet seit mehreren Jahren gemeinsam mit Michael Melcer an Fotoprojekten und führte für “Milch & Hering“ die Interviews mit den Ladenbesitzern.

Buch Zur Ausstellung: Michael Melcer /Patricia Schon: Milch & Hering. Jewish Foodshops in New York. 192 Seiten, zahlreiche Abbildungen, fadengeheftete Broschur Deutsch/Englisch, Weidle Verlag, Bonn. €19,60, ISBN: 3-931135-67-5



Rückschau auf das Jahr 2004


"So einfach war das."
Jüdische Kindheiten und Jugend seit 1945 in Österreich, der Schweiz und Deutschland.
Fotografien und Erinnerungen.
21. März bis 23. Mai 2004
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems mit 40 Hörstationen
in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin

Seit 1945 in Österreich, Deutschland oder der Schweiz als Jüdin, als Jude aufzuwachsen, daran war nichts selbstverständlich. Oder vielleicht doch? Was hat es bedeutet, hier – nach dem Holocaust – groß zu werden, hier anzukommen als Flüchtling, Migrant oder Nachkomme von Überlebenden? Wir haben Schriftsteller und Geschäftsleute, Journalisten, Intellektuelle und Künstler, Hausfrauen und Hausmänner, ältere und jüngere, gläubige und weniger gläubige, bekannte und weniger bekannte Menschen um ein Foto und eine kurze Geschichte aus ihrer Kindheit und Jugend gebeten: Erlebnisse und Verstörungen des Alltags, Momente des Glücks, der Fremdheit und der Zugehörigkeit, Einblicke in die Vielfalt jüdischer Lebenswelten in den einzelnen Ländern seit 1945.
Die Ausstellung nimmt so zugleich die geografische Lage des Museums im Dreiländereck zwischen Österreich, der Schweiz und Deutschland in den Blick.
Begleitet wird die Ausstellung von Angeboten für Lehrer und Schulklassen, die den Einstieg in biographisches Arbeiten zur Erfahrung mit Migration und Fremdheit in der Gegenwart von Jugendlichen heute eröffnen sollen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen



...lange Zeit in Österreich.
40 Jahre Arbeitsmigration
Eine Ausstellung aus Anlass des 1964 unterzeichneten Anwerbeabkommens für Arbeitskräfte zwischen der Türkei und Österreich
6. Juni bis 3. Oktober 2004

Ein gemeinsames Projekt von:
okay. zusammenleben – Projektstelle für Zuwanderung und Integration
Jüdisches Museum Hohenems

1964 unterzeichnete Österreich ein Anwerbeabkommen für Arbeitskräfte mit der Türkei. Bereits 1962 war ein Vertrag mit Spanien unterzeichnet worden, der jedoch praktisch kaum Auswirkungen gezeigt hatte; 1966 wurde ein Abkommen mit Jugoslawien abgeschlossen. Die wirtschaftliche Hochkonjunktur in Westeuropa hatte auch in Österreich zu einem Bedarf an Arbeitskräften geführt, der durch "Gastarbeiter" aus wirtschaftsschwachen Ländern wie der Türkei und Jugoslawien gedeckt werden sollte.

Sowohl die "Gastarbeiter" als auch die österreichische Gesellschaft dachten ursprünglich an einen Aufenthalt auf Zeit: Heute investieren Nachkommen der damals Zugewanderten – mittlerweile vielfach österreichische StaatsbürgerInnen geworden – in Wohnungen und Häusern in Vorarlberg, und viele der ersten Generation der "Gastarbeiter" bereiten sich darauf vor, hier bei ihren Kindern und Enkeln ihren Lebensabend zu verbringen.

Vorarlberg war in den letzten Jahrzehnten eine wichtige Zielregion der Arbeitsmigration. Bis heute verzeichnet es in relativen Zahlen den zweithöchsten Ausländeranteil Österreichs. Das ist Ausdruck der starken Industrialisierung des Landes, die zu vielen Veränderungen geführt, aber auch entscheidend zum heutigen Wohlstand beigetragen hat.

