Lesung mit Yasmin Hafedh, Ina Ricarda Kolck-Tudt
und Maya Rinderer

Einführung und Moderation: Vladimir VertlibDonnerstag, 10. Dezember, 19:30 Uhr, Jüdisches Museum Hohenems

Literatur transformiert die Welt durch Sprache, zeigt Widersprüche auf, macht das Wesentliche kenntlich, greifbar, manchmal sogar begreifbar. Drei jungen Autorinnen – Yasmin Hafedh, Ina Ricarda Kolck-Thudt und Maya Rinderer – gelingt dies auf eine originelle und unmittelbare Weise, mit Einfühlungsvermögen und voller Anteilnahme. Sie schreiben über die gesellschaftlichen Krisen und Umbrüche, die wir gerade erleben, über Politik und Persönliches, Geschichte und Gegenwart, gehen der Mehrfachbedeutung von Worten und Zuschreibungen auf den Grund oder reflektieren scheinbar salopp, dabei aber sehr tiefsinnig, über die Welt durch Slam-Poetry oder fragen sich, was die Flüchtlinge, die heute nach Europa kommen, mit ihnen selbst und den eigenen Familiengeschichten zu tun haben.

Die drei Autorinnen sind in Österreich geboren, haben aber alle einen Migrationshintergrund in zweiter Generation (Tunesien, Rumänien, Israel), und dass die Lesung am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, stattfindet, ist kein Zufall.

Yasmin Hafedh, a.k.a. Yasmo, wurde 1990 in Wien geboren. Sie ist eine österreichische Bühnenpoetin, Autorin und Rapperin. Sie studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Yasmin Hafedh schreibt seitdem sie Denken kann. Seit 2007 ist sie Kolumnistin bei der Literaturzeitschrift “& Radieschen”, 2013 war sie mit “Bonustrack” Kolumnistin bei der feministischen Zeitschrift “an.schläge”. Weiters veröffentlicht sie in Literaturanthologien und -zeitschriften. Hafedh ist erfolgreiche Slam-Poetin, Spoken-Word-Künstlerin und Rapperin und als solche bereits auf zahlreichen internationalen Bühnen aufgetreten, hat an Poetry Slams teilgenommen, Schreibworkshops an Universitäten und Deutsch-Instituten geleitet und Soloshows gespielt.
Sie hat in Düsseldorf 2009 als erste Österreicherin bei der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaft den Meistertitel in der Kategorie U20 geholt, 2013 als erste Frau den Titel der österreichischen Meisterin erlangt.

Ina Ricarda Kolck-Thudt wurde 1992 in Feldbach geboren und wuchs in Amstetten auf. Nach der Matura 2011 studierte sie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien (Abschluss 2015) und begann 2014 mit dem Studium der Romanistik an der Universität Wien. Veröffentlichungen im „Augustin“, der Wiener Straßenzeitung, in „Jenny“, der Anthologie des Instituts für Sprachkunst und in der „Zwischenwelt“.

Maya Rinder wurde 1996 in Dornbirn geboren, wuchs zweisprachig auf (Hebräisch und Deutsch), 2014 Matura am Bundesgymnasium Dornbirn. Teilnahme an Workshops von Literatur Vorarlberg und der Jugendliteraturwerkstatt Graz. Ab Herbst 2015 Studium der Orientalistik an der Universität Wien.
Preise (Auswahl): Jurypreis des Irseer Pegasus (2012), Preisträgerin des Hildesheimer Lyrik-Wettbewerbs, Arbeitsstipendium des Landes Vorarlberg (2013), Aufenthaltsstipendium des Landes Vorarlberg in Paliano, Italien (2014).
Esther, Roman 2011, Bucher Verlag; Sommerferienkrieg, Hörspiel im ORF; An alle Variablen, Lyrikband 2013, Bucher Verlag; Die Bienen fliegen, Theaterstück 2014, Theater Kosmos; Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften  und Feuilletons (z.B. Zwischenwelt, miromente, Spectrum).

