Thu, 12. May 2016, 19:30 Fragmente, Spuren, Spolien. Zur materiellen Überlieferung mittelalterlichen jüdischen Lebens im Bodenseeraum Lecture and talk with Prof. Dr. Dorothea Weltecke, Konstanz (in German)

Nach der Vertreibung der Juden aus den süddeutschen Städten in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden ihre Spuren zerstört. Die Erinnerung an 250 Jahre gemeinsamer Kultur wie an wiederkehrende Verfolgung und Massenmord an den Juden sollte untergehen. Heute weiß man oft nicht einmal, wo die mittelalterlichen Synagogen und die Mikwen standen. Stattdessen breiteten sich Mythen aus, weil spätere Vermutungen über die Vergangenheit irgendwann den Status einer Wahrheit erhielten. Was ist übriggeblieben? Verstreut finden sich einige Urkunden und Akten, einige wenige Bücher, Grabsteine, die eingemauert wurden. Und dann gibt es Spuren, die die Gewalt der Zerstörung in sich tragen, obwohl sie auf den ersten Blick ganz harmlos aussehen, wie Blätter einer Bibel, die als Bucheinbände verwendet wurden, eine lateinische Talmudübersetzung, zum Zweck der Polemik abgeschrieben, ein Straßenname, der an einen Jungen erinnert, der vorgeblich von Juden ermordet wurde und der die Rechtfertigung für ein Pogrom abgab. Aus diesen Spuren lässt sich kein Leben rekonstruieren, aber die Idee von einem Verlust. Dorothea Weltecke ist seit 2007 Professorin für Geschichte der Religionen an der Universität Konstanz und betreut derzeit auch ein Ausstellungsprojekt zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte im Bodenseeraum anlässlich des Konstanzer Konzilsjubiläums. Eine Veranstaltung der Reihe „Was bleibt übrig?“

  Location
Jewish Museum Hohenems
Villa Heimann-Rosenthal
Schweizer Straße 5, 6845 Hohenems
Phone: 0043 (0)5576 73989 0
office@jm-hohenems.at 



Admission: € 8,-/5,-

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