Die Zukunft der Zeitzeugenschaft

Das Jüdische Museum Hohenems lädt dazu ein, gemeinsam über die „Zukunft der Zeitzeugenschaft“ nachzudenken und zu diskutieren. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach einem möglichen gesellschaftlichen Vakuum, sondern auch nach einem reflektierten Umgang mit erzählter und medial bewahrter Erinnerung – wenn die Erzählenden selbst nicht mehr an diesem Prozess teilnehmen können.
Forschende aus den Geschichts-, Sozial- und Jüdischen Wissenschaften stellen sich der Frage, wie es nach dem Ableben der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, der Überlebenden des Holocaust, mit der Erinnerungsarbeit weitergehen soll.

 

Shoah

Regie: Claude Lanzmann | Frankreich 1974-1985 | Doku | 566 Minuten | OF mit dt. UT | Wir zeigen den Film anlässlich des 75. Holocaust-Gedenktages zur Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau. Dies ist eine seltene Gelegenheit, den 9,5-stündigen Film in voller Länge (mit Pausen) zu sehen. Mehr als zehn Jahre arbeitete Claude Lanzmann an dieser mittlerweile „klassischen“ und zugleich monumentalen Dokumentation der systematischen Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten. Der Film zeigt kein historisches Material und setzt nicht auf optische Schocks. In langen Interviews mit Opfern und Tätern, in meditativen Bildern von den Orten des Geschehens 40 Jahre danach, zeigt der Film die Ereignisse der Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart.

Ausstellung

24. Oktober bis 17. November 2019 | Im Rahmen eines Projekts der Architekturfakultät der Universität Liechtenstein haben 13 Studierende sich intensiv mit der Stadt Hohenems und seinem Jüdischen Museum auseinandergesetzt. Das von der Stadt Hohenems und dem Land Vorarlberg geförderte Projekt soll dazu dienen, mögliche Entwicklungsperspektiven für das Museum und den städtischen Raum, der es umgibt, auszuloten.

Ausstellung

10. November 2019 bis 13. April 2020
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ)

Die Zeitzeugenschaft des Holocaust geht ihrem Ende entgegen. Nur noch wenige Überlebende der NS-Herrschaft können aus eigener Erfahrung sprechen – oder von jenen Menschen berichten, die im Holocaust ermordet wurden. Was bleibt, sind literarische Zeugnisse und unzählige Videointerviews der Überlebenden – sowie die Frage danach, wie wir in Zukunft mit dieser Erbschaft umgehen wollen. Grund genug, den Blick auf die Geschichte der Zeitzeugenschaft zu richten, die komplexe Beziehung zwischen Zeitzeugen und Interviewer, Medium und Gesellschaft zu erkunden.

Dabei steht die Erinnerung an die Shoah, wie sie in Interviews und Aufnahmen von öffentlichen Auftritten der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen überliefert ist, im Fokus. Sie wird zur Erzählung – einem Trauma abgerungen und zugleich das Produkt von Beziehungen und Interessen, abhängig von ihrem jeweiligen Kontext in Politik und Gesellschaft, vor Gericht oder Schulklassen, für die Forschung, das Fernsehen oder Kino.

Die Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ hinterfragt die „Gemachtheit“ der Zeitzeugeninterviews und ihre gesellschaftliche Rolle seit 1945; und gibt Einblicke in die Video-Sammlung des Jüdischen Museums Hohenems, in Interviews die bislang nie gezeigt wurden.

Europäische Sommeruniversität für jüdische Studien „Mahlzeit! Vom Sinn des Essens“

30. Juni bis 5. Juli 2019
Eine Veranstaltung der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München, des Zentrums für Jüdische Studien der Universität Basel, des Zentrums für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg, des Instituts für Judaistik an der Universität Wien, der Professur für Judaistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Sigi-Feigel-Gastprofessur für Jüdische Studien an der Universität Zürich – in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems.

Ist der Mensch was er isst? – Nicht nur in der jüdischen Geschichte hat das Essen immer eine hochsymbolische und identitätsstiftende Dimension gehabt. Das gilt nicht nur für religiöse Speisegebote, ethnische Spezialitäten, lokale Traditionen oder migrantische Identitätsangebote. Über Speisen und Getränke werden nostalgische Erinnerungsgemeinschaften gestaltet, aber es wird auch individuell Zugehörigkeit und Differenz zum Ausdruck gebracht.

Die Gesetze der Kaschrut haben die Phantasien von Juden wie Nichtjuden dabei zu vielfältigen Spekulationen angeregt, über Symbole des Zusammenlebens und Gesundheit, Ernährungsphysiologie und religiöse Glaubensinhalte. Und sie haben Gegenbewegungen, auch im Judentum selbst, nach sich gezogen, bis zur bewussten Brechung der Speisegesetze als politisches Statement. Gleichzeitig erscheint es schwer, von einer „jüdischen Küche“ zu sprechen, eher von einem jüdischen Twist in der arabischen oder osteuropäischen, amerikanischen, persischen oder italienischen Küche.