Vladimir Vertlib, geboren in Leningrad (heute St. Petersburg), lebt heute nach Zwischenstationen in Wien und Israel, den Niederlanden, Italien und den USA in Salzburg. In seinen Romanen setzt er sich mit Migration und Identität auseinander, mit Existenzen zwischen den Welten.

Aktuelle Meldung

Zwischenstationen – Eine literarisch-politische Reise durch Jerusalem mit Eyal Megged, Zeruya Shalev, Sari Nusseibeh und Avraham BurgSa 28. und So 29. November 2015

Sa, 28. Nov 2015, 18:00-21:00 Uhr Jerusalem – Zu viele Städte an einem Ort? Sari Nusseibeh und Avraham Burg im Gespräch mit Hanno Loewy
(in englischer Sprache)
Zwei Querdenker in Israel und Palästina, beide in Jerusalem aufgewachsen und heute noch dort lebend, reflektieren seit Jahren kritisch ihre eigene Geschichte mit dieser Stadt. Sari Nusseibeh und Avraham Burg. Beide wurden in Familien hineingeboren, die die Geschichte Israels und Palästinas im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben, und in Träume von der Zukunft Jerusalems, die gegensätzlicher kaum sein konnten. Heute stehen beide für Grenzüberschreitungen im Denken, die manche für utopisch, andere für realistisch halten.
Im Gespräch miteinander loten die beiden politischen Denker ihre eigenen Erinnerungen aus und diskutieren eine mögliche gemeinsame Zukunft in dieser Stadt.
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So, 29. Nov 2015, 18:00-22:00 Uhr Eyal Megged – Unter den Lebenden
Zeruya Shalev – Schmerz
Es lesen Hubert Dragaschnig und Maria Schrader (in deutscher Sprache)
Anschließend Zeruya Shalev und Eyal Megged im Gespräch mit Hanno Loewy (in englischer Sprache)

Eyal Meggeds neuer Roman heißt „Unter den Lebenden“.
Für den Erzähler ist der frühe Tod seines Freundes Boas Masor ein Schock, von dem er sich nicht erholt. Als Chirurg ist er mit der Alltäglichkeit des Sterbens vertraut. Doch Boas‘ Tod erscheint ihm »unfassbar«, ja »skandalös«. Wie ein Dibbuk, ein böser Totengeist, verfolgen ihn die Erinnerungen. Es erscheint ihm, als habe Boas‹ Tod seinen eigenen vorweggenommen. »Vom Leben Abschied nehmen, na gut, aber von mir selbst Abschied nehmen?« Er begehrt dagegen auf, indem er sich der gemeinsamen Zeit besinnt. An ihre Kindheit in Tel Aviv, ihr Studium, die wechselvollen Beziehungen zu Frauen und Geliebten, Neid und Konkurrenz, Bruch und Versöhnung. So verschieden sie in Wesen, Temperament, Auffassungen und Lebensstilen waren, standen sie sich wie Pole gegenüber. Aus Eyal Meggeds Roman liest Hubert Dragaschnig.

Zeruya Shalevs neuer Roman heißt „Schmerz“.
Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Terroranschlag schwer verletzt worden. Zwar ist sie in ihr altes Leben zurückgekehrt, sie leitet eine Schule, ihr Mann steht ihr treu zur Seite, die Kinder sind fast erwachsen, doch quälen sie Tag für Tag Schmerzen. Als sie Eitan wiederbegegnet, der Liebe ihrer Jugend, der sie vor Jahren jäh verlassen hat, wirft sie das völlig aus der Bahn. Die Wunde, die er ihr damals zufügte, ist nicht weniger tief als die, die der Selbstmordattentäter riss, der sich neben ihr in die Luft sprengte. Und doch fühlt sich Iris, zaghaft, überrascht, erneut zu ihm hingezogen, ist versucht, ihrer Ehe zu entfliehen, die ersten Lügen zu stricken, alles aufs Spiel zu setzen. Aus Zeruya Shalevs Roman liest Maria Schrader.
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Lange Nacht der Museen 2015