Die Ausstellung
Die Ausstellung präsentiert die Migrationsgeschichte Vorarlbergs der letzten Jahrzehnte zunächst in den Arbeiten von Vorarlberger und einem Schweizer Fotografen: Arno Gisinger in Zusammenarbeit mit August Fleisch, Michael Guggenheimer, Nikolaus Walter und Rudolf Zündel.

In der Dauerausstellung des Museums werden die Dokumente zur jüdischen Geschichte des Ortes etwas zur Seite geräumt. Sie machen Dokumenten und Fotografien aus den vier Privatarchiven von Yilmaz Yerit, Elizabet Hintner-Çal?skan, Erich Brüstle und Ali Gedik Platz, die Vorarlberger Migrationsgeschichte aus ihrer jeweils spezifischen biografischen Perspektive vermitteln.

Darüber hinaus wird die Dauerausstellung zur Geschichte der Hohenemser Juden mit Schlüsselobjekten der jüngsten Migrationsgeschichte kommentiert und damit ein spannender inhaltlicher Bogen zwischen der Vergangenheit und jüngsten Gegenwart des Landes geschlagen.



Rückschau auf das Jahr 2005 und 2006


Kantormania
Von Salomon Sulzer zum Jazz-Singer

17. Oktober bis 6. Februar 2005

Vor 200 Jahren wurde ein Star in Hohenems geboren, ein Star mit einer freilich ungewöhnlichen Karriere. Anlass für das Jüdische Museum, exemplarisch das Leben von jüdischen Kantoren vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu beleuchten.
So lädt das Museum unter dem Titel „Kantormania. Von Salomon Sulzer zum Jazz-Singer“ zu einer virtuellen Kantorenshow, einem Gesangswettbewerb, zu dem Kantorinnen und Kantoren aller Zeiten und Länder „eingeladen“ werden. Ob sie aus dem Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder aus Osteuropa, aus dem Wien der Aufklärung oder aus der großen Broadway-Zeit New Yorks, aus Israel oder Marokko stammen - sie alle gratulieren dem Hohenemser und Wiener Kantor Salomon Sulzer, dessen Lebenswerk den Ablauf des jüdischen Gottesdienstes und seine musikalische Ausgestaltung aber auch das Selbstverständnis des jüdischen Kantors nachhaltig veränderte.

Im Konflikt zwischen Synagoge und Bühne wurden manche Kantoren als Stars beider Welten verehrt, und nicht selten von den Rabbinern wegen ihrer säkularen Erfolge gescholten. Mit der Inbrunst der synagogalen Musik oft von Kindesbeinen aufgewachsen, standen ihnen oft die Tore der weltlichen Musik weit offen. Die Ausstellung reagiert, nicht ganz frei von Ironie, auf dieses Spannungsfeld.
Metaphorisch formuliert, wird das Jüdische Museum Hohenems in einen anderen Ort verwandelt: den Backstage-Bereich einer Show-Bühne – dort, wo in den Garderoben nicht nur Talare, Noten und Souvenirs, sondern auch überraschende Memorabilia und Fan-Artikel ihren Platz finden.

Ob nun am Ende wie bei Salomon Sulzer die Reform des Gottesdienstes stand oder wie bei Al Jolson der Weg auf die Bühne des Entertainments, ob Kantoren als Heldentenöre Karriere machen oder als Vorsänger ihre Gemeinde verzaubern – die Ausstellung zeigt Diener der Liturgie und Rebellen gegen die Tradition, konservative Erneuerer und revolutionäre Orthodoxe in ihrer ganzen Vielfalt zwischen Ost und West, der alten und der neuen Welt.

Ein großes Kantorenkonzert im neuen Salomon Sulzer Saal in der teilrestaurierten ehemaligen Synagoge von Hohenems beschließt, noch vor dessen Eröffnung im Frühjahr 2004, den ersten Tag der Ausstellung.