Die 11. Europäische Sommeruniversität für Jüdische Studien Hohenems wird vom 30 Juni bis zum 5. Juli 2019 – in gewohnt breiter interdisziplinärer Perspektive – den sozialen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Bedeutungen von Speisen und Lebensmitteln nachgehen, ihrer Tradierung durch Kochbücher und mündliche Überlieferung, ihrem Handel und ihrer – oftmals als „Frauenarbeit“ definierten und zugleich männlich kontrollierten – Herstellung, ihren vielfältigen Symbolwelten und ihrer Alltagspraxis in unterschiedlichen Gesellschaften.


Öffentliche Vorträge im Rahmen der Sommeruniversität:

So 30. Juni 2019, 14.30 Uhr
Awi Blumenfeld (Wien):
Ma nishtana… was ist der Unterschied…?
Gedanken über Essen, Juden und den kleinen Unterschied! mehr 

So 30. Juni 2019, 20.00 Uhr
Ellen Presser (München):
Heymisches Essn, Loizelach und Majselach rund um die Polnisch-jüdische Küche mehr 

Di 2. Juli 2019, 20.00 Uhr
Michael Wex (Toronto):
Who Says it has to Taste Good. How Food Becomes Jewish mehr 

Do 4. Juli 2019, 20.00 Uhr
Smadar Sheffi (Tel Aviv)
Fusion. Representation of Food in Israeli Art as Signifier of Myth and Identity mehr 

Alle Vorträge finden im Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, in Hohenems statt.

Mehr Information zur Sommeruniversität 

Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater

Ausgehend von Fritz Hochwälders DER FLÜCHTLING beschäftigt sich das Vorarlberger Landestheater im Begleitprogramm mit den historischen Fluchtereignissen in Vorarlberg und deren Nachwirkungen, wie auch mit aktuellen Fragestellungen zum Thema Flucht.
In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems, der Caritas Vorarlberg und der Arbeiterkammer Vorarlberg.

Das gemeinsame Programm mit dem Jüdischen Museum Hohenems:

Grenzsteine erzählen
Im T-Café und Parkettfoyer des Vorarlberger Landestheaters
Hörstationen mit Berichten von Zeitzeugen, deren Flucht während des Nationalsozialismus über die Grenze Vorarlbergs in die Schweiz führte. Im T-Café und Parkettfoyer des Vorarlberger Landestheaters. Zugänglich zu den Öffnungszeiten an Vorstellungstagen, also noch bis Freitag, 21. Juni 2019.

Di, 4. Juni 2019, 19.30 Uhr
Diesseits der Grenze. Lebensgeschichten aus den Akten der Fremdenpolizei
T-Café Lesung und Gespräch mit Gabriel Heim
Spurensuche in den Archiven der Basler Fremdenpolizei 10 Schicksalswege aus dem 20. Jahrhundert – spannend wie ein Roman mehr 

Sa, 22. Juni 2019, 15-17 Uhr
Grenzfahrt am Alten Rhein – Dialogführung per Fahrrad
Die Entstehung und wechselvolle Geschichte der Grünen Grenze am Alten Rhein stehen im Mittelpunkt unserer Fahrradtour entlang des Flusslaufes. An mehreren Stopps bringen wir die Landschaft diesseits und jenseits des Alten Rheins zum Erzählen – von geglückten und gescheiterten Fluchten, von Widerstand und Kollaboration, von Fluchthelfern und Deserteuren wird die Rede sein. mehr 

Im Begleitprogramm des Vorarlberger Landestheaters ÜBER GRENZEN, aus Anlass von Fritz Hochwälders Der Flüchtling. 

Alte Freiheiten von Ems

Zweite Ausgabe der Zeitung des Jüdischen Museum Hohenems erschienen

Die jährliche Zeitung des Jüdischen Museums Hohenems, deren Titel auf eine jiddisch/hebräische Notiz auf dem erhaltenen Schutzbrief von 1617 anspielt, berichtet jährlich über wichtige Dimensionen unserer Museumsarbeit. Die 2. Ausgabe von 2018 enthält Reden, Berichte und eine fotografische Dokumentation des großen Nachkommentreffens von 2018 und zahlreiche Familiengeschichten der Hohenemser Nachkommen in aller Welt, am Beispiel der Brunners und Rosenthals, Kahns und Hirschfelds, Burgauers, Sulzers und Landauers. Die Zeitung kann gegen Übernahme der Versandkosten beim Museum bestellt werden.