Halbstündliche Kurzführungen, Katalogpräsentation, Filmvorführung, Bastel- und Spielzelt für Kinder, Musik: Christof Waibel und Robert BernhardSamstag, 3.10.2015, ab 18.00 Uhr

Halbstündliche Kurzführungen im Haus (18.00 – 01.00 Uhr)
Durch die Dauer- und Sonderausstellung

Sonderausstellung „Endstation Sehnsucht“
Seit drei Jahren verbindet eine umstrittene Straßenbahn den Westen Jerusalems mit jüdischen Siedlungen im palästinensischen Ostteil. In ihr begegnen sich orthodoxe Juden, säkulare Israelis und Palästinenser, Pilger, Stadtbevölkerung und Touristen. In ihr spiegelt sich die brisante Gegenwart der urbanen Gesellschaft von Jerusalem. Das Jüdische Museum Hohenems
 nimmt seine Besucher mit auf eine Fahrt durch die Stadt, die Juden,
 Christen und Muslimen als heilig gilt. Eine Stadt, die Menschen aus allen Teilen der Welt für sich beanspruchen, und in der alle Konflikte der 
Vergangenheit und der Gegenwart ihren Ort haben.

Katalogpräsentation
Der lang erwartete Katalog zur aktuellen Ausstellung wird pünktlich zur Langen Nacht angeliefert, präsentiert und natürlich auch verkauft!

Filmvorführung (im Dachgeschoss)
Wir zeigen von 18.00-1.00 Uhr 7 Stunden aus „24h Jerusalem“.
Die 24-stündige Dokumentation erzählt einen Tag im Leben dieser einzigartigen Stadt und lässt die Zuschauer am Alltag der Stadt teilhaben. 70 Filmteams drehten diesen Film an einem Tag.

Bastel- und Spielzelt für Kinder (18.00 – 21.00 Uhr)
In unserem Bastel- und Spielzelt warten richtige Ferngläser auf dich, die – von dir verziert – auf Entdeckungsreise mitgenommen werden. Und wie wäre es danach mit einer Runde „Reise nach Jerusalem“?

Musik mit Groove (ab 18.00 Uhr)
Jazz, Blues & Rock’n’Roll mit Christof Waibel (vocals, piano) und Robert Bernhard (sax)

Wie immer gibt es ein Buffet für unsere BesucherInnen!

Buslinien
Sie kommen mit der Buslinie 7 und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gratis zu uns.
Die Linie 7 hält im 30 Minutentakt in Hohenems am Schlossplatz (Knotenpunkt), am Bahnhof (Anschluss an alle Züge) und beim Otten Kunstraum. Mehr Information 
Tickets
Das Ticket gilt von 18.00 bis 1.00 Uhr als Eintrittskarte für alle beteiligten Locations und als Fahrschein für die Shuttlebusse.
Kaufpreis: regulär: EUR 13,-, ermäßigt: EUR 11,-
Ermäßigte Tickets für Ö1-Club-Mitglieder, Schüler/innen, Student/innen, Senior/innen, Menschen mit Behinderungen und Präsenzdiener.
Der Eintritt für Kinder bis 12 Jahre ist frei.