Bartholomäus Schnell und Aron Tänzer

Die Gründung der ersten Buchdruckerei Vorarlbergs durch Bartholomäus Schnell 1616 und die Ansiedlung von Juden seit 1617 durch Graf Kaspar von Hohenems stehen nicht nur zeitlich in einem engen Zusammenhang.
Mit der Druckerei holte der Graf eine wichtige Propaganda-, Legitimitäts- und Bildungsressource in sein kleines Reich, um selbständig Geschichte schreiben zu können. Mit dem Druck der „Emser Chronik“ verschaffte der Graf sich selbst und seiner Herrschaft eine würdige Vergangenheit und begründete zugleich seine politischen Ambitionen; mit der Judenansiedlung setzte er seine Politik der Entwicklung von Hohenems zur Stadt fort und sorgte für wirtschaftliche Möglichkeiten in Form von Handelsbeziehungen, Kapital und Steuereinnahmen zur „Hebung des Marktes“.
Der geplante Druck eines hebräischen Gebetbuches durch Bartholomäus Schnell markierte die Möglichkeit einer engen Verbindung zwischen der Hohenemser Offizin und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bestrebungen der Jüdischen Gemeinde.
In Aron Tänzer fand schließlich beides, die Geschichte des Buchdrucks wie vor allem der Jüdischen Gemeinde – zu einem Zeitpunkt als die gräfliche Herrschaft längst zu Ende und auch die Jüdische Gemeinde selbst im Niedergang begriffen war – seinen ersten ernsthaften Historiker und Archivar.
Die Ausstellungen zum 100. Geburtstag der Vorarlberger Landesbibliothek und von Aron Tänzers Buch „Die Geschichte der Juden in Hohenems“ präsentieren zugleich zwei eigenwillige Charaktere, die gegensätzlicher kaum denkbar erscheinen.

Bartholomäus Schnell. Raufbold, „freier Künstler“ und Pionier des Buchdrucks in Vorarlberg
Eine Ausstellung der Vorarlberger Landesbibliothek im Jüdischen Museum Hohenems
vom 9. März bis zum 8. Mai 2005

Die Buchdruckgeschichte Vorarlbergs beginnt mit dem aus Langenargen am Bodensee stammenden Bartholomäus Schnell d. Ä., der in der äbtisch st. gallischen Druckerei die freye khunst des buechtruckhens erlernte und 1616 in der Grafschaft Hohenems die erste Druckerei im heutigen Vorarlberg in Betrieb nahm. Gleich mit seinem ersten Buch, der „Emser Chronik“, gelang Schnell ein „Meisterwerk der Buchdruckerkunst“, das als „das schönste je in Vorarlberg gedruckte Buch“ bezeichnet wurde – nicht zuletzt von Rabbiner Aron Tänzer, der Schnell und der Wiege des Vorarlberger Buchdrucks im Jahre 1900 den ersten Aufsatz widmete.
Weitere 62 Drucke sind bekannt, was aber vermutlich nur einem kleinen Teil der Gesamtproduktion entspricht. Über 30 Jahre arbeitete Schnell in Hohenems nicht nur als Buchdrucker sondern auch als Buchbinder und Buchhändler.
Schnell war ein zwar treuer, aber unangenehmer Untertan des Grafen, der immer wieder zu Injurien und Gewalttätigkeiten neigte und oft mit dem Gesetz in Konflikt kam. Auch trank er wohl gerne einmal über den Durst. Wiederholt verbrachte Schnell Tage und Nächte im Arrest in Ems. Trotzdem fühlte sich Schnell mit dem Gräflichen Marckhtflecken gleichsam vermählt und auch der Graf wusste die Arbeit des Buchdruckers zu schätzen. Wohl zu Beginn des Jahres 1649, jedenfalls vor dem 19. April, verstarb Bartholomäus Schnell.
Mehrere Pächter, u. a. auch sein Sohn Bartholomäus Schnell d. J., führten die Druckerei weiter, bis sie 1680 für etliche Jahre und 1730 wohl endgültig stillgelegt wurde.
Mit dieser Ausstellung, die auf einer Initiative von Erik Weltsch beruht, und der begleitenden Publikation will die Vorarlberger Landesbibliothek im Rahmen ihres 100jährigen Jubiläums den durch zahlreiche Funde an Akten und Druckwerken bedeutend erweiterten Wissensstand über die Geschichte des frühen Buchdrucks in Vorarlberg einem breiteren Publikum vermitteln und durch einen Einblick in das Buchdruckerei- und Buchbindereiwesen der damaligen Zeit auch einem jüngeren Publikum veranschaulichen.

