Das Jüdische Museum Hohenems erhält den Österreichischen Museumspreis 2022

Der Österreichische Museumspreis 2022 geht an das Jüdische Museum Hohenems. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird jährlich durch den Museumsbeirat des BMKÖS für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Museumsarbeit vergeben.

Als Jury für die Vergabe des Museumspreises fungierte der Museumsbeirat des BMKÖS, bestehend aus: Andrea Bina, Edith Hessenberger, Monika Holzer-Kernbichler, Nadja Al Masri-Gutternig, Niko Wahl.

Auszug aus der Begründung:
„Das Jüdische Museum Hohenems ist ein kleines historisches Museum in einer kleinen Gemeinde im äußersten Westen Österreichs. Die Bedeutung des Museums reicht jedoch weit über den Ort oder die Region hinaus. Das Museum erzählt die Geschichte einer Diaspora Gemeinde, bleibt aber nicht in der Vergangenheit stehen, sondern greift in seinen Ausstellungen aktuelle Themen und Fragen auf, die man sich auch an weit entfernten Orten stellen sollte. […]
Das Museum Hohenems ist ein mutiges Museum, dass sich kein Blatt vor den Mund nimmt, gerne provokante Fragen in den Raum bringt und offen ist für den Diskurs mit allen Interessierten. Die Wichtigkeit des jüdischen Museum Hohenems für die österreichische Museumslandschaft ist unumstritten.“

Staatssekretärin Andrea Mayer: „Das Jüdische Museum Hohenems ist weit mehr als ein Museum. Es ist ein Begegnungs- und Heimatort für viele Menschen – unabhängig von ihrem religiösen Hintergrund. Auch für mich selbst gehört das Jüdische Museum Hohenems zu den Fixpunkten eines Vorarlberg-Aufenthalts. Es ist ein inspirierender Ort, der den Museumsbeirat zurecht überzeugt hat. Ich schließe mich daher gerne an und darf Direktor Hanno Loewy und seinem Team herzlich zu diesem wichtigen Preis gratulieren.“

Die offizielle Verleihung des Preises erfolgt am 13. Oktober im Rahmen des Österreichischen Museumstages in Klagenfurt.

 

Titelbild (Ausschnitt): Dietmar Walser

TiM – Tandem im Museum

In unserem Museum schlummert ein unendlicher Schatz von Geschichten. Auch solche, die wir selber gar nicht kennen. Um diese ans Licht zu holen, brauchen wir Sie! Kommen sie als „TiM – Tandem im Museum“ zu uns! Dafür braucht es nicht viel: nur Ihre Neugierde auf unser Museum, die Freude einen anderen Menschen kennenzulernen und mit diesem gemeinsam etwas zu erleben.

Ausstellung

Über die Grenze

Museumsanalyse – Ausstellungskritik. 

Veranstaltung im Volkskundemuseum Wien, 3.-5. Juni 2022
2021 hat sich unter dem Namen „museumdenken“ ein Netzwerk von Museumsmitarbeiter*innen und Museolog*innen zusammengefunden um über die Zukunft der Institution Museum nachzudenken und sich regelmäßig auszutauschen. Als Medium dient uns die Web-Plattfom www.museumdenken.eu  aber auch Veranstaltungsformate, die wir experimentell erproben wollen.

Unsere nächste Veranstaltung hat zum Ziel, das Museum als Medium der gesellschaftlichen Selbstreflexion öffentlichkeitswirksam zu diskutieren. Es ist unser erster Versuch, einige theoretische Vorannahmen und Beobachtungen zur Entwicklung von Museen in der Praxis anzuwenden und zu erproben. Der Schwerpunkt liegt auf Ausstellungskritik und ihrem „Unterbau“, einer methodisch kontrollierten Ausstellungsanalyse.

Dabei steht die in der Corona-Krise sichtbar gewordene, aber nicht allein von ihr ausgelöste Fragwürdigkeit der gesellschaftlichen Aufgaben der Institution Museum im Fokus: Wir haben diese Krise mit Fragen wie der nach der demokratischen Qualität von Museen, der Erzählbarkeit und Repräsentation von Geschichte in Museen und Ausstellungen für das „Begehen“ von Ausstellungen strukturiert.

In dieser Diskussion spielt auch die Frage nach der Rolle und Verantwortung der Geschichtswissenschaften eine Rolle. Einerseits als ethische Frage (nach der Verantwortung der„Historiker-Zunft“ für die Geschichtskultur), andererseits als Frage nach der Kompetenz der textorientierten Wissenschaft für ein explizit visuelles und gegenständliches Medium, sowie auch nach Wechselwirkungen von aktueller Entwicklung des Fachs und Rezeption dieser Entwicklung an Museen und für Ausstellungen.

Es wird „Besuche“ in Gruppen in einer Reihe von Museen und Ausstellungen geben, deren methodische Gestaltung den jeweiligen Teilnehmerinnen freisteht. Im Anschluss soll gemeinsam über die Erfahrungen berichtet und diskutiert werden.