Reiseziel Museum

Auf die Reise! Fertig! Los! (Familienprogramm)So, 2. August und So, 6. September 2015, 10 - 17 Uhr

Reiseziel für Weltenbummler 

Du bist ReiseleiterIn und kannst mit deiner Familie Museen in Vorarlberg und Liechtenstein besuchen. Ein schöner Reisekoffer aus Holz sowie ein Museums-Reisepass liegen für dich bereit. 
Als Weltenbummler und Weltenbummlerin erwartet dich eine Reise rund um die Erde. Erlebe andere Traditionen und lerne die Geschichten in einer anderen Sprache kennen. Du erfährst mehr von Menschen, die auf der Reise waren und in anderen Ländern heimisch geworden sind. Viele sind aber auch zu uns gekommen und können dir viel über die Welt berichten…

Das Programm im Jüdischen Museum Hohenems 

Die Dauerausstellung des Jüdischen Museums erzählt die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Hohenems. In der aktuellen Ausstellung, „Endstation Sehnsucht. Eine Reise durch Yerushalayim – Jerusalem – Al Quds“ (bis zum 14. Februar 2016), unternehmen wir eine Straßenbahnfahrt durch die Stadt, die drei Weltreligionen als heilig gilt. In unserem Bastel- und Spielzelt warten richtige Ferngläser auf dich, die – von dir verziert – auf die Entdeckungsreise mitgenommen werden. In den angebotenen Kurzführungen macht die Straßenbahn Halt an vielen spannenden Orten, natürlich kannst du das Museum auch auf eigene Faust erkunden. Und wenn du möchtest, kann du mit deiner Familie in unserem Zelt noch eine Runde “Reise nach Jerusalem” spielen.



Kurzführungen (ca. 30 min.): 

10:15, 11:00, 14:00, 15:00, 16:00 Uhr; Treffpunkt: Foyer des JMH

Workshop im Bastel- und Spielzelt (Einstieg ist jederzeit möglich): 

10:00 bis 17:00 Uhr

Geeignet für Kinder zwischen 3 und 12 Jahren

An- und Abreise sind gratis! Gratisticket online auf vmobil.at  herunterladen und ausdrucken oder aufs Handy laden.
Eintritt: € 1,00/CHF 1,- pro Person (gültig mit Vorarlberger Familienpass oder Liechtensteiner Reiseziel)
Weitere Informationen zum Reiseziel Museum 

News

Sommer-Event im Museumsgarten
Paul Divjak: Letztes Jahr in Jerusalem
18.-19. Juli 2015

Letztes Jahr in Jerusalem (L’année dernière à Jérusalem)
Duft-Installation/Smellscape im Garten des Jüdischen Museums
Im Rahmen des Kunstfestivals on site hohenems: bock auf kunst 

Eröffnung der Duft-Installation: 17. Juli 2015, 18-21 Uhr
Dauer der Duft-Installation: 18.-19. Juli 2015 (10-17 Uhr)

Mit der Duft-Installation tritt der Künstler Paul Divjak in olfaktorischen Dialog mit der aktuellen Ausstellung des Jüdischen Museums, Endstation Sehnsucht. Eine Reise durch Yerushalayim–Jerusalem–Al Quds .

Gerade noch lagen die frischen Etrog-Früchte am Mahane Yehuda Markt in Jerusalem, schon zieht das zarte, zitronige Aroma des Nahen und Mittleren Ostens durch den Garten des Museums. Es mischt sich mit unterschiedlichsten Geruchseindrücken aus verschiedenen Ecken der Stadt, mit von der Sonne erhitztem Stein und Gewürznoten wie Koriander, Kreuzkümmel und Kardamom sowie einem Hauch von Weihrauch, Haschisch und Pinien.

In Letztes Jahr in Jerusalem erzählt der Künstler von einem Spaziergang durch Jerusalem. Was im Rahmen dieser Duftinstallation riechbar wird, sind subjektive Geruchserinnerungen an die Heilige Stadt – die Stadt der drei Weltreligionen; ein ebenso assoziatives wie symbolisches Bouquet, geprägt von der Aura des Ortes und den unterschiedlichen Kulturen.