Publikation zur Ausstellung:
freye khunst. Die Anfänge des Buchdrucks in Vorarlberg.
Herausgegeben von Norbert Schnetzer
W. Neugebauer Verlag GesmbH Graz/Feldkirch
ISBN: 3-85367-203-4



Aron Tänzer. Rabbiner, Forscher, Sammler und liebevoller Pedant
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems
9. März – 8. Mai 2005

Aron Tänzers Buch Die Geschichte der Juden in Hohenems und im übrigen Vorarlberg feiert heuer seinen 100, Geburtstag. Ein Buch, auf dessen inhaltliches Wissen ein großer Teil der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Hohenems basiert und daher auch ein Anlass, insbesondere der Lebensgeschichte seines Schöpfers nachzuspüren. Die Ausstellung Aron Tänzer. Rabbiner, Forscher, Sammler und liebevoller Pedant will neugierig machen auf eine widersprüchliche Lebensgeschichte. Dabei reflektiert das Jüdische Museum gleichsam seine eigenen Grundlagen. Aron Tänzers Suche nach Ordnung – in seinem Leben und in der Geschichte – verdankt sich das meiste Wissen, das wir von der frühen jüdischen Geschichte Hohenems und Vorarlbergs besitzen. Ein Wissen, das freilich durchdrungen ist von so manchen Wünschen, Hoffnungen und falschen Gewissheiten.
Tänzers Geschichte ist eine Geschichte wachsender Vernunft, seine Welt ist eine Welt von beherrschten Trieben, seine Autoritäten sind legitime Herrschaft und das deutsch-jüdische Verhältnis ist ein Rückgrat des Fortschritts. So stellt sich die Vergangenheit für ihn als Vorgeschichte einer deutsch-jüdischen Symbiose dar, die sich noch zu seinen Lebzeiten als Illusion erwies – und einer universalen jüdischen Ethik, in der das jüdische Leben, auf das Tänzer zurückblickte, keineswegs aufging, auch sein eigenes nicht.
Aron Tänzer, geboren 1871 in Pressburg, studierte als Absolvent der berühmten Pressburger Jeschiwa in Berlin und Bern Philosophie, Germanistik und semitische Philologie. Gemeinsam mit seiner jungen Ehefrau Rosa zog Dr. Tänzer nach Hohenems, wo er 1896 die vakante Rabbinerstelle antrat. Das Schaffen von Ordnung, das Sammeln und die Weitergabe von Wissen prägten das Leben und Wirken Tänzers. In Hohenems fanden diese Eigenschaften besonders ihren Ausdruck im bereits erwähnten Buch über die jüdische Gemeinde und in der Schaffung einer Archivordnung. Tänzers handschriftliches Archiv-Register, das im Jüdischen Museum Hohenems bewahrt und gezeigt wird, ist die Grundlage des heutigen Hohenemser Stadtarchivs. Veröffentlichungen mit historischen, religiösen und gesellschaftspolitischen Inhalten und vor allem auch Vorträge zu den unterschiedlichsten, vor allem literarischen Themen beschäftigten Tänzer permanent neben seiner Tätigkeit als Rabbiner.
Ein Schatz, der es uns heute ermöglicht, weitere Einblicke in die Lebenswelt des vielseitigen Rabbiners zu bekommen, sind die erhalten gebliebenen Tagebücher und Briefe, in denen er über seine Arbeit, aber auch in liebevoll-pedantischer Weise über seine Kinder, besonders deren moralisch-menschliche und berufliche Entwicklung berichtet.
Nach einem kurzen Intermezzo als Rabbiner in Meran, trat Aron Tänzer 1907 das Göppinger Rabbinat an. Die dreißig Jahre in Göppingen waren wiederum erfüllt von Tänzers historischer, literarischer und theologischer Forschungs- und Publikationstätigkeit. Sein Ruf als exzellenter Vortragender ging weit über Göppingen hinaus. Als überzeugter Patriot verließ Tänzer Familie und Gemeinde, um freiwillig als Armeerabbiner der deutschen Bugarmee während des Ersten Weltkriegs zu dienen.
Am immer salonfähiger werdenden Antisemitismus in Deutschland zerbrach sein Bild von einer deutschen „Kultur-Nation“. Sein Testament liest sich wie ein Dementi. Erschüttert notierte Tänzer kurz vor seinem Tod: „Bei meiner Beerdigung soll keinerlei deutscher Nachruf oder dgl. gehalten werden, sondern nur die üblichen hebräischen Gebete“. Am 26. Februar 1937 starb Dr. Aron Tänzer.