Alte Freiheiten von Ems

Zweite Ausgabe der Zeitung des Jüdischen Museum Hohenems erschienen

Die jährliche Zeitung des Jüdischen Museums Hohenems, deren Titel auf eine jiddisch/hebräische Notiz auf dem erhaltenen Schutzbrief von 1617 anspielt, berichtet jährlich über wichtige Dimensionen unserer Museumsarbeit. Die 2. Ausgabe von 2018 enthält Reden, Berichte und eine fotografische Dokumentation des großen Nachkommentreffens von 2018 und zahlreiche Familiengeschichten der Hohenemser Nachkommen in aller Welt, am Beispiel der Brunners und Rosenthals, Kahns und Hirschfelds, Burgauers, Sulzers und Landauers. Die Zeitung kann gegen Übernahme der Versandkosten beim Museum bestellt werden.

Lange Nacht der Museen 2018

Ausstellung "Sag Schibbolet", Halbstündliche Kurzführungen, Kinderprogramm, Musik: "Pastis" und ein feines Buffet6. Oktober 2018, 18.00-01.00 Uhr

Halbstündliche Kurzführungen im Haus (18.00–24.00 Uhr)
Durch die Dauer- und Sonderausstellung: „Sag Schibbolet! Von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen“
Während man von Globalisierung und internationaler Gemeinschaft spricht, werden überall in der Welt neue Grenzzäune und Mauern errichtet: um Staaten, besetzte Territorien und exklusive Wohnsiedlungen, zwischen öffentlichem und privatem Raum, Erlaubtem und Unerlaubtem. Grenzen entscheiden über Leben und Tod, „Identität“ und „Fremdheit“, Zugehörigkeit und Ausschluss. In dieser Ausstellung sind internationale Künstler dazu eingeladen, Grenzen in aller Welt kritisch zu betrachten. mehr  
Kinderprogramm „Koscher oder nicht. Grenzen überall!“ (Seminarraum, 18–22 Uhr) Wir suchen nach Grenzen und dann wird ein besonderes Besteck angefertigt.
Musik: Pastis (ab 18.00 Uhr)
Coole Songs und heiße Rhythmen mit Nina Fleisch (Gesang), Paul Winter (Keys), Bernd Konzett (Bass), www.pastisband.com 
Wie immer gibt es ein feines Buffet für unsere BesucherInnen!

Tickets
Das Ticket gilt von 18.00 bis 1.00 Uhr als Eintrittskarte für alle beteiligten Locations und als Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel. Kaufpreis: EUR 15,-, ermäßigt: EUR 12,- Ermäßigte Tickets für Ö1-Club-Mitglieder, Schüler/innen, Student/innen, Senior/innen, Menschen mit Behinderungen und Präsenzdiener. Der Eintritt für Kinder bis 12 Jahre ist frei.
Öffentlicher Verkehr
Die Sonder-Buslinie 7 fährt von Dornbirn über Hohenems, Götzis, Koblach und Rankweil nach Feldkirch und retour. Die Linie 7 hält im 30 Minutentakt in Hohenems am Schlossplatz und am Bahnhof (Anschluss an alle Züge).

Flüchtlinge und ihre Zukunft in Vorarlberg?

Diskussion mit Christian Gantner, Dr. Eva Grabherr, Bernd Klisch, Harald Köhlmeier und Anton Strini 1. Oktober 2018, 19.30 Uhr, Salomon Sulzer Saal

Mo, 01. Okt 2018, 19:30-21:30 Uhr
Diskussion mit Christian Ganter (Landesrat für Inneres, Sicherheit und Integration, Bregenz), Dr. Eva Grabherr (okay. zusammen leben, Dornbirn), Bernd Klisch (Caritas Vorarlberg, Feldkirch), Harald Köhlmeier (Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbandes), Anton Strini ((Landeskoordinator für die Arbeitsintegration von bleibeberechtigten Flüchtlingen)

Moderation: Hanno Loewy

Die neue österreichische Bundesregierung vollzieht eine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik: Es sollen keine „illegalen MigrantInnen“ mehr ins Land gelassen und sowohl die Betreuung als auch die Rechtsberatung von AsylwerberInnen soll durch eine staatliche Agentur statt wie bisher durch NGO’s durchgeführt werden. Während in Vorarlberg die Integration von Flüchtlingen vom ersten Tag an gefördert und die Unterbringung in möglichst vielen Gemeinden und möglichst kleinen Quartieren organisiert wird, sprechen Politiker auf Bundesebene zunehmend von Großquartieren ohne Kontakte zur Bevölkerung. Welche Zukunft haben Flüchtlinge in Vorarlberg? Gemeinsam mit VertreterInnen der Politik in Vorarlberg und der Flüchtlingsbetreuung wollen wir diskutieren, wie es mit dem Leben von Geflüchteten in Vorarlberg weiter gehen soll.

Eine Veranstaltungim Rahmen der Ausstellung „Sag Schibbolet!“ in Zusammenarbeit mit der Caritas Vorarlberg

Titelbild: Fiamma Montezemolo „Traces“, 2012 (Filmstill)