Paul Divjak, Autor, Medienkünstler und Kulturwissenschaftler, veröffentlicht Essays, Rezensionen und Kolumnen (u.a. Wina – Das jüdische Stadtmagazin), Prosa, Romane, kulturwissenschaftliche Texte und ist in den Bereichen elektronische Musik/Klangkunst, Performance, Olfaktorik, Installation, Film- und (Musik-)Video tätig. Ausstellungen, Performances und Festivalteilnahmen zuletzt u.a. MAK, Wien, Prague Quadrennial, Austrian Cultural Forum NY, Museum der Moderne, Salzburg, Zacheta Gallery, Warschau. www.pauldivjak.com 
Information zum Kunstfestival: Festivalprogramm 

News

"Arme Juden! Über den Umgang mit Not"
Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems 2015
28. Juni bis 3. Juli 2015

Eine Veranstaltung der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München, des Instituts für Jüdische Studien der Universität Basel, des Instituts für Judaistik an der Universität Wien, der Sigi-Feigel-Gastprofessur für Jüdische Studien an der Universität Zürich und der Professur für Judaistik an der Universität Bamberg – in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems.

Jüdisches Leben in Europa war jahrhundertelang von der Erfahrung der Armut geprägt. Hinter den großen Erfolgsgeschichten und den dramatischen Katastrophen, jenseits der Beschwörung kultureller Traditionen und der Nostalgie des Schtetl wird die Alltagsgeschichte eines fortwährenden und oft wenig spektakulären Ringens mit Not und Elend häufig vergessen.
Die Mehrheit der europäischen Juden befand sich immer wieder am Rande der Existenz. Als besonderen Gesetzen unterworfene Minderheit von „Luftmenschen“ waren sie lange Zeit von weiten Bereichen der Ökonomie abgeschnitten, und in ihrem sozialen und kulturellen Leben eingeschränkt, oder – besonders in Osteuropa – in Formen einer repressiven und mit wachsendem Elend verbundenen Teilautonomie sistiert. Massenemigrationen von Ost nach West und Landflucht aus den traditionellen Landgemeinden waren die Folgen, die neue Erfahrungen ermöglichten, aber auch soziale Härten nach sich zogen.

Die Sommeruniversität 2015 wird aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen die soziale Realität, aber auch die politische, literarische und filmische Repräsentation jüdischer Armut betrachten. Versuche, jüdischer Armut mit teils traditionellen, teils modernen Formen der Selbsthilfe zu begegnen werden dabei ebenso Thema sein, wie die Auseinandersetzung der jüdischen Traditionsliteratur mit menschlicher Armut überhaupt.

Die Europäische Sommeruniversität für jüdische Studien Hohenems 2015 steht Interessierten aller Fachbereiche offen. Bevorzugt angenommen werden Studierende der Jüdischen Studien der beteiligten Universitäten München, Basel, Wien, Zürich und Bamberg. mehr 

Informationen und Anmeldungen unter:
www.jgk.geschichte.uni-muenchen.de 

Das Museum

Heimat Diaspora

Das Jüdische Museum Hohenems erinnert an die jüdische Gemeinde Hohenems und deren vielfältige Beiträge zur Entwicklung Vorarlbergs und der umliegenden Regionen. Und es beschäftigt sich mit Jüdischer Gegenwart in Europa, mit Diaspora und Migration. Dazwischen steht das Ende der Jüdischen Gemeinde von Hohenems, markiert durch die regionale NS-Geschichte, Vertreibung und Deportation, Antisemitismus und Holocaust. Entlang dieser Bruchlinien der regionalen und globalen Geschichte widmet es sich den Menschen und ihren Geschichten und pflegt Beziehungen zu den Nachkommen jüdischer Familien aus Hohenems in aller Welt.
Das Museum bietet jährlich Sonderausstellungen  und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm .

Die Dauerausstellung  in der 1864 erbauten Villa Heimann-Rosenthal dokumentiert die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Hohenems, die über drei Jahrhunderte bis zu ihrer Vernichtung in der NS-Zeit existierte.
Moderne Audioguides und Videostationen in deutscher, englischer und französischer Sprache stellen individuelle Erfahrungen in den Kontext einer europäischen Geschichte von Migration, grenzüberschreitenden Beziehungen und Netzwerken. Auf junge BesucherInnen ab 6 Jahren wartet eine Kinderausstellung  mit Geschichten von Monika Helfer und Schattenbildern von Barbara Steinitz.

News

Verlegung von Stolpersteinen in Hohenems

Zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus in Hohenems, Verlegung durch Gunter Demnig
Nach einer Erinnerung an „Euthanasie“-Opfer in Lingenau 2011 ist Hohenems die zweite Vorarlberger Gemeinde, in welcher Gunter Demnig auf Einladung der Stadt sein langjähriges Projekt verwirklicht. Über 46.000 Stolpersteine hat der Kölner Künstler bereits in ganz Europa gesetzt. In Hohenems werden die Steine – in den Boden eingelassene Messingtafeln mit Kurzbiografien – an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnern und am 30. Juni 2014  im öffentlichen Raum vor ihren letzten Wohnorten platziert.

Kaiserin-Elisabeth-Straße 2:     
Frieda Nagelberg (1889-1942)
Kaiserin-Elisabeth-Straße 2:  
Gisela Figdor (1882-1942)
Burgstraße 7:       
Markus Silberstein (1904-1942)
Schweizer Straße 5:     
Clara Heimann (geb. Rosenthal) (1866-1942)
Schweizer Straße 19 (heute Vorplatz Salomon-Sulzer-Saal):
Alois (Louis) Weil (1878-1938)
Schweizer Straße 35:  
Sophie Steingraber-Hauser (geb. Rosenthal) (1863-1942)
Theodor Elkan (1864-1942)
Helene Elkan (geb. Neuburger) (1879-1944)
Hans David Elkan (1900-1944)

Mehr Informationen zum Projekt: www.stolpersteine.eu 

Susan Philipsz – Night and Fog

Soundinstallation auf dem Jüdischen Friedhof Hohenems30. Jänner bis 03. April 2016

Susan Philipsz – Night and Fog ist eine Ausstellung des Kunsthaus Bregenz an zwei Orten in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems.

„Ich habe mich in meinem Projekt von der natürlichen Atmosphäre der Örtlichkeit inspirieren lassen und möchte darüber hinaus auch die Geschichte der Region erforschen. Im Kunsthaus Bregenz möchte ich Aspekte wie Verschwinden, Undeutlichkeit und Abwesenheit thematisieren und das Ambiente des Ortes mit einer tieferen geschichtlichen Perspektive verbinden.“ Susan Philipsz

Die Schottin Susan Philipsz gehört zu den herausragenden Künstler/innen der Gegenwart. Ihre Soundinstallationen auf der Documenta in Kassel, im Guggenheim Museum New York oder in der Tate Gallery in London nähern sich immer wieder den Beziehungen zwischen Trauer, Erinnerung und Trauma an. In ihrer letzten Arbeit War Damaged Musical Instruments (2015) beschäftigte sie sich mit kriegszerstörten Instrumenten. Ausgangspunkt ihres gegenwärtigen Projektes für das Kunsthaus Bregenz und das Jüdische Museum ist Peter Zumthors Architektur, eine illuminierte Struktur vor dem Hintergrund des Sees und des Nebels, der in den Wintermonaten Stadt und Landschaft prägt – und die Erinnerungslandschaft des Hohenemser Friedhofes, der sich am Berghang wie eine Treppenskulptur aus der Ebene erhebt.