Jüdischer Kitsch und andere heimliche Leidenschaften
Identity Shopping, Gott im Detail und die Sehnsucht nach den Dingen des Glücks
29. Mai bis 8. Oktober 2005

Seit vier Jahren präsentiert Michael Wuliger jede Woche in der Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung seinen "Shlock Shop" – Jüdischer Kitsch aus dem Internet und aus Duty Free Shops am Flughafen, aus Andenkenläden und Supermärkten. Gemeinsam mit ihm unternehmen wir einen ironischen Streifzug durch die bunte Welt des schönen Seins, auf der Suche nach Gott und Identität.

Zur Ausstellung ist der Katalog Shlock Shop. Die wunderbare Welt des Jüdischen Kitschs erschienen. (siehe Shop)

Feinkost Adam
im Salon des Jüdischen Museums Hohenems

Die Berliner Künstlerin Anna Adam kommt mit ihrem satirischen Projekt FEINKOST ADAM © Klischees vom Judentum auf die Schliche, indem sie sie ad absurdum führt. Das geschieht mit viel Humor – einer seltenen Beigabe in der allzu oft verbissen geführten Auseinandersetzung um ein ernstes Thema.
FEINKOST ADAM © lässt sich sehen, fühlen, lesen, schmecken, hören und mitmachen. Für das Jüdische Museum Hohenems hat FEINKOST ADAM © neue Angebote vorbereitet. Willkommen im Salon! ...und im shop des Museums, wo Anna Adams Multiples erhältlich sind.

Anna Adam, 1963 geboren, studierte in Düsseldorf Pädagogik und Kunst. Von 1990 bis 1994 Kulturmanagerin und freie Dozentin in Hannover und in Amsterdam. Seit 1997 Mitglied der jüdischen Künstlergruppe meshulash. Zahlreiche Ausstellungen, darunter das vieldiskutierte Projekt „Feinkost Adam ©“ im Jüdischen Museum Franken/Fürth, das sie nun in Hohenems fortsetzt. Anna Adam lebt als freischaffende Künstlerin und Bühnenbildnerin in Berlin.

Jüdisches
Der Frankfurter Fotograf Peter Loewy hat „Jüdisches“ fotografiert: Krimskrams und Ritualgegenstände, Kunsthandwerk und Erinnerungsobjekte, kleine Sammlungen und arrangierte Identitäten.
Dank dem Vertrauen, die ihm entgegengebracht wurden, konnte Peter Loewy seine Streifzüge durch die Wohnungen bekannter und unbekannter Menschen unternehmen. Was wir dabei entdecken, sind Nischen des Alltags, Stilleben und Paradiese, mal schrill und bunt, mal voller Melancholie. Wie ein Kind sucht man nach dem Jüdischen im Puzzle der Gegenstände und Stimmungen. Grotesk, kitschig und stolz präsentieren sich die einzelnen Photographien, eine magische Landschaft des Privaten.

Peter Loewy, 1951 in Israel geboren, lebt seit 1956 in Frankfurt am Main, wo auch die Bilder vom Zuhause jüdischer Familien in Deutschland entstanden sind. Seine Fotobücher, z.B. über die Kultur der Bagels oder über window shopping in Paris erscheinen seit 1997 im Kehayoff Verlag, München. Er arbeitet derzeit an einem Projekt über Künstlerateliers.

... und andere heimliche Leidenschaften
Versteckt in den Vitrinen der Dauerausstellung zeigen wir heimliche Sammelleidenschaften von Freunden des Jüdischen Museums: Schnupftabakdosen und Pfeifenköpfe, Talismane und Fetische, „Jüdisches“ und Skurrilitäten des Alltags, die sich in Sammlungen und Chaosschubladen, auf Dachböden und in Schränken für gewöhnlich vor der Öffentlichkeit verborgen halten.