Aktuelles bei museumdenken 

Di 24. Mai 2022, 19:30 Uhr

Di, 24. Mai 2022, 19:30-21:30 Uhr Vladimir Vertlib – Zebra im Krieg. Roman nach einer wahren Begebenheit Eine Lesung mit dem Autor Vladimir Vertlib, anschließend im Gespräch mit Hanno Loewy und Jürgen Thaler

Liebevoller Vater und wütender Hassposter: Paul ist beides, und als er im Netz bloßgestellt wird, kämpft er um seine Würde, Familie – und sein Leben.

Emsiana

Das Hohenemser Kulturfest emsiana 2022 stellt vom 12. – 15. Mai das Thema Nachbarschaft in den Mittelpunkt – vor allem mit Blick auf den geographischen Standort von Hohenems im Kleinen und die besondere Lage Vorarlbergs im Vierländereck im Großen. Über die Grenzen zu schauen und Brücken zu bauen, ist der emsiana seit jeher ein großes Anliegen. Das zeigt sich nicht nur thematisch im Festprogramm: Wir hoffen auch, insbesondere zahlreiche Besucher:innen aus Nachbargemeinden und Nachbarländern begrüßen zu dürfen.
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Zur Programmübersicht 

Das Programm des Museums 

www.museumdenken.eu

Der unmittelbare Anlass ist die Krise der gesellschaftlichen Bewertung der Museen. Weltweit sind tausende Museen von der Pandemie betroffen, in Lockdowns geschickt, zu Sparmaßnahmen gezwungen, von endgültiger Schließung bedroht. Schwer wiegt, dass die Bedeutung der Museen als vernachlässigbar eingeschätzt wird. Sie gelten als kaum systemrelevant. Das symbolische Kapital, das sich die Institution Museum seit ihrer Entstehung erworben hat, scheint nachhaltig beschädigt.
Die Folgen der Corona-Pandemie für Museen werfen viele Fragen auf. Weitermachen wie bisher, scheint nicht mehr möglich.
Bereits in den Jahren zuvor sind andere Herausforderungen auf die Museen zugekommen: der demografische Wandel, die Forderung vieler marginalisierter Gruppen, nach Sichtbarkeit und ihrem Platz in den Strukturen des Museums, der soziale Elitismus der Institution und der Mangel an demokratischer Haltung, die fortschreitende Ökonomisierung, die Frage kolonialer Beute in Museumssammlungen u.a.m.
museumdenken ist als Plattform für Debatten und den Austausch von Information gedacht – für all jene, die wie wir an einer Diskussion über die wünschbare Zukunft der Museen und ihrer gesellschaftlichen Relevanz interessiert sind. Als virtuelle Plattform steht die Webseite www.museumdenken.eu  zur Verfügung, für den praktischen Austausch unterschiedliche Debattenforen, deren Gestaltung durch die Teilnehmer:innen erfolgt.
museumdenken hat sich als loser Zusammenschluss von Personen und Museen gebildet, als Netzwerk, in dem Expert:innen aus Museen und anderen Kultursektoren verschiedener Länder eingebunden sind. Wir sind an Debatten interessiert, die nicht ausschließlich in der Sprache und in den fachlichen Denkbahnen der Insider geführt werden.
Wir halten eine breite Museumsdebatte für nötig und überfällig.
Wir glauben, dass das aufklärerische und demokratische Potential von Museen noch lange nicht voll ausgeschöpft ist.
museumdenken.webflow.io 

Hohenems, 9. März 2022

Stellungnahme
Das Team des Jüdischen Museums fordert in einem offenen Brief an den Nationalrat, Innenminister Karner sowie Landeshauptmann Wallner, den Spielraum zu nutzen, den die am 4. März 2022 von der EU erstmals in ihrer Geschichte aktivierte Massenzustrom-Richtlinie den Mitgliedstaaten lässt. Wir fordern, dass allen aus der Ukraine nach Österreich Flüchtenden derselbe Schutz gewährt wird und nicht nach „erwünschten“ und „unerwünschten“ Geflüchteten unterschieden wird. Alle, egal welcher Nationalität oder Hautfarbe, fliehen vor demselben mörderischen Angriffskrieg des russischen Militärs.

Hohenems hilft
Die Stadt Hohenems hat zugunsten der Aktion „Hohenems hilft“ der Flüchtlingshilfe Hohenems ein Spendenkonto eingerichtet und freut sich über Spenden: Flüchtlingshilfe Hohenems, Dornbirner Sparkasse, AT75 2060 2000 0032 5480
Zudem sucht die Stadt Hohenems auch weiterhin nach Unterkünften für Schutzsuchende aus der Ukraine. Kontaktperson hierfür ist Christine Fercher-Jost unter christine.fercher-jost@hohenems.at  oder 05576/7101 1246.

Ausstellungseröffnung im Volkskundemuseum Wien am 20. Januar 2022

Unsere Ausstellung „Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee“, kuratiert von Michaela Feurstein-Prasser und Felicitas Heimann-Jelinek (xhibit.at, Wien) wird am 20. Januar 2022 im Volkskundemuseum in Wien eröffnet und wird bis 18. April 2022 dort zu sehen sein. Soft Opening von 14.00 bis 20.00 Uhr in Anwesenheit der Kuratorinnen und von Hanno Loewy (Direktor des Jüdischen Museums Hohenems). Die Wiener Präsentation der Ausstellung wurde ermöglicht durch die Wiener Freunde des Jüdischen Museums Hohenems.