1955 versuchte Alain Resnais in seinem Dokumentarfilm Nacht und Nebel, die Deportationen in die Lager Auschwitz und Majdanek zu rekonstruieren. Susan Philipsz zerlegt für das Kunsthaus Bregenz die von Hanns Eislers komponierte Filmmusik in die einzelnen Stimmen der Instrumente. Eine der Stimmen erklingt auf dem Jüdischen Friedhof in Hohenems, der nun bald 400 Jahre ein „Ort des Lebens“ und der Erinnerung ist. 1938 wurde hier die Asche des in Dachau ermordeten Louis Weil beigesetzt (oder die Asche anonymer KZ-Opfer wie sie üblicherweise von den Nazis an Angehörige versandt wurde). Das war die letzte Beerdigung vor dem Krieg, bevor die letzten noch hier lebenden Mitglieder der Gemeinde deportiert und ermordet wurden. Doch auch heute ist der Friedhof ein „Ort des Lebens“ und noch immer finden Beerdigungen statt. Getragen wird der Friedhof vom Verein zum Erhalt des Jüdischen Friedhofs Hohenems.

Susan Philipsz wurde 1965 in Glasgow geboren. 2000 wurde sie vom PS1 Studio Residency Program zu einem Künstleraufenthalt in New York eingeladen. 2001 nahm sie am Studioprogramm KW  Residencies der Kunst-Werke Berlin e.V. teil und lebt seitdem in Berlin. Ihr Werk setzt sich auf der Grundlage eines melancholischen Daseinsgefühls mit der menschlichen Stimme auseinander. In ihren akustischen Werken arbeitet sie meist ortsspezifisch. Bekannt wurde Philipsz 1999 mit a cappella gesungenen Liedern, für das Glasgow International Festival 2010 entwickelte sie nach einer Ballade aus dem 16. Jahrhundert das Werk Lowlands. Das Liebeslied — in drei Versionen gesungen, um unter drei Brücken in Glasgow übertragen zu werden — wurde später an der Tate Britain in London zur Aufführung gebracht. 2010 erhielt sie dafür den renommierten Turner Prize.

Einzelausstellungen in jüngster Zeit waren unter anderem War Damaged Musical Instruments,  Duveen Galleries, Tate Britain, London (2015/2016); Follow Me an unterschiedlichen  Ausstellungsorten in Genua und im Museo d´Arte Contemporanea di Villa Croce, Genua (2015); War Damaged Musical Instruments (Pair), Theseustempel, Kunsthistorisches Museum, Wien (2015); The Distant Sound an unterschiedlichen Ausstellungsorten in Dänemark, Schweden, Norwegen (2014); Part File Score, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin , Berlin (2014); It Means Nothing To Me, Mizuma & One Gallery, Peking (2012); Seven Tears, Ludwig Forum, Aachen (2011), You Are Not Alone, Haus des Rundfunks, Berlin (2011); We Shall Be All, MCA – Museum of Contemporary Art, Chicago (2011).

Titelfotos: Rudolf Sagmeister, 2015

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Die Ausstellung im Kunsthaus Bregenz:

Karl-Tizian-Platz, 6900 Bregenz, mehr 

Einladung 
Heft zur Ausstellung (pdf) 

Endstation Sehnsucht

Endstation Sehnsucht.
Eine Reise durch Yerushalayim–Jerusalem–Al Quds
10. Mai 2015 bis 14. Februar 2016

Seit drei Jahren verbindet eine umstrittene Straßenbahn den Westen Jerusalems mit jüdischen 
Siedlungen im palästinensischen Ostteil.
In ihr begegnen sich orthodoxe Juden, säkulare Israelis und Palästinenser, Pilger, Stadtbevölkerung und Touristen. In ihr spiegelt sich die brisante Gegenwart der urbanen Gesellschaft von Jerusalem.
Das Jüdische Museum Hohenems
 nimmt seine Besucher mit auf eine Fahrt durch die Stadt, die Juden,
 Christen und Muslimen als heilig gilt. Eine Stadt, die Menschen aus allen 
Teilen der Welt für sich beanspruchen. Und in der alle Konflikte der 
Vergangenheit und der Gegenwart ihren Ort haben.

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems
Kuratiert von Hannes Sulzenbacher
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