Jüdischer Kitsch @ Hohenems
Die Welt des Jüdischen Kitsches erschließt sich heute vor allem in Andenkenläden und im Internet. Ob Souvenirs von Besuchen in Israel oder in den ehemaligen Ghettos Europas (von Venedig bis Polen), oder Bestellungen im World Wide Web, „jüdische Objekte“ versprechen Identitäten in der Diaspora, in der Zerstreuung jüdischen Lebens in der Welt, an der auch die Existenz eines jüdischen Staates nichts geändert hat.
Kitsch ist ein Versprechen auf Glück, das zwar nicht eingelöst wird, aber die Hoffnung darauf repräsentiert. Der Kitsch der Diaspora ist so ein Versprechen: eine Beziehung zu einem Ort, an dem man nicht ist, aber dessen Gegenwart überall zu spüren ist.

Vor allem in den USA, dem Land der Einwanderung schlechthin, hat sich schon vor hundert Jahren ein Markt für jüdische Produkte entwickelt, ein Markt der vom Chanukkaspielzeug bis zum alltäglichen Bedarf für die koschere Küche reicht – und auf ein wachsendes Bedürfnis nach kultureller Identität reagierte, das über religiöse Gebote und Rituale weit hinaus ging.

Nach der Katastrophe des Holocaust, den Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts überhaupt, ist jüdische Tradition weltweit zum Gegenstand einer nostalgischen Suchbewegung geworden, nicht nur von Juden.

Sehnsucht nach Identität bewegt heute jeden, in einer modernen Welt der Mobilität und Migration, des globalen Warentauschs und der Suche nach „Ursprünglichkeit“. Doch auch diese Sehnsucht bedient sich auf dem Markt der Möglichkeiten.

Die jüdische Kultur ist reich an Ritualen und damit verbundenen Objekten, die nicht auf die Synagogen beschränkt sind, sondern traditionell vor allem das häusliche Leben prägen – Speisegebote und Festordnungen, Übergangsrituale und religiöse Pflichten. Nur eine Minderheit von Religiösen hält sich tatsächlich an die überkommenen Gesetze – doch als kulturelles Erbe sind sie auch in den meisten Familien präsent, die ein weitgehend weltliches Leben führen.

So eröffnet die in Objekten überlieferte Allgegenwart religiöser Traditionen in einer modernen, weltlichen Lebenswirklichkeit ein Spannungsfeld, dass sich hochgradig produktiv erweist: für alle Formen von Kitsch und Ironie und das was möglich wird, wenn beide aufeinander treffen. Heraus kommt ein liebevolles, überbordendes Spiel mit der Berührung von Tradition und Alltag, kulturellen Orientierungen und praktischen Erfordernissen, Mythen und deren Kritik, Identität und ihrer Infragestellung.



Antijüdischer Nippes, populäre Judenbilder und aktuelle Verschwörungstheorien. Die Sammlung Finkelstein im Kontext
16. Oktober 2005 – 28. Mai 2006


Nach 1945 glaubten viele, die antijüdischen Traditionen Europas seien ein für allemal diskrediert. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Im Zeichen von Globalisierung, Einwanderung und der Suche nach festen, unverrückbaren Identitäten, ob in Europa oder dem so genannten „Orient“, in der christlichen wie in der islamischen Welt, erleben populäre Bilder des Jüdischen und wilde Verschwörungstheorien eine überraschende Renaissance, auch dort wo keine Juden leben. Anlass dafür scheint immer wieder der Konflikt um Israel und Palästina zu sein. Doch vielleicht ist es umgekehrt: Negative wie positive Phantasien über „die Juden“ laden den Konflikt im Nahen Osten auf, als ginge es um das Schicksal der Welt. Schauen wir uns diese Phantasien einmal genauer an. Seit 15 Jahren sammelt Gideon Finkelstein judenfeindliche Darstellungen aus vielen Jahrhunderten. Nippes und Schießbudenfiguren, Bierkrüge und Spazierstöcke, Aschenbecher und Karikaturen, Porzellan und Gemälde, mit denen Menschen in Europa ihren weit verbreiteten Phantasien über Juden nachhingen.
Mehr als 400 der Objekte sind in der Ausstellung zu sehen – ergänzt um einige Beispiele aus der Gegenwart. Manches davon erscheint heute skurril und überlebt – doch das Bedürfnis nach Welterklärungen und Heilslehren nimmt wieder zu.
Alltagsgegenstände und Literatur, Karikaturen, Medien und Websites zeigen auf die Menschen, die sie erzeugen und benutzen, was sie umtreibt und wie sie die Welt sehen möchten. Das Jüdische Museum Hohenems fordert zur Diskussion heraus, über die hartnäckige Wirksamkeit einer zweideutigen Faszination. Bilder vom „Juden“.

Zur Ausstellung sind ein Katalog und ein Essayband erschienen:
Falk Wiesemann, Antijüdischer Nippes und populäre Judenbilder. Die Sammlung Finkelstein. Essen: Klartext Verlag, 2005, 255 Seiten, Großformat, zahlr. farb. Abbild., € 30,80 ISBN 3-89861-502-2
(siehe shop)

Hanno Loewy (Hg.), Gerüchte über die Juden. Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien. Essays von Richard Bartholomew, Dan Diner, Werner Dreier, Monique Eckmann, Bernd Fechler, Holger Gehle, Kurt Greussing, Ruth Gruber, Thomas Haury, Yves Kugelmann, Hanno Loewy, Astrid Messerschmidt, Zafer Senocak, Frank Stern, Juliane Wetzel, Moshe Zuckermann. Essen: Klartext Verlag, 2005, 368 Seiten, € 23,60, ISBN 3-89861-501-4
(siehe shop)



Rückschau auf das Jahr 2008/09


HIER. Gedächtnisorte in Vorarlberg. 38-45
12. Oktober 2008 bis 29. März 2009
Fotografien von Sarah Schlatter
Hörstationen von Markus Barnay

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und des bmukk-Projektes erinnern.at

Mit dieser Ausstellung öffnen das Jüdische Museum Hohenems und erinnern.at die Erinnerungslandschaft des Nationalsozialismus in Vorarlberg als Raum eigener Auseinandersetzung, Assoziation und Recherche.
15 Fotografien der Vorarlberger Künstlerin Sarah Schlatter lassen uns Orte, die in der NS-Zeit eine Bedeutung hatten, neu sehen: die Grenze und die Fluchtwege in die Schweiz, Schauplätze der nationalsozialistischen Massenbegeisterung genauso wie der Vorbereitung der Krankenmorde, Stätten der Zwangsarbeit und Orte des Widerstands, urbane Hinterlassenschaften der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik und Spuren der Täter im öffentlichen Erinnern, Orte über die Geschichten erzählt werden und Orte, um die erzählte Geschichte einen Bogen macht.
Die Ausstellung bringt Fotografien der Gegenwart in einen Dialog mit anderen Medien der „Erinnerung“ – Medien der Deutung und des Gebrauchs von Geschichte, Geschichtsgeschichten, die vergangenes Geschehen erträglich oder nützlich machen sollen. Hörinstallationen mit Interviews und Ortsbeschreibungen von Markus Barnay eröffnen einen Raum der Empathie aber auch des Zweifelns.
Mündliche Überlieferung ist zur stillen Post geworden, ihre Erzählungen sind deutungsbedürftig geworden. Und die Orte selbst sind in ständiger Veränderung, der Dialektik des Erinnerns und Vergessens ausgesetzt. Die Ausstellung thematisiert die Vergangenheit in der Gegenwart, zeigt die Orte heute, HIER, schärft die Wahrnehmung für die eigene, regionale Umgebung, erzählt Geschichte bewusst aus dem Jetzt heraus.
Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog im Bucher Verlag. Ein umfangreiches Begleit- und Vermittlungsprogramm führt nicht zuletzt zu vielen der thematisierten Schauplätzen und stellt in verschiedenen Veranstaltungen unsere Fähigkeit zu „erinnern“ zur Diskussion.



Sommerausstellung im Garten des Jüdischen Museums Hohenems

Partikelgestöber
Pavel Schmidt. Skulpturen

5. Juli bis 5. Oktober 2008
Parallel zur großen One-Man-Show von Pavel Schmidt im Museum Tinguely in Basel und seiner Kafka-Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin zeigt das Jüdische Museum Hohenems im Garten der Villa Heimann-Rosenthal Arbeiten von Pavel Schmidt in der neuen Reihe der Sommerausstellungen: Reflexionen im Freien.
Anspielend auf Paul Celans Gedicht „Engführung“ umkreist Pavel Schmidt die bürgerliche Villa Heimann-Rosenthal mit ironischen Fragmenten klassischen Erbes und hohlen Spießertums: Davids Begegnung mit Venus und den Gartenzwergen der Nibelungen.
„Schmidts Werk ist dadaistisch und zugleich barock in der spielerischen Lust an der Ernsthaftigkeit und in der Freude an Umkreisung, Verschlüsselung und Sinnentzug. Und ist barocke Einsicht in die Vergeblichkeit und Eitelkeit aller Dinge.“ Konrad Tobler

Pavel Schmidt, Schweizer Bildhauer, Maler, Zeichner und Schriftsteller, wurde 1956 in Bratislava (Pressburg) geboren und ist heute vor allem unterwegs zu Hause.



„Hast Du meine Alpen gesehen?“
Eine jüdische Beziehungsgeschichte ...

28. April bis 15. November 2009
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und des Jüdischen Museums Wien in Kooperation mit dem Österreichischen Alpenverein

Das Jüdische Museum Hohenems und das Jüdische Museum Wien laden zu einer Neuentdeckung der Geschichte des Alpinismus ein. Gemeinsam mit dem österreichischen Alpenverein und in Kooperation mit dem Kunstmuseum Liechtenstein werden wir 2009 über die jüdische Liebe zu den Alpen nachdenken.
Die Ausstellung „Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte rückt die Bedeutung jüdischer Bergsteiger und Künstler, Tourismuspioniere und Intellektueller, Forscher und Sammler und ihre Rolle bei der Entdeckung und Erschließung der Alpen als universelles Kultur- und Naturerbe zum ersten Male ins Rampenlicht. Die Wahrnehmung der Berge als Ort geistiger und sinnlicher Erfahrung, sie ist mit der jüdischen Erfahrung und dem Eintritt der Juden in die bürgerliche Gesellschaft Europas auf vielfältige Weise verbunden.
Seit Moses, dem „ersten“ Bergsteiger der Geschichte, haben Juden an der Schwelle von Himmel und Erde, von Natur und Geist nach spirituellen Erfahrungen und den Gesetzen und Grenzen der Vernunft gesucht.

In sieben Kapiteln wird die Ausstellung von Spannungsfeldern des Alpinismus erzählen:
- von der Bedeutung der Alpen für die jüdische Diaspora bis zur Wahrnehmung des jüdischen Alpinismus durch die österreichische, deutsche und schweizerische Gesellschaft,
- vom Streit über die Trachten bis zur Arisierung des Alpenvereins und des Österreichischen Skiverbandes,
- vom Widerstreit zwischen einer humanistischen Wahrnehmung alpiner Traditionen und Folklore und einer ins Extrem gesteigerten rassistischen Heimattümelei,
- von der Verwandlung der Berge als Ort spiritueller Erfahrung in einen Schauplatz von Verfolgung und Flucht im Nationalsozialismus.

„Die Alpen sind nicht mehr der ‚Spielplatz von Europa’, sondern ein soldatisches Übungsfeld, die grandiose Schaubühne der Natur keine 'moralische', sondern eine militärische Anstalt“, schrieb Josef Braunstein, der Wiener Alpinist und Musiker, 1936, wenige Jahre vor seiner Emigration in die USA. Und er hatte dabei nicht nur die „Schlacht“ um die Eiger-Nordwand vor Augen. Die Ausstellung „Hast Du meine Alpen gesehen?“ Eine jüdische Beziehungsgeschichte eröffnet am 26. April 2009 in Hohenems. Von Dezember 2009 bis März 2010 wird sie im Jüdischen Museum Wien gezeigt und danach im Alpinen Museum in München.

Jüdisches Museum Hohenems: 26. April bis 15. November 2009
Jüdisches Museum Wien: 15. Dezember 2009 - 14. März 2010
Alpines Museum München: April 2010 bis Februar